Zum Erntedank – du glücklicher Vorarlberger

Vorarlberg / 04.10.2013 • 16:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto: VN/Steurer
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Falls du heute Morgen gesund aufgewacht bist, bist du glücklicher als eine Million Menschen, welche die nächste Woche nicht erleben werden. Falls du nie einen Krieg erlebt hast, nie Einsamkeit durch Gefangenschaft eines Gequälten gespürt oder gefoltert worden bist, bist du glücklicher als 500 Millionen Menschen der Welt. Falls du sonntags in die Kirche gehen kannst, ohne davor Angst zu haben, dass dir deswegen gedroht wird oder du deswegen umgebracht, dein Haus angezündet wird und deine Familienmitglieder durch Bombenterror umkommen, bist du glücklicher als Millionen Menschen der Welt. Falls sich in deinem Kühlschrank Essen befindet, du Kleidung zum Anziehen hast, ein Dach über dem Kopf hast und ein Bett zum Hinlegen, bist du reicher als 50 Prozent der Einwohner dieser Welt. Falls du ein Konto auf der Bank hast und etwas Geld in deiner Geldtasche, gehörst du zu den 18 Prozent der wohlhabenden Menschen dieser Welt. Falls man dir ein Buch geschenkt hat, bist du zudem doppelt gesegnet: Erstens hat jemand an dich gedacht und zweitens gehörst du nicht zu der Milliarde Menschen, die nicht lesen können.

Und wir: Jammern auf hohem Niveau

Den meisten Menschen bei uns geht es eher gut. Natürlich – und das soll durchaus hier nicht gering geredet werden – gibt es für manche Probleme in ihrem Leben, die dieses hart und sehr schwer machen. Ich denke da an Menschen, die unheilbar krank sind, an Arbeitslose, an Arme; an Menschen, die unter privaten Schicksalsschlägen zu leiden haben usw. usw. Aber dem Großteil der Bevölkerung geht es gut, sehr gut sogar (siehe Einleitung). Trotzdem erlebe ich es immer wieder, wie unzufrieden viele Menschen sind; unzufrieden mit ihrem Leben; unzufrieden, weil sie „zu wenig“ haben; unzufrieden, weil Neid und Gier die eigene Seele total vergiftet haben. Und deshalb ist es, so denke ich, recht gut, im Monat Oktober, der den Beinamen „Erntling“ trägt, ein wenig einmal innezuhalten und darüber nachzudenken, was mein Leben doch reich und geglückt macht. Das hat aber nur dann auch richtig „Hand und Fuß“, wenn ich nicht in erster Linie danach „Ausschau“ halte, was mir fehlt, sondern ganz bewusst „Ausschau“ halte, was ich alles habe und deshalb in eine ganz bewusste Haltung der Dankbarkeit hineinkomme. Wie vieles gibt es da wohl?

Es lohnt, sich darüber wirklich einmal Gedanken zu machen.

Und noch etwas: Bewusster den Glauben an Gott leben

Darum: „Count your blessings“! – „Zähle den Segen“! Ja, zähle den Segen, den Gott dir gegeben hat und gib immer wieder etwas von ­diesem seinem Segen ab! ­Vertrau dem Leben, weil Gott es mit dir lebt und scheue dich nicht, diesen deinen Glauben auch aktiv in deiner Pfarrgemeinde zum Ausdruck zu bringen (auch sonntags, beim Gottesdienst). Denn auch das ist Erntedank. Deshalb: Gott, segne unsere Hände, die sich zur Faust geballt haben, dass sie sich zum Händedruck ­öffnen; segne unsere Augen, in denen Bitterkeit liegt, dass sie Freundlichkeit ausstrahlen; segne unseren Mund, der verdammen will, dass er ein freundliches Wort findet; ­segne unser Herz, das auf Vergeltung aus ist, dass es nicht von Rachsucht erfüllt wird. Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen gesegneten Sonntag voller Freude über das, was das Leben reich und geglückt macht!

Roland Trentinaglia,

Pfarrer Hörbranz/Hohenweiler

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