„Lästig sein und nachfragen“

Vorarlberg / 18.10.2013 • 20:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Harter Alltag in den Fabriken von Bangladesch. Foto: Miguel Dietrich
Harter Alltag in den Fabriken von Bangladesch. Foto: Miguel Dietrich

CARE-Film gibt Einblick in den Alltag von Textilarbeiterinnen in Bangladesch.

Dornbirn. (VN-mm) „Es gibt 8 Millionen Hände, die in Bangladesch Kleidung für den Export produzieren, oft unter widrigsten Bedingungen. Zwei davon gehören mir“: So beginnt die Geschichte von Sabina, die der Höchster Mag. Thomas Haunschmid im Auftrag von CARE Österreich aufgezeichnet hat. Jetzt wird der Film in Vorarlberg gezeigt.

Wie haben Sie die Situation vor Ort erlebt?

Haunschmid: Ohne die gute Vernetzung der Kolleginnen und Kollegen von CARE-Bangladesch, die auch das Vertrauen der Textilarbeiterinnen im Mollar Busti-Slum genießen, wäre unsere Arbeit nicht möglich gewesen. So hatten wir keine Probleme, uns im Slum zu bewegen. In der Fabrik bekamen wir jedoch keine Dreherlaubnis.

Welche Unterstützung gibt es für diese Textilarbeiterinnen?

Haunschmid: Im SEEMA-Projekt von CARE geht es vor allem um die Förderung des (Selbst)Bewusstseins. Bei Workshops und moderierten Seminaren in speziellen Solidaritätshäusern lernen die Frauen über ihre Ängste und Probleme im Slum wie auch in der Arbeit zu sprechen und gemeinsam an Strategien zu basteln, um diese zu überwinden. Neben Schreib- und Rechenkursen gibt es auch Nähkurse und Persönlichkeitstrainings. Die Frauen reflektieren in Rollenspielen über potenzielle Gefahren am Arbeitsplatz, wie schlecht isolierte Kabel oder Risse in der Wand, und über Schikanen ihrer Vorgesetzten. Kurz, die SEEMA-Frauen lassen sich nicht mehr alles gefallen. Außerdem wird versucht, das mittlere Management der Fabriken in den Dialog zur Verbesserung der Situation einzubeziehen.

Was kann der Konsument tun?

Haunschmid: Beim Kleiderkauf nachfragen, woher die Produkte kommen und wer sie genäht hat. Auch wenn man von den Verkäuferinnen abgewimmelt wird, lästig sein, die Filialleitung verlangen. Wenn täglich Leute nachfragen, müssen die Modeketten irgendwann Stellung beziehen. Kampagnen unterstützen bzw. Projekte wie SEEMA mit Spenden möglich machen.

Bewirkt auch der Film etwas?

Haunschmid: Eine Kinobesucherin hat einmal gemeint: „Während ich bei anderen Dokus zum Thema wie gerädert aus dem Kino gehe, verlasse ich es heute mit ein wenig Hoffnung, dass sich etwas ändern kann, wenn wir mithelfen.“ Der Film soll die Zuschauer sensibilisieren, dass wir alle eine Verantwortung für unsere Kleidung und deren Produzenten mittragen.

Spielboden Dornbirn: 22. Oktober; 20:30 Uhr; Kartenreservierungen unter Tel. 5572/21 933
Theater am Saumarkt Feldkirch:
5. Dezember; Beginn: 19 Uhr; Reservierungen an der Kinokassa und Tel. 05522/72895; Film mit anschließendem Filmgespräch in Kooperation mit dem Weltladen Feldkirch

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