Zukauf von OP-Kapazitäten

Vorarlberg / 04.10.2013 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Problem der Augenheilkunde ist auch der Ärztemangel. Foto: vn
Ein Problem der Augenheilkunde ist auch der Ärztemangel. Foto: vn

Liechtensteinischer Gesundheitsanbieter soll Augenabteilung in Feldkirch entlasten.

Feldkirch. (VN-mm) Wartezeiten von 12 bis 14 Monaten muss einkalkulieren, wer sich im LKH Feldkirch den Grauen Star (Katarakt) operieren lassen will. „Inakzeptabel“, befand Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard und ließ über den Sommer ein Konzept zur Verbesserung der Situation ausarbeiten. Nun sollen niedergelassene Augenärzte, die tagesklinischen Einrichtungen der heimischen Spitäler sowie die Kooperation mit einem liechtensteinischen Gesundheitsanbieter die überlaufene Abteilung entlasten. „In der Gesundheitsvorsorge darf durchaus auch grenzüberschreitend gedacht und gearbeitet werden“, bestätigte Bernhard auf VN-Nachfrage diesbezügliche Pläne.

Enorme Steigerungen

Die augenärztliche Versorgung in Vorarlberg steht seit Jahren in der Kritik. Während der niedergelassene Bereich im Bundesvergleich klar weniger Behandlungen verzeichnet – das Verhältnis liegt bei 4100 zu 6116 – wird die Augenabteilung im LKH Feldkirch überrannt. Mit ein Grund für den Zulauf sind laut Christian Bernhard Injektionen, die bei Funktionsverlust der Netzhaut (Makula­degeneration) gesetzt werden. Da die altersbedingte Form die häufigste darstellt, gibt es aufgrund der steigenden Lebenserwartung entsprechend viele Betroffene. 1520 Injektionen wurden 2012 verabreicht, 2005 waren es noch 23 Behandlungen.

Gelitten unter dieser Entwicklung haben die Eingriffe zur Korrektur des Grauen Stars. Dabei handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse. Solche Operationen sind die in der Augenheilkunde geläufige Routine. Dabei wird die trübe Linse mittels Ultraschall entfernt und eine dem Auge angepasste Kunstlinse eingesetzt. 2012 führten die Augenärzte im LKH Feldkirch 2240 Kataraktoperationen durch. Aber es reicht bei Weitem nicht, um die tatsächliche Nachfrage zu bewältigen. Mehr noch: „Wir sind mit den Zahlen im österreichweiten Ranking deutlich abgefallen“, so Bernhard. Deshalb räumte er der Lösung dieses unbefriedigenden Zustands auch „höchste Priorität“ ein.

Eingriffe werden ausgelagert

Kapazitäten sieht er im niedergelassenen wie im stationären Bereich. Auslagerungen sind demnach vor allem in die tagesklinischen Einheiten der Landeskrankenhäuser Bludenz und Hohenems geplant. Außerdem macht die liechtensteinische Klinik mit. Im Landeskrankenhaus Feldkirch selbst wird die Augenambulanz umgebaut und ein zusätzlicher OP-Saal für die Abteilung von Primar Stefan Mennel errichtet. Damit hoffen die Verantwortlichen auf baldige Besserung.

Nicht vom Tisch scheint ebenso die Idee einer „Modellregion Augenheilkunde“. Der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK), Manfred Brunner, brachte sie bereits vor einigen Jahren aufs Tapet. Ein Durchbruch war ihr trotz der ständigen Engpässe allerdings nicht beschieden. Auch sie basiert auf einer stärker vernetzten Zusammenarbeit zwischen niedergelassenem und stationärem Bereich. Nun ist geplant, das Modell einer abgestimmten Versorgung zumindest in den Landeszielsteuerungsvertrag aufzunehmen. „Diesbezüglich sind wir uns einig“, spricht Manfred Brunner für das Land und den Sozialversicherungsträger.

Es darf auch grenzüberschreitend gearbeitet werden.

christian bernhard

Fakten

2007 2012

Kataraktoperationen 1174 2240 +91 Prozent

Netzhautoperationen 5 108 +2060 Prozent

Glaukomoperationen 41 155 +278 Prozent

Intraokulare Injektionen 13 1520 +11.592 Prozent

Alle Eingriffe 2998 5586 +86 Prozent

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