Ärger am Maroni-Stand

Vorarlberg / 18.10.2013 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Im Moment gibt es gewaltige Probleme“, sagt Gerd Kolazcek, der seit 30 Jahren Maroni verkauft (vis-à-vis vom Frühauf und am Gondelhafen in Bregenz sowie am Dornbirner Marktplatz vor der Apotheke). VN/Steurer
„Im Moment gibt es gewaltige Probleme“, sagt Gerd Kolazcek, der seit 30 Jahren Maroni verkauft (vis-à-vis vom Frühauf und am Gondelhafen in Bregenz sowie am Dornbirner Marktplatz vor der Apotheke). VN/Steurer

Verantwortlich dafür sind Lieferengpässe, hohe Preise und Maroni, die sich schwer schälen lassen.

Dornbirn. (VN-ger) Gerd Kolaczek verkauft seit 30 Jahren Maroni. Aber so ein schlechtes Jahr wie heuer hatte er noch nie. Nicht nur, dass er seine drei Stände in Bregenz und Dornbirn mangels Ware erst am 4. Oktober und somit zwei Wochen später als geplant aufsperren konnte. „Im Moment gibt es gewaltige Probleme“, meint der 65-Jährige.

„Noch relativ gut“ ging die erste Lieferung aus dem Piemont. Die zweite, aus einem anderen Gebiet, sei so miserabel gewesen, dass Kolaczek sie zurückschicken und die Verkaufsstellen schließen musste. „Das konnte ich den Kunden nicht anbieten.“ Momentan verkauft er „die besten, die auf dem Markt sind“. Mit der Qualität zufrieden ist er aber bei Weitem nicht, aussortieren derzeit die Lösung. „Wenn ich beim Aufschneiden sehe, dass sie schwarz sind, dann nehme ich sie raus.“ Die Wurzel allen Übels liegt im Süden.

In Österreich kommen vorwiegend Kastanien und Maroni aus Italien auf den Markt. Aufgrund der Nässe im Frühling und der Hitze im Sommer komme es heuer bei der Ernte zu Verzögerungen von drei bis vier Wochen. „Die Früchte werden teilweise von den Bäumen heruntergeschlagen. Sie sind dann zu nass und lassen sich kaum schälen“, sagt der „Marroni Gerd“-Chef, der sich bei seinem Firmennamen der italienischen Maroni-Schreibweise verpflichtet fühlt.

Schädlingsbefall

Im Tessin zeichnet sich zudem eine weitere Kastanien-Katastrophe ab. Die Gallwespe hat dafür gesorgt, dass die Erträge in diesem Jahr gegen Null tendieren. Und auch weiter südlich haben Schädlinge für größere Ausfälle gesorgt. „Weil der italienische Markt in Verzug ist, sind derzeit Kastanien aus Chile, Portugal, der Türkei, Griechenland und sogar China auf dem Markt“, führt Kolaczek aus. Zum Teil würden sogar tiefgefrorene vom letzten Jahr angeboten. „Aber damit arbeite ich nicht.“

Weniger Ware

Die Lieferengpässe in Italien bekommen auch die Maroniverkäufer in Vorarlberg zu spüren. „Marroni Gerd“ etwa bekommt „20 bis 30 Prozent weniger Früchte als bestellt“, ähnlich entwickelt hätten sich die Preise. Von Engpässen bei Maroni bzw. Esskastanien will man bei der Rewe-Gruppe nicht sprechen, obwohl es – im Vergleich zum Vorjahr – in dieser Saison weniger Ware am Markt gäbe. Später ins Obst- und Gemüseregal gefunden haben die braunen Herbstboten auch bei Spar. „Wie bei fast allen Früchten ist es bei der Ernte zu Verzögerungen gekommen“, sagt Spar-Pressesprecherin Nicole Berk­mann. Mittlerweile könne man aber eine „absolut einwandfreie“ Qualität bieten.

Maroni-Experte Kolaczek gibt jedoch zu bedenken: „Von außen sieht man nicht, ob die Maroni gut sind.“ Erst beim Braten in der Pfanne zeige sich, ob sie sich auch schälen lassen. Beim Kauf empfiehlt der 65-Jährige jedenfalls den Drucktest. „Es sollte kein Zwischenraum zwischen Schale und Frucht sein. Dann nämlich sind sie vertrocknet.“

So ein schlechtes Jahr wie heuer hatte ich noch nie.

gERD kOLACZEK

Maroni vs. Kastanien

Obwohl die Begriffe Maroni und Esskastanien häufig als Synonyme verwendet werden, besteht dennoch ein Unterschied:

» Maroni (Maronen) sind rehbraun und herzförmig mit einer flachen, dreieckigen Unterseite. Außerdem sind sie kleiner, dafür aber aromatischer als Kastanien, haben eine dünnere Schale und lassen sich besser schälen.

» Esskastanien (Edelkastanien) sind dunkelbraun, größer und runder als die Maroni und werden früher reif. Die innere Haut lässt sich beim Schälen schwerer entfernen.

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