Zurück ins Leben katapultiert

Vorarlberg / 13.10.2013 • 20:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wieland Reiner ist wieder voller Tatendrang und Energie. Foto: VN/Stiplovsek
Wieland Reiner ist wieder voller Tatendrang und Energie. Foto: VN/Stiplovsek

Der ehemalige GKK-Obmann Wieland Reiner tut heute das, was ihm Spaß macht.

Lustenau. (VN-mm) Stattliche 1,50 Meter maß der Bleistift, mit dem Wieland Reiner weiland Schlagzeilen schrieb. Symbolträchtig untermauerte er damit seine Weigerung, die Geldschatulle der Gebietskrankenkasse, deren Obmann er damals war, zugunsten maroder Kassen zu plündern. Bezahlt hat die GKK schließlich doch, aber nur unter der Auflage, dass sie die Summe bis auf den letzten Groschen zurückbekommt. So ist es geschehen, und heute kann Reiner über diese Episode milde lächeln. Wie er jetzt, mit bald 73, ohnehin nur noch das tut, was ihm Spaß macht. Nicht zuletzt, weil ihm auch eine schwere Herzerkrankung die Endlichkeit des Lebens drastisch vor Augen führte.

Das eigene Wort gehalten

Schwungvoll öffnet der Pensionist die Haustüre. Vor dem Besucher steht ein Mann, den die Jahre kaum verändert haben. Die Figur nach wie vor stattlich, „aber schlanker“, der Bart ist auch noch da, die Augen funkeln lebhaft, und die Kommunikation läuft geschmiert wie eh und je. „Käsdönnala gibt es leider keine mehr“, sagt er mit einem Schmunzeln. Alles weggeputzt, was am Kilbisonntag traditionell auf den Tisch kommt. Obgleich aus Lochau zugezogen, mag er den Kilbirummel. „Jo, jo“, kommentiert er unzweideutig.

Zehn Jahre „und drei Monate“ lang führte der studierte Volkswirt und Steuerberater die Vorarlberger Gebietskrankenkasse. Am 7. Juni 1994 wurde Wieland Reiner in die Funktion bestellt. Im Oktober 2004 gab er sie an Manfred Brunner ab. Eine Schinderei sei es gewesen, die GKK neben der Steuerberatungskanzlei zu führen, meint er rückblickend. Deshalb wollte er nicht mehr, obwohl ihn andere zum Bleiben drängten. Doch Reiner hielt sich an das Wort, das er sich selbst gab: „Zehn Jahre sind genug.“

Es ging sich genau aus mit der Erledigung seiner Pläne. Die da waren: ein Vertrag mit den niedergelassenen Ärzten, der organisatorische Umbau der Kasse und die Rückholung des vom Bund zwangsweise einkassierten Geldes. Bei Letzterem denkt der Bücher- und Sprachenfreund höchst gerne an eine Unterschriftenaktion zurück, die 104.000 Personen mobilisierte. Mit breiter Brust übergab er die Listen an den damaligen Nationalratspräsidenten Heinz Fischer. Er wird es wohl nie vergessen.

Schlechte Prognose

Ebenso wenig wie die Zeit seiner Krankheit. Sie kam, nachdem er sich 2008 aus der Steuerberatungskanzlei zurückgezogen hatte. „Das Herz“, sagt er nur. Es versagte dem bis dahin bärenstarken Mann langsam den Dienst. Spitäler wurden sein Zuhause. Die Prognose: schlecht. „Zwei Jahre haben sie mir gegeben“, erzählt Reiner – und fügt dann augenzwinkernd an: „Das war vor fünf Jahren.“

Zum Erstaunen der Ärzte erholte sich das Herz wieder. Er wurde quasi ins Leben zurückkatapultiert. Der Patient selbst führt den glücklichen Umstand humorvoll auf „a tolle Frau und koan Stress“ zurück. Heute gehe es ihm so gut wie nie zuvor, sagt er.

Homer in Altgriechisch

Das nützt Wieland Reiner, um seinen ausgewiesenen Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen. Dazu gehören das Lesen und Sprachen. Eine kleine Bibliothek enthält vornehmlich politische, historische und anthropologische Werke. Für die Anatomie des Menschen interessierte er sich nämlich immer schon. „Aber ich habe keine Knochen im Haus“, versichert Wieland Reiner. Die würde ihm die Frau „hochkant hinauswerfen“. Bei den Sprachen haben es ihm Altgriechisch und Latein angetan. Aus Homer, den er vor der Matura in das Altgriechische übersetzte, liest er hin und wieder heute noch. Dass sein Enkel Ilias heißt, habe jedoch nicht er zu verantworten. Sagt’s und lässt ein tiefes Lachen hören. Ja, und dann ist er einer neuen Studentenverbindung in Lustenau beigetreten, in der Seniorenbörse aktiv und gerne im Garten. Und natürlich verfolgt er die Geschehnisse rund um die GKK weiterhin mit viel Interesse. „Ich freue mich immer, wenn ich höre, wie gut die Kasse dasteht.“

Zur Person

Dipl.-Vw. Wieland Reiner

Geboren: 24. Oktober 1940 in Lochau

Wohnort: Lustenau

Familie: verheiratet, 6 erwachsene Kinder

Beruf: Privatier

Hobbys: Lesen, Sprachen, der Garten

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