„Oettinger vertritt nur die großen Energiekonzerne“

Vorarlberg / 20.10.2013 • 17:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Grünen Landesversammlung

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Fossile, Kohle- und Atomenergie erhalten in der EU viel mehr Geld als die Erneuerbaren.

Schwarzach. EU-Energiekom­missar Günther Oettinger betont immer wieder, dass erneuerbare Energien viel zu hoch gefördert seien. Um dies zu untermauern, beauftragte er seine Beamten, zu recherchieren. Diese mussten dann bei der eigenen Generaldirektion nachlesen, dass Kohle- und Gaskraftwerke sowie die Atombranche viel mehr Geld bekommen. Daraufhin ließ Oettinger das Papier schönen und diese Zahlen streichen, berichtete u. a. die „Süddeutsche Zeitung“.

Der EU-Energiekommissar outet sich immer wieder als Gegner einer echten und ehrlichen Energiewende durch Erneuerbare. Er setzt stattdessen weiter auf fossile Brennstoffe, Kohle und Atomkraft.

Bösch: Herr Oettinger vertritt ausschließlich die Interessen der großen Energiekonzerne, die ihr Geld weiterhin mit Hochrisikotechnologien wie Atomkraft oder Fracking verdienen wollen. In Europa liegen die notwendigen Maßnahmen längst auf dem Tisch. Es fehlt nur am entschlossenen Tun.

Der Emissionshandel ist
leider längst zu einem legal-kriminellen Akt verkommen. Was ist zu tun?

Bösch: Derzeit zahlt die Industrie für Verschmutzungszertifikate statt des ursprünglich vorgesehenen Preises von 30 Euro pro Tonne CO2 nur 4 Euro pro Tonne. Das ist viel zu wenig, um Anreize für Investitionen in CO2-arme Technologien zu setzen. Überschüssige Zertifikate müssen daher dringend vom Markt genommen werden.

Fossile Brennstoffe werden auch 2050 noch den Großteil der Energie liefern. Wir werden je nach Szenario zwischen 30 und 60 Prozent mehr Energie verbrauchen. Was bedeutet das für nachfolgende Generationen?

Bösch: Wenn es nicht gelingt, die CO2-Emissionen drastisch zu senken, werden zukünftig wetterbedingte Katastrophen an der Tagesordnung sein und zum Beispiel in Afrika ganze Regionen nicht mehr bewohnbar sein. Immer mehr Menschen werden sich eine neue Heimat suchen müssen.

Wenn man Energiewende ehrlich meint und bis 2050 Energieautonomie durch Erneuerbare erreichen will, was muss sich dramatisch ändern, was ist sofort zu tun?

Bösch: Eine echte Verkehrswende ist der Schlüssel zur Energieautonomie. Man muss die Autos nicht verdammen, aber den sogenannten sanften Verkehr gezielt bevorzugen. Das gilt vor allem bei den Investitio­nen in die entsprechende Infrastruktur – ab sofort.

Wenn wir die CO2-Emissionen nicht dramatisch senken, produzieren wir Klimaflüchtlinge.

Bernd Bösch

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