Konzept kommt nicht in Fahrt

Vorarlberg / 09.10.2013 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Freiwillige für Neuregelung des Behindertenfahrdienstes sind schwer zu finden.

Feldkirch. (VN-mm) Groß war die Empörung, als das Rote Kreuz im heurigen Sommer den Behindertenfahrdienst auf Montag bis Samstag von 7 bis 19 Uhr einschränkte. Vertreter von Behindertenorganisationen taten ihren Unmut kund. Parteiensprecher echauffierten sich, und auch Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard zeigte wenig Freude mit dieser Maßnahme. Schließlich führten Gespräche dazu, das Angebot neu zu organisieren.

Außerhalb der obligaten Dienstzeiten sollen Freiwillige den Dienst aufrecht­erhalten. Doch das Konzept kommt nicht in Fahrt. Die Rekrutierung von ehrenamtlichen Chauffeuren erweist sich als mühsam. „Das Interesse ist mäßig“, bestätigen Karin Stöckler vom Zivilinvalidenverband und Rotkreuz-Direktor Roland Gozzi unisono.

Personalintensiv

Der Behindertenfahrdienst existiert seit rund 30 Jahren. Er wurde in erster Linie für Menschen eingerichtet, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Die fünf Fahrzeuge standen täglich von 7 bis 23 Uhr im Einsatz. Zwischenzeitlich hatte sich jedoch einiges verändert. „Vor allem die Klientel“, wie Roland Gozzi sagt. Aufgrund des günstigen Tarifs hätten zunehmend andere Personen als jene, für die der Fahrdienst ursprünglich gedacht war, darauf zurückgegriffen. Außerdem entfiel, so der Rotkreuz-Chef, längst ein Großteil der Fahrten auf die jetzt geltenden Zeiten. Personal musste trotzdem für den gesamten Tag vorgehalten werden. Deshalb entschloss sich das Rote Kreuz, die personell und finanziell anspruchsvolle freiwillige soziale Dienstleistung auf eben diese „Kernzeiten“ zu reduzieren.

Einschulung gesichert

Die Folge war, wie berichtet, ein Sturm der Entrüstung und schließlich die Einigung auf ein neues Konzept, laut dem künftig Freiwillige die Abendstunden abdecken. Das Rote Kreuz stellt die Autos zur Verfügung und sorgt für die Einschulung der Fahrer. „Sie müssen den Umgang mit dem Wagen lernen, aber auch, wie ein Rollstuhl richtig fixiert wird“, erklärt Roland Gozzi. Besteht nach 19 Uhr Bedarf an einer Fahrt, kann das Behindertenfahrzeug beim Roten Kreuz geordert werden. So weit, so gut. Bis zur Realisierung dürfte aber noch viel zu tun sein.

Beständigkeit wichtig

Denn Fahrer zu finden, ist offenbar nicht einfach. Beim Zivilinvalidenverband haben sich trotz Werbung in der Monats- und österreichweiten Mitgliederzeitung bislang nur zwei Personen gemeldet. Ob es ihnen ernst ist, weiß Karin Stöckler allerdings nicht. Wie sie überhaupt feststellt, dass es „immer schwerer wird, Helfer für eine Organisation zu gewinnen“. Sie versteht, dass Abend- und Sonntagseinsätze nicht jedermanns Sache sind. „Aber gerade beim Behindertenfahrdienst wäre Beständigkeit wichtig“, meint Stöckler.

Auch Gozzi hat „herumgefragt“ und zwei Interessenten aufgetan, die sich schulen lassen würden. Er rechnet jedoch, dass es bis zur angestrebten Lösung noch dauert. Bis dahin bleibt das geltende System aufrecht.

Die Einschulung der Fahrer würden wir über­nehmen.

roland Gozzi, Rotes Kreuz

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