Die lange Grippesaison forderte viele Opfer

Vorarlberg / 11.10.2013 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Grippesaison naht. Foto: VN/PS
Die Grippesaison naht. Foto: VN/PS

Influenza wird nach Meinung von Fachleuten unterschätzt. Heute startet Impfaktion.

Bregenz. (VN-mm) Die vergangene Grippesaison hat Spuren hinterlassen. Tausende Vorarlberger sind erkrankt, 120 mussten in Spitälern behandelt werden. „Das waren drei- bis viermal so viel wie in den Jahren zuvor“, verdeutlichte OÄ Dr. Gabriele Hartmann, Leiterin der Abteilung Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge im LKH Feldkirch. 20 Grippekranke benötigten eine intensivmedizinische Betreuung. 10 Personen starben an den Folgen der Influenza. Der jüngste Patient war ein Frühgeborenes, der älteste 86. Einem Betroffenen mussten aufgrund einer Blutvergiftung sogar Hände und Beine amputiert werden. Die gründliche Aufarbeitung soll nicht abschreckend wirken. „Wir möchten, dass die Leute mehr über die Risiken einer Grippe nachdenken“, so Hartmann.

Geringe Durchimpfung

Heute startet die alljährliche Influenza-Aktion. Bis zum 31. Dezember wird der Impfstoff in den Apotheken um 30 Prozent günstiger abgegeben. Eine Dosis kostet demnach 13 Euro. Dazu kommen 14 Euro Impfhonorar für den Arzt. Derzeit sind nur wenige Vorarlberger geimpft. Susanne Schützinger-Österle, Vizepräsidentin der Apothekerkammer, gibt die Durchimpfungsrate mit 10 Prozent an. Warum gerade die Grippeimpfung kaum angenommen wird, lasse sich nicht erklären, zumal die Nebenwirkungen „überschaubar“ und der Nutzen durch internationale Studien belegt sei. Deshalb wollen die Apotheken selbst mit gutem Beispiel vorangehen und übernehmen die Impfkosten für ihre Mitarbeiter. Impfstoff ist laut Schützinger-Österle ausreichend vorhanden. 2012 wurden etwa 30.000 Dosen benötigt.

Besondere Gefährdung

Sinnvoll ist die Grippeimpfung nach Aussage von Dr. Gabriele Hartmann grundsätzlich für alle Menschen. Denn: „Influenza-Viren sind hoch ansteckend. Die Übertragung erfolgt sehr schnell.“ Besonders gefährdet sind jedoch abwehrgeschwächte, ältere und chronisch kranke Personen. Bei ihnen kann die Grippe zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Am häufigsten kommt es zu Lungenentzündungen sowie Blutvergiftungen. „Die meisten Patienten litten an Grunderkrankungen wie Diabetes, Asthma, COPD, Herz-Kreislauf- oder Nieren-Erkrankungen“, listete Hartmann auf. Aber: „Keiner der betreuten Intensivpatienten war grippegeimpft“, berichtete die Oberärztin, die einen Grund für die Häufung an Fällen auch in der ungewöhnlich langen Dauer der Grippesaison sieht. Sie begann bereits Anfang Jänner und ging bis Mitte April.

Nachlässigkeit bezüglich Grippeimpfung kann aber nicht nur der Bevölkerung im Allgemeinen vorgehalten werden. Selbst unter dem medizinischen Personal gibt es nur fünf Prozent, die sich regelmäßig gegen die Influenza impfen lassen. „Würden sich zumindest Menschen über 60 sowie jene mit Grunderkrankungen impfen lassen, könnten schwere Krankheits- und auch Todesfälle verhindert werden“, gab sich die Medizinerin überzeugt.

Influenza oder grippaler Infekt?

Influenza

Symptome: plötzlicher Beginn mit hohem Fieber bis über 40 Grad, starke Kopf-, Hals-, Muskel- und Gliederschmerzen, oft trockener Reizhusten, Abgeschlagenheit und manchmal Übelkeit.

Dauer: mindestens eine Woche, häufig länger, bis zu vier Wochen.

Schwerwiegende Komplikationen: Lungen-, Herzmuskel- und Gehirnentzündungen, Verschlechterung von chronischen Erkrankungen.

Grippaler Infekt

Symptome: sich langsam steigernde Körpertemperatur bis deutliches Fieber, Schnupfen (meist erstes Symptom) und Husten.

Dauer: eine Woche

Komplikationen: in der Regel keine

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