Grüne fordern Einführung der anonymen Bewerbung

Vorarlberg / 10.10.2013 • 19:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Statt Herkunft, Alter und Geschlecht sollen Leistung und Qualifikation entscheiden.

bregenz. (VN-hrj) Wie viele Menschen in diesem Land haben schon unzählige Bewerbungsschreiben versendet und nicht eine einzige Antwort erhalten? Ausschlaggebend seien in den meisten Fällen Name, Alter und Familienstand, sagt Vahide Aydin. Der Integrationssprecherin der Grünen ist besonders gut die Geschichte einer Kopftuch tragenden jungen Frau in Erinnerung, die nie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, bis eine Beraterin ihr empfohlen hatte, sich anonym – also ohne Foto, Name, Adresse, Alter und Familienstand – zu bewerben: „Jetzt hat sie einen Job.“ Die Frau arbeitet in einem Großbetrieb.

Herr Müller oder Herr Özgül

Personalverantwortlichen

reiche oft ein kurzer Blick auf Namen, Geschlecht oder Alter, um eine Bewerbung auszusortieren, meint Aydin, räumt jedoch ein, den Personalchefs nicht zu unterstellen, subjektive Entscheidungen zu treffen. Trotzdem seien es vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, ältere Arbeitssuchende und Frauen mit Kindern, die in Bewerbungsverfahren oft benachteiligt seien. Ein Herr Müller werde nun mal eher zu einem persönlichen Gespräch eingeladen als ein Herr Özgül.

Aydin verweist auf eine OECD-Studie, die besagt, dass in Österreich 27 Prozent der weiblichen und 30 Prozent der männlichen Einwanderer keine Arbeit bekommen, die deren Ausbildungsniveau und Qualifikationen entspricht. Eine andere, von der Universität Konstanz durchgeführte Studie zeigt auf, dass lediglich die Angabe eines türkischen Namens die Chance auf ein Vorstellungsgespräch um mindestens 14 Prozent senkt. Und was die Zahl der ­Arbeitslosen ab 50 Jahren betrifft, stieg diese laut jüngster Arbeitsmarktanalyse des AMS Vorarlberg um 17,1 Prozent.

Eine weitere Problematik erkennt Sandra Schoch von der Grünen Wirtschaft und Vizebürgermeisterin der Landeshauptstadt „im Fachkräftemangel einerseits und den qualifizierten Arbeitskräften andererseits“. Um diese Kräfte zusammenzuführen, brauche es die anonyme Bewerbung, bei der nur auf Leistung und Qualifikation geschaut werde. Vorteile für die Unternehmen seien unter anderem die Erhöhung der Anzahl qualifizierter Bewerber sowie die Vereinfachung des Bewerbungsverfahrens. „In Frankreich und Großbritannien wird bereits in vielen Unternehmen anonym beworben.“

Land und Firmen überzeugen

Vahide Aydin möchte das Land überzeugen, eine „beispielhafte Vorreiterrolle“ zu übernehmen und in seinen Unternehmen die anonymisierte Bewerbung einzuführen.

Deshalb haben die Grünen am Donnerstag einen entsprechenden parlamentarischen Antrag gestellt, in dem die Landesregierung ersucht wird, „sich dafür einzusetzen, dass bei Ausschreibungen in der Landesverwaltung und in landeseigenen Unternehmen das anonymisierte Bewerbungsverfahren angewendet wird“. Des Weiteren soll das Land dafür eintreten, „dass auch Vorarlberger Unternehmen davon überzeugt werden, das anonymisierte Bewerbungsverfahren einzuführen“.

Ausschlaggebend sind oft Name, Alter und Familienstand.

Vahide Aydin

Um diese Kräfte zusammenzuführen, braucht es die anonyme Bewerbung.

Sandra schoch

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