„Betroffene werden so zu Beteiligten“

Vorarlberg / 22.10.2013 • 19:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Anlässlich einer Studie zum Thema Schule werden rund 22.000 Personen befragt.

bregenz. (VN-hrj) Als erstes und bisher einziges Bundesland in Österreich hat Vorarlberg eine umfangreiche Befragung zur „Schule der Zukunft“ ausgearbeitet. Laut Landeshauptmann Markus Wallner handelt es sich um eine „breite und tiefe Befragung in einer noch nie dagewesenen Form“, an der vier Expertenteams mitgearbeitet haben. „Mit dieser Befragung gehen wir neue Wege und schaffen eine sachliche Grundlage für eine offene Bildungsdebatte und für weiterführende Überlegungen im Bereich der Schule der Zehn- bis 14-Jährigen.“

Eine wesentliche Anforderung an ein modernes Bildungssystem bestehe darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Benachteiligungen ausgleichen und Begabungen fördern, sagt Wallner. „Es muss der Schule noch stärker als bisher gelingen, die Fähigkeiten der Kinder zu fördern, Interessen zu wecken und Talente zu entwickeln.“

Bis zu 135 Fragen

Ab November werden nun rund 22.000 Vorarlberger –Lehrpersonen, Schüler und Eltern – zu ihren Bildungserwartungen und Wahrnehmungen bezüglich der Qualität der Schule und der Veränderungen im Bildungsbereich befragt. „Es ist für alle weiteren Schritte wichtig, zunächst auf die Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen zu hören“, argumentiert Wallner. „Betroffene werden so zu Beteiligten gemacht.“

Die Fragebögen sind umfangreich – sie enthalten bis zu 135 Fragen – und decken alle Themenfelder ab, die aus Sicht der jeweiligen Zielgruppe im Hinblick auf die „Schule der Zukunft“ relevant sind. Darunter sind angestrebte Bildungswege und Kriterien der Schulwahl, das Befinden der Kinder an der Schule, das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrpersonen, schulische Anforderungen und Leistungsdruck, Unterrichtsmethoden, das Rollenverständnis der Lehrpersonen und deren Belastungen im Beruf sowie die Haltung der Eltern.

„Bei dieser differenzierten Umfrage wird der aktuelle Status erhoben“, erklärt Landesrätin Bernadette Mennel. „Das Ergebnis wird uns einen tiefen Einblick in die Vorarlberger Schulen gewähren. Uns wird gezeigt, wo die Schwerpunkte liegen und in welche Richtung die Schule der Zukunft gehen soll.“

Vorarlberg, informiert Mennel, sei das einzige Bundesland, das breite Bevölkerungsgruppen in die Diskussion um die Schule der Zukunft einbeziehe. „Die betroffenen Personengruppen haben so die Chance, die weitere Gestaltung der Vorarlberger Bildungslandschaft durch das Einbringen eigener Erfahrungen und Wünsche entscheidend mitzugestalten.“

Die federführenden Fachleute des Projekts sind Gabriele Böheim-Galehr und Johann Engleitner von der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg.

„Insgesamt gibt es sechs aufeinander bezogene Fragebögen“, präzisiert Gabriele Böheim-Galehr, die der Pädagogischen Hochschule als Vizerektorin vorsteht. „Aus den Ergebnissen werden wir den Handlungsbedarf ableiten können.“ Eines der Ziele dieser Befragung ist laut Böheim-Galehr die Erstellung eines Vorarlberger Bildungsberichts. „Diese Befragung ist nicht nur einmalig, sondern auch mutig“, ist Johann Engleitners Ansicht. „Schließlich besteht das Risiko, dass die Antworten nicht gerade schmeichelhaft sein werden.“

Der Fachmann stellt klar, dass es hier vor allem um Menschenbildung gehe. „Die Schule der Zukunft soll nämlich kein Straflager, sondern ein Trainingslager sein, in dem die Kinder gerne lernen.“ Engleitner erwartet eine Rücklaufquote von mindestens 50 Prozent.

Schulen erhalten Ergebnisse

Die Ergebnisse der Befragung stehen ab November 2014 den Schulen zur Verfügung. Damit werde sichergestellt, dass jede Schule die Ergebnisse auch für ihre interne Weiterentwicklung nutzen kann.

Eine breite und tiefe Befragung in noch nie dagewesener Form.

Markus Wallner

Die Schule der Zukunft soll kein Straflager, sondern ein Trainingslager sein.

Johann Engleitner

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