Batschuns: Motiv Fremdenhass

Vorarlberg / 08.10.2013 • 21:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die 22 und 25 Jahre alten Angeklagten mussten gestern vor dem Richter Platz nehmen. Foto: VN/Hofmeister
Die 22 und 25 Jahre alten Angeklagten mussten gestern vor dem Richter Platz nehmen. Foto: VN/Hofmeister

Brandanschlag war keine „bsoffene Gschicht“. Angeklagte zu Geld- und bedingten Haftstrafen verurteilt.

Feldkirch. In der Nacht vom 26. auf 27. Jänner wurde das Asylheim in Batschuns Ziel eines Brandanschlags. Zwei Burschen im Alter von 25 und 22 Jahren warfen eine mit Benzin gefüllte Weinflasche in Richtung Gebäude. Zum Glück zerbarst die Flasche, das Benzin lief aus und versickerte zum größten Teil in dem sandigen Boden vor dem Haus. Zu einem echten Brand kam es nicht. Die Spuren der Aktion waren geringfügig, durch viel Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Gestern mussten sich die zwei Burschen wegen versuchter Brandstiftung vor Gericht verantworten und wurden schuldig gesprochen. Die Strafen: 7200 Euro und 4500 Euro unbedingte Geldstrafe. Zudem wurden Bewährungsstrafen im Ausmaß von zwölf und sieben Monaten ausgesprochen.

Wenig Erinnerung

Vor Gericht gab der angeklagte Maurer an, er sei so betrunken gewesen, dass er sich an nichts mehr erinnern könne. Vor der Polizei meinte er noch: „Ich hatte keinen Filmriss, an große Teile kann ich mich schon erinnern.“ Ganz spontan habe man auf einer Geburtstagsfeier die Idee geboren, eine „Bombe“ zu bauen. Die zwei Burschen fuhren zu einer Tankstelle und füllten Benzin in eine Weinflasche. Danach fuhren sie wieder zurück nach Batschuns. Zunächst fanden sie keine geeignete Lunte. Irgendein Stofffetzen hätte genügt. Dann behalfen sich die beiden mit einem Kassenbon, den sie zusammenfalteten. „Ich werfe die Flasche jetzt gegen das Asylheim“, lallte der Betrunkene. Sein Kumpel reichte ihm das Feuerzeug, der andere warf. Wo der Brandsatz genau aufprallte, konnte der Brandsachverständige nicht mehr rekons­truieren, dass sich die beiden aber damit abfanden, dass sie das Haus anzünden könnten, war für den Senat klar.

Mehr als zugegeben

Der Erstangeklagte dementierte zwar, der rechten Szene anzugehören, seine Vergangenheit und Zeugenaussagen zeichnen aber ein anderes Bild. „Ein Wohnungskollege bezeichnete Sie sehr wohl als ausländerfeindlich. Sie verwendeten ‚88‘ – also das Geheimzeichen für ‚Heil Hitler‘ – in Ihrer E-Mail-Adresse und ein Zeuge hat gehört, wie Sie sich daran störten, dass Asylanten in das Heim einzogen“, erklärt Richter Martin Mitteregger die Hintergründe. Auch der Erstangeklagte bestätigte ehrlicherweise: „Es stimmt, wenn er was getrunken hat, wird er aggressiv und ausländerfeindlich.“ Der Senat war somit überzeugt, dass die ganze Sache keine spontane Aktion im Zuge übermäßiger Alkoholisierung war, sondern dass der enthemmte Bursch seinen unterschwelligen Hassgefühlen freien Lauf ließ.

Einige Milderungsgründe

Die Burschen kamen jedoch mit einem blauen Auge davon. Mildernd wurde bei beiden gewertet, dass sie bislang unbescholten waren, sie den geringen Schaden wieder gutgemacht haben, dass die Tat beim Versuch geblieben ist und dass sie Reue zeigen. Sie waren inzwischen bei den Bewohnern, haben Lebensmittel vorbeigebracht und sich persönlich entschuldigt. Ob das Urteil rechtskräftig wird, ist noch offen.

VN-Bericht vom 28. Jänner 2013.
VN-Bericht vom 28. Jänner 2013.

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