Ruf nach einem „Führerschein“

Vorarlberg / 23.10.2013 • 20:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch im Schülerparlament forderten Schüler bereits das Fach Politische Bildung. Foto: VN/Paulitsch
Auch im Schülerparlament forderten Schüler bereits das Fach Politische Bildung. Foto: VN/Paulitsch

Ein Fach Politische Bildung fordern Vorarlberger Schüler. Und werden damit immer „lästiger“.

Bregenz. (VN-hk) Sie lassen nicht locker. Schülervertreter in Vorarlberg fordern vehement die Einführung des Faches Politische Bildung. Für diesen Zweck haben sich auch ideologisch unterschiedliche Gruppen miteinander verbündet. Sandro Tirler (19) von der Schülerunion und Maximilian Blaßnig (18) von der Aktion Kritischer Schüler, seines Zeichens auch aktiver Landesschulsprecher der AHS-Schüler, sind sich einig: Politische Bildung als eigenständiges Fach muss her. „Man kann nicht Jugendliche ab dem Alter von 16 wählen lassen, ohne ihnen eine Stütze für ihre Entscheidungsfindung zu geben. Man braucht ja auch einen Führerschein, um mit dem Auto fahren zu dürfen“, findet Sandro Tirler eine treffende Metapher für die aus seiner Sicht gegebene Notwendigkeit für das Fach Politische Bildung.

„Nur uninformiert“

„Die Schüler sind nicht politikverdrossen, sie sind nur uninformiert. Wir haben diese Forderung immer wieder aufgestellt. Und sie ist gerade jetzt berechtigter denn je“, argumentiert der Sprecher der Schülerunion. Eine gewisse Hoffnung setzt Tirler in die derzeitige politische Umbruchsituation. Er sieht darin eine Möglichkeit, den Forderungen nach Einführung eines Faches Politische Bildung wieder verstärkt Nachdruck zu verleihen. Verbal haben sich bereits Schullandesrätin Bernadette Mennel (54) und Bundesrat Edgar Mayer (60) hinter die Anliegen der Schüler gestellt. Sandro Tirler, der im vergangenen Jahr an der HAK in Lustenau maturierte, vertritt als Sprecher der Schülerunion in Vorarlberg 2500 Mitglieder.

Auch Blaßnig kämpferisch

Noch mehr „Berufskollegen“ vertritt der aktuelle AHS-Landesschulsprecher, gleichzeitig Führungsmitglied der Aktion Kritischer Schüler, Maximilian Blaßnig (18). Auch er äußert sich zur Forderung nach Etablierung des Fachs Politische Bildung unmissverständlich. „Es ist eigentlich unverständlich, dass wir immer noch dafür kämpfen müssen. Ich war unlängst auf einem Schülertreffen in Estland. Da hab’ ich erzählt, dass wir in Österreich zwar bereits mit 16 wählen dürfen, aber kein Fach Politische Bildung in der Schule haben. Ich erntete nur Kopfschütteln.“ Klar ist freilich für Tirler und Blaßnig: Initiativen dafür in Vorarlberg sind zwar gut und recht, darüber entscheiden muss jedoch der Bund.

Geschichte und Politik

So sieht das auch AHS-Landesschulinspektorin Christine Schreiber (59). Sie steht der Forderung der Schüler nach Einführung eines Faches Politische Bildung etwas distanziert gegenüber. „Ich denke, dass politische Bildung auch im Fach Geschichte stattfinden kann. Und es müsste überprüft werden, dass das auch passiert. Es wäre problematisch, würde die Einführung eines neuen Fachs zulasten eines etablierten Faches erfolgen. Das ginge höchstens als Ergänzung der bestehenden Stundentafel. Aber natürlich verstehe ich das Anliegen der Schüler.“

Unterstützung von Eltern

Ganz klar hinter den Schüler-Forderungen steht AHS-Elternvertreterin Andrea Wiedemann (53). „Als Teil des Faches Geschichte findet politische Bildung nur in jenem Ausmaß statt, wie das der Lehrer will. Ich stehe voll und ganz hinter den Forderungen der Schüler. Sie sind berechtigt.“

Wählen mit 16, aber kein Fach Politische Bildung. Das versteht man im Ausland nicht.

Maximilian Blaßnig

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