Alle Kindergärten im Land hätten ihn gerne

Vorarlberg / 22.10.2013 • 19:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zwei, die sich verstehen: Matthias Pfefferkorn spielt „Kaufladen“ mit seinem jungen Verkäufer. Fotos: VN/Hofmeister
Zwei, die sich verstehen: Matthias Pfefferkorn spielt „Kaufladen“ mit seinem jungen Verkäufer. Fotos: VN/Hofmeister

Ein Mann als Kindergartenpädagoge: Matthias Pfefferkorn und sein einzigartiger Weg.

Feldkirch. „Und jetzt klatscht ihr nach, was ich klatsche.“ In rhythmischer Abfolge schlägt Matthias Pfefferkorn (18) seine beiden Handflächen aufeinander. 18 junge Augenpaare sind gebannt auf den sanft wirkenden jungen Mann mit den langen Haaren gerichtet. Für kurze Zeit ist der Raum ein einziger Klatsch-Körper, wobei die Exaktheit des Rhythmus mit der Euphorie nicht ganz Schritt halten kann. Völlig egal. Die 18 Kinder des Kindergartens Franz-Heim-Gasse in Feldkirch-Nofels sind begeistert vom jungen Mann, der als Schüler der 5b-BAKIP-Abschlussklasse dort sein Praktikum absolviert. „Die Kinder lieben ihn. Wenn er nach einem Praktikumstag weg ist, fragen sie mich täglich: Wann kommt Matthias wieder?“, hebt Kindergarten-Leiterin Karin Lins (31) den Sonder-Status des angehenden Pädagogen hervor. Keine Frage. Matthias Pfefferkorn ist etwas Besonders. Er ist der einzige Bub der 32 Schüler zählenden Matura-Klasse der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) in Feldkirch. Doch was für Außenstehende außergewöhnlich wirkt, ist es für den Nüziger selbst überhaupt nicht. „Seit ich zehn bin, wollte ich unbedingt einmal als Pädagoge in den Kindergarten“, sagt Pfefferkorn. Und erzählt eine rührende Geschichte. „Ich war damals schwer krank und im Krankenhaus. Auf der Kinderabteilung am LKH Feldkirch kam ich mit kleineren Kindern zusammen. Mit denen spielte ich wahnsinnig gerne. Und dann war da auch noch eine Kindergärtnerin, die uns wunderbar betreute. Ich dachte mir: Ist das cool. Ich will einmal Kindergartenpädagoge werden.“

Praktische Gedanken

Diesen Wunsch verinnerlichte Pfefferkorn dermaßen, dass er fortan jeden Tag der offenen Tür an der BAKIP besuchte. Mit 14 war für ihn klar: „Ich mache den Aufnahmetest an der BAKIP. Er bestand und begann am altehrwürdigen Institut St. Josef seine Ausbildung. Jetzt, im Maturjahr, sind es für ihn nur noch ein paar Schritte bis zur Erfüllung seines Kindertraums. Dann ist er das, was er immer sein wollte: Ein ausgebildeter Kindergartenpädagoge, um den sich jeder Kindergarten im Lande reißen wird. Und doch ist nicht sicher, ob er diesen Beruf auch tatsächlich ergreifen wird. Das hat rein praktische Gründe. „Wenn man weiß, wie wenig Kindergartenpädagogen verdienen, musst du dir schon Gedanken machen. Wie willst du mit so einem Gehalt eine Familie erhalten und einen normalen Lebensstandard finanzieren?“, fragt sich der Freund aller ihm anvertrauten Kindergartenkinder. Und zieht deswegen auch in Erwägung, der Ausbildung an der BAKIP eine Ausbildung als Pflichtschullehrer folgen zu lassen.

Aufklärungsarbeit

Ganz sicher wäre er dann nicht mehr das, was er derzeit zweifellos ist: der Hahn im Korb. In seiner Klasse strebt Matthias Pfefferkorn als einziger Bub neben 31 Mädchen die Matura an. Allein unter Frauen: Privileg oder Last? Matthias ganz Diplomat: „Es ist schon okay, aber manchmal würde man sich schon ein gleichgeschlechtliches Wesen in dieser Gemeinschaft wünschen.“ Immerhin hat er in seinem privaten Freundeskreis die kleinen Hänseleien in die Vergangenheit verbannt. „Da musste ich schon sehr hartnäckig bestimmte Dinge klarstellen“, erinnert sich Matthias an zähe Aufklärungsarbeit.

Im Kindergarten muss er nichts klarstellen. Da fliegen ihm die Herzen der Kinder zu.

Alle klatschen mit. Die Kleinen mögen den BAKIP-Schüler.
Alle klatschen mit. Die Kleinen mögen den BAKIP-Schüler.

Zur Person

Matthias Pfefferkorn

Geboren: 19. Jänner 1995

Wohnort: Nüziders

Beruf: BAKIP-Schüler

Hobbys: sein Hund, Rotes Kreuz

Lebensmotto: Ergreife die Chancen, die du bekommst

Lieblingsspeise: Käsknöpfle

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