„Ausgezeichnete“ Sozialarbeit

Vorarlberg / 21.10.2013 • 21:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Über Arbeitsmangel hat sich Vorarlbergs Soziallandesrätin Greti Schmid noch nie beklagen müssen. Foto: VN/Steurer
Über Arbeitsmangel hat sich Vorarlbergs Soziallandesrätin Greti Schmid noch nie beklagen müssen. Foto: VN/Steurer

Was im sozialen Bereich geschieht und warum der Sonderpreis für „Frühe Hilfen“ so wichtig ist.

Heidi Rinke-Jarosch

bregenz. In Zeiten von Wahlen geht die alltägliche Arbeit der Landesregierung immer unter. Dabei ist in der letzten Zeit gerade im Ressort Soziales viel bewegt worden. Eine Bilanz mit ÖVP-Landesrätin Greti Schmid.

Was hat sich in der Kleinkinder- und Schülerbetreuung getan?

Greti SChmid: Ganz am Anfang, 2003, hatten wir in der Kinder- und Schülerbetreuung 2921 Plätze. 2012 waren es knapp 14.000. Jetzt gehen wir es – gemeinsam mit Schulen, Kindergärten und Landesrätin Bernadette Mennel – offensiv an, verlässliche Betreuung in vertretbarer Entfernung auszubauen. Unter anderem fördern wir Gemeindeübergreifende Kooperationen. Solche sind bereits gut im Vorderland, im Montafon und im Walgau angelaufen.

Wie werden Mehrkindfamilien und Alleinerzieher(innen) besser unterstützt?

Greti Schmid: Zurzeit ist eine Novelle zur Erhöhung des Familienzuschusses in Vorbereitung.

Wie hat sich die 24-Stundenpflege daheim entwickelt?

Greti Schmid: Als die Legalisierung kam, hatten wir mit etwa 400 Betreuungsver­hältnissen begonnen. Heute sind es an die 1000. Die meisten 24-Stunden-Betreuer(innen) kommen noch immer aus den Ostländern. Jetzt gibt es für sie Förderung. Das heißt, pro Betreuerin 275 Euro monatlich. Da fast immer zu zweit betreut wird, macht das pro Monat 550 Euro aus. Davon werden 60 Prozent vom Bund bezahlt und 40 Prozent vom Land. Außerdem sind die Betreuer(innen) jetzt mit zusätzlicher Krankenversicherung und Beratung viel besser abgesichert.

Aber nicht jeder braucht 24-Stunden-Betreuung. Oft genügen zwölf oder gar nur acht Stunden. Der Betreuungspool bietet bereits ab vier Betreuungsstunden pro Tag an. Wird die 24-Stundenbetreuung nicht in Anspruch genommen, gibt es den Pflegezuschuss von zusätzlich 100 Euro pro Monat. Dieser wird ab 1.1.2014 verdoppelt.

Wie viele Vorarlberger beziehen Pflegegeld?

Greti Schmid: Aktuell gibt es 16.000 Pflegegeldempfänger – gut 3000 davon für die Pflegestufen 5 bis 7. Betreut man einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause, kann das Pflegegeld als Lohn geltend gemacht werden. Und ab Stufe 3 hat man zudem Pensionsbegründung und Krankenversicherung. Ich bin stolz darauf, dass wir das erreicht haben.

Sind Sie, was die Missbrauchsfälle in Erziehungsheimen in den 60er- bis 80er-Jahren angeht, inzwischen weiter gekommen?

Greti Schmid: Zurzeit läuft die historische Aufarbeitung durch Dr. Michaela Ralser. Der nächste Schritt ist das Landeserziehungsheim für Mädchen, St. Martin in Tirol, in dem auch Vorarlbergerinnen untergebracht waren. Danach ist Jagdberg an der Reihe. Für die Aufarbeitung machten wir einen Aufruf, dass sich damalige betroffene Heiminsassen bei uns melden sollten. Aber nur wenige haben sich tatsächlich gemeldet. In einigen Fällen konnten wir nachträglich Pensionszeiten zahlen.

Welche vom Land unterstützten Projekte laufen zurzeit im Rahmen der Entwicklungshilfe?

Greti Schmid: In Rumänien laufen Projekte mit Pater Sporschill. Weitere Projekte unterstützen wir in Albanien. Seit zwei Jahren gibt es eines in Tansania. Den Menschen wird dort gezeigt, wie man selbst zu Nahrungsmitteln kommt und sich selbst erhalten kann. In Äthiopien baut ein Vorarlberger Ehepaar eine medizinische Basis auf. Wir finanzieren auch ein Projekt der Caritas in Ecuador mit. In der Nähe der Hauptstadt Quito wird ein Frauenhaus eröffnet. Wir arbeiten auch mit Missionaren zusammen, die vor Ort engagiert Hilfe leisten.

Bei allen Entwicklungshilfe-Projekten ist uns der Bezug zu Vorarlberg wichtig – und auch, dass wir einen verlässlichen Partner haben.

Ihnen wurde kürzlich der Sonderpreis für frühe Hilfen überreicht. Warum ist diese Anerkennung für Sie so wichtig?

Greti Schmid: Weil ich weiß, dass wir auf dem richtigen Weg sind. „Frühe Hilfen“ ist ein Programm zur vorbeugenden und begleitenden Unterstützung von Eltern in der Zeit der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren von Kindern. Durch dieses Angebot können junge Familien in dieser speziellen Phase ganz gezielt begleitet werden. Ist ein Mensch schon in seinen ersten Lebensmonaten mit negativen Einflüssen wie Gewalt oder Vernachlässigung konfrontiert, steigt dadurch das Risiko, später einmal selbst in diese Verhaltensmuster zu fallen. Und das ist der Ausgangspunkt für frühkindliche Prävention – für „Frühe Hilfen“. Im Übrigen findet dieses ausgezeichnete Programm auch über unsere Landesgrenzen hinaus Anerkennung.