Der rote Faden im Leben

Wetter / 18.10.2013 • 18:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ibrahim Cetin in der Dornbirner Mevlana-Moschee. Foto: VN/Matt
Ibrahim Cetin in der Dornbirner Mevlana-Moschee. Foto: VN/Matt

Ibrahim Cetin hofft heute auf viele Besucher am „Tag der offenen Moschee“.

Dornbirn. (VN-tm) ­„Milli Görüs“ steht in großen Lettern auf dem Gebäude der Dornbirner Mevlana-Moschee, und das ist das offensichtlichste Zeichen des Wandels. Vor Jahren hätte man die Bezeichnung vergeblich gesucht. Während die islamische Vereinigung Milli Görüs in Deutschland nicht aus den Schlagzeilen kommt, hat in Vorarlberg eine Normalisierung Platz gegriffen. Mit ATIB, VIKZ und Milli Görüs öffnen gleich drei Verbände heute ihre Moscheen am Tag der offenen Tür für Besucher. „Und wir würden gerne mit Besuchern ins Gespräch kommen“, sagt Ibrahim Cetin.

Der rote Faden im Leben

Der ist 23 Jahre alt und „seit seiner Geburt hier im Verein tätig“. Am Morgen des Bayram-Festes hat er den besten Anzug angelegt und erzählt mit Nachdruck davon, wie viel Religion ihm bedeutet. „Sie gibt mir Halt“. Sie gibt ihm Regeln. Ibrahim spricht vom „roten Faden“ in seinem Leben. Er trinkt nicht und raucht nicht. „Beides würde meinen Körper schädigen.“ Das liest er aus dem Koran heraus. Auch würde er sich nie am Glücksspiel beteiligen. „Es macht die Menschen abhängig.“

Trotz oder gerade wegen dieses Regelwerks findet die Mevlana-Moschee unter Jugendlichen offenbar Anklang. Ibrahim Cetin beziffert die Zahl der Mädchen und Burschen am Wochenende auf „60 bis 70“. Die kommen in die Sägerstraße und erleben Freizeit in getrennten Gruppen. Ibrahim Cetin erzählt von Fußball- und Playstation-Turnieren, von religiösen Vorträgen und solchen über Drogen. „Das kommt gut an.“ Und immer wieder fällt das Wort Weiterbildung.

Ibrahim Cetin kennt das aus eigener Erfahrung: „Schon als Volksschüler wurde ich von meinen Klassenkameraden gefragt, warum ich kein Schweinefleisch esse. Ich musste das begründen können.“ Heute will der Jugendbeauftragte der Moschee die Kinder fit machen. Und er möchte ihnen den Wert praktizierter Religion vermitteln. „Wenn ich mit meinen Eltern gestritten habe, keine Freunde finde, und wenn ich dann die Hände öffne und bete, weiß ich doch, dass mich einer hört.“ Manche Suren des Korans kennt der ehemalige HTL-Schüler auswändig. Wenn eines Tages die Vorarlberger Moscheen wie die in Lindau und Konstanz Minarette tragen dürfen, dann geht für ihn ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung.

Wenn ich die Hände öffne und bete, weiß ich, dass mich einer hört.

Ibrahim Cetin

Tag der offenen Tür

Acht Moscheegemeinden beteiligen sich in Vorarlberg heute, Samstag, zwischen 10 und 16 Uhr Uhr am „Tag der offenen Moschee“:

Bregenz: ATIB, Vorklostergasse 58,

Dornbirn: KSC. „Izet Nanic“, Bremenmahd 4; AIF „Mevlana Moschee“, Sägerstraße 1; VIKZ, Bildgasse 17

Hohenems: ATIB Hohenems, Robert-Koch-Straße 18a,

Rankweil: VIKZ, Dr.-Griß-Straße 6

Feldkirch: AIF „Fatih Moschee“, Amberggasse 10

Bludenz: ATIB, Austraße 2,