300 geprellte Anleger und drei Millionen Euro Schaden

Vorarlberg / 11.10.2013 • 23:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neue Verhandlung, neuer Richter: Diesmal bekam Richard Gschwenter den Riesenakt auf den Tisch.
Neue Verhandlung, neuer Richter: Diesmal bekam Richard Gschwenter den Riesenakt auf den Tisch.

Mammutprozess am Landesgericht: OGH kippte Ersturteil, jetzt wird neu verhandelt.

Feldkirch. (ec) Im Juli vergangenen Jahres wurde ein Unternehmer wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Doch das Urteil hielt nicht stand, der Oberste Gerichtshof entdeckte Mängel und hob es auf. Nun heißt es zurück an den Start. Diese Woche war Auftakt für die zweite Runde. 25 Prozesstage sind anberaumt, es geht um über drei Millionen Euro Schaden, waghalsige Investitionen und getürkte Vertragsgrundlagen.

Angeklagt ist ein 53-jähriger Unterländer. Sein Geschäftspartner, ein 48-jähriger Oberländer, hat hingegen Glück. Ihm bleibt der Strafprozess erspart. Gerichtsgutachter Primar Reinhard Haller bestätigte, dass er während seiner Machenschaften aufgrund einer manisch-depressiven Erkrankung nicht zurechnungsfähig war. Der 53-Jährige schob im vergangenen Jahr einen guten Teil der Schuld seinem manisch-depressiven Geschäftspartner zu. Fakt ist, dass heute im Nachhinein offenbar alle alles besser wissen. Damals fiel es jedoch niemandem auf, dass man Zahlen manipulierte und Geldgeber mit widersprüchlichen Verträgen über den Tisch zog.

Hauptzeuge einvernommen

Am Nachmittag saß der einstige Geschäftspartner des Angeklagten im Zeugenstand. Er ist wohl eine der wichtigsten Personen in diesem Verfahren. „In meiner manischen Phase war ich wie im Drogenrausch und nicht zu halten“, erinnert er sich. Er wollte ein Elf-Millionen-Hotel in Damüls aufziehen, dann noch ein zweite Hotelanlage, nebenbei war er in Geschäfte mit Medizintechnik und Imprägnierungsmitteln involviert. Zudem lukrierten die beiden Gelder für Devisengeschäfte.

Hinterhältig

Menschen, die ein Leben lang gespart hatten, fielen auf die Nase und verloren alles. In den Verträgen schien Vertrauenswürdiges wie „Kapitalgarantie“ auf, daneben stand irgendwo unter dem Titel „Sicherstellung“ der verwirrende Zusatz „Totalverlust möglich“. „Man wird in Kundengesprächen logischerweise nicht den Aspekt des möglichen Totalverlustes betont haben“, schätzt Richter Richard Gschwenter. „Natürlich nicht“, bestätigt ein Vermittler, der über hundert Verträge an Land gezogen hatte. Zur Untermauerung führte man stets den Laptop mit und demonstrierte potentiellen Investoren auf einer speziell angefertigten Internetseite, wie gewinnbringend sich angelegtes Kapital vermehrt hatte.

Alles erfunden

Doch die Zahlen waren ­getürkt beziehungsweise simple Einschätzungen des manisch-depressiven Geschäftspartners. „Ich dachte – 11 Millionen Kosten, 13 Millionen Verkaufspreis – das macht zwei Millionen Gewinn.“ So zum Beispiel kam der Mann auf die Erfolgszahlen. Steuern, Versicherungen und andere Kosten berücksichtigte er nicht. Als Nächstes werden weitere Darlehensvermittler in den Zeugenstand gebeten, dann sind die Opfer am Wort. Der Prozess wird sich bis in den Dezember ziehen.

Man wird in Kundengesprächen nicht den Aspekt eines möglichen Totalverlusts betont haben.

Norbert Gschwenter