Von Krisen, Planeten und Lebenshilfe

Vorarlberg / 13.10.2013 • 20:58 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Astrologin Sonja Schön war kürzlich im Seehotel am Kaiserstrand in Lochau zu Gast. Foto: zud
Die Astrologin Sonja Schön war kürzlich im Seehotel am Kaiserstrand in Lochau zu Gast. Foto: zud

Sonja Schön gibt Einblicke in ihren Alltag als selbstständige Astrologin.

Lochau. Astrologie ist für viele ein Fremdwort. Sonja Schön verrät im Interview, wie sie dazu gekommen ist, warum Astrologie von den Krisen der Amtskirche profitiert und wie sehr sie selbst auf ihr Horoskop achtet.

Wann haben Sie sich entschieden, Astrologin zu werden?

Schön: Meine Mutter war schon Astrologin und meine Großmutter auch. Ich bin damit aufgewachsen. Meine Mutter hat mir viel beigebracht, aber sie und mein Vater wollten einen anständigen Beruf für mich. Und so habe ich Jura studiert und habe danach lange als Journalistin gearbeitet. Doch meine Faszination galt immer der Astrologie. Ich habe dann eine eineinhalbjährige Ausbildung zur Astrologin gemacht und war als Ghostwriterin für einen deutschen Astrologen tätig. Irgendwann habe ich einer Freundin das Horoskop gemacht, und diese war dann so begeistert, dass sie mich dazu bewegt hat, mich selbstständig zu machen.

Ist das Interesse an der Astro­logie in den vergangenen Jahren gestiegen?

Schön: Ja, das ist es. Seit ungefähr 2008 geht Pluto durch das Tierkreiszeichen des Steinbocks. Der Steinbock steht für Traditionen und Werte, für alles, von dem man gedacht hat, dass es sich nie ändert. Pluto hingegen ist ein Planet, der das Ganze wandelt, umbaut und einer Prüfung unterzieht. Die Menschheit wird sich immer mehr bewusst, dass sich alles um uns herum verändern könnte. Das weckt das Bedürfnis nach einer Art von Lebenshilfe, da sich viele um die eigene Sicherheit Sorgen machen.

Profitiert die Astrologie auch von der Krise der Amtskirche?

Schön: Die Amtskirche ist tatsächlich ganz stark in der Krise, weil die Menschen das Gefühl haben, dass diese keine Stütze mehr ist und keine Antworten gibt. Ich meine das jetzt nicht generell. Mal ganz ehrlich: Wer kennt denn den Pfarrer, der für einen zuständig ist? Wer vonseiten der Amtskirche spricht einen an? Niemand. Auch umgekehrt ist es so, dass kaum jemand zu seinem Pfarrer geht und nach einem Gespräch über seine Ehe oder die verstorbene Mutter fragt. Die Leute haben das Vertrauen verloren und suchen woanders nach seelischer Hilfe. Danach, dass sich jemand Zeit nimmt für ein Gespräch. Astrologen tun das. Sie führen vertrauliche Gespräche, werfen einen Blick ins Horoskop und geben Empfehlungen ab.

Welche Menschen kommen zu Ihnen?

Schön: Astrologie ist ein Frauenthema, und deshalb sind auch 90 Prozent meiner Kunden Frauen. Dass jemand nur aus Neugier zu mir kommt, ist selten. Jeder hat ein bestimmtes Thema, das ihn interessiert und über das er mehr erfahren möchte. Anfangs dachte ich, dass das Berufsleben das wichtigste Thema sein wird. Aber da habe ich mich getäuscht. Thema Nummer 1 ist bei allen Altersstufen Liebe und Partnerschaft.

Astrologie wird inzwischen überall angeboten – im Internet, TV etc. Wie erkenne ich als Kundin, ob eine Astrologin gut ausgebildet und auch fähig ist?

Schön: Man sollte auf keinen Fall blind irgendwohin­rennen. Es ist wichtig, sich zu informieren, was für eine Ausbildung der Astrologe hat. Ich möchte an dieser Stelle auch klarstellen, dass Horoskope in Zeitungen nicht wirklich etwas mit dem persönlichen Horoskop zu tun haben. Solche Horoskope haben ihren Ursprung in Amerika. Es sind unterhaltsame Texte, die sich nur an den Sonnenständen orientieren und die man als Anregungen hernehmen kann. Ein persönliches Horoskop ist der individuelle Blick in die Stunde der Geburt.

Astrologie wird oft als Hokuspokus abgetan. Wie begegnen Sie Kritikern?

Schön: Als Astrologin ist man ständig mit Kritikern konfrontiert. Vor allem Männer nehmen dabei gerne und schnell das Wort „Hexe“ in den Mund. Doch ich begegne ihnen immer kühl und sachlich und erkläre, dass Astrologie 5000 Jahre alt und ein Urwissen der Menschheit ist, wohinter kein naturwissenschaftliches Weltbild steckt. In der Regel wissen Kritiker gar nicht, worüber sie sprechen. Ich biete ihnen dann ein kostenloses Horoskop an. Einige gehen darauf ein und sind im Nachhinein total erstaunt.

Hand aufs Herz: Wie oft schauen Sie sich Ihr persönliches Horoskop an?

Schön: Ich habe natürlich auch meine Themen und Fragestellungen. Wenn ich beispielsweise zu einer Veranstaltung fahre, schaue ich in meinem Horoskop nach, ob Merkur – die Kommunikation – gut gestellt ist. Ich agiere auch nach der Zeitqualität meines Horoskops. Das heißt, dass in einem Zeitraum, in dem Merkur und Saturn rückläufig sind, abgeschlossene Verträge nicht halten und neue Vorhaben nicht gut gehen. Ich habe als Astrologin natürlich auch schon wider besseres Wissen gehandelt und mit Absicht Vereinbarungen zu einem schlechten Zeitpunkt abgeschlossen und wollte mich besonders anstrengen, dass es klappt. Das hat es aber nicht.

Zur Person

Sonja Schön

Astrologin und Journalistin

Geboren: 1965 in Göppingen

Ausbildung: Jura-Studium in Genf und Heidelberg, Deutsche Journalistenschule in München, Astrologie-Ausbildung bei Hajo Banzhaf

Kontakt: www.astrojob.com

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