Profi-Einbrecher müssen sechs Jahre ins Gefängnis

Vorarlberg / 24.10.2013 • 21:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Justizwachebeamten „begleiteten“ die Angeklagten zum Prozess am Landesgericht. Foto: vn/hofmeister
Die Justizwachebeamten „begleiteten“ die Angeklagten zum Prozess am Landesgericht. Foto: vn/hofmeister

Vorarlberger (54) und Salzburger (55) machten bei ihrer Tour 180.000 Euro Beute.

feldkirch. „Sie spielten in der höchsten Liga der Profieinbrecher“, umschreibt Staatsanwalt Clemens Gattringer das Treiben der Männer, die bei 43 Einbrüchen knapp 180.000 Euro Beute machten und rund 300.000 Euro Schaden anrichteten. Doch was wie ein Kompliment klingt, beschert dem 54-jährigen Unterländer und seinem 55-jährigen Kumpel Haftstrafen im Ausmaß von sechs Jahren bzw. sechs Jahren und zehn Monaten. Doch Gefängnis ist für die beiden kein Neuland. Ersterer bringt es auf 15 Vorstrafen, letzterer „nur“ auf sieben, seine wiegen dafür schwerer. Der Ältere hat bereits achteinhalb Jahre in Haft gesessen, Diebstahl ist schon lange das bevorzugte Delikt der beiden Herren. Man stahl Schmuck, Geld, Tresore flexte man kurzerhand vor Ort auf. Firmen waren ebenso interessant wie Privathäuser oder Supermärkte.

Routiniert

Für „Einbrecher“ sind sie nicht mehr die Jüngsten, äußerlich machen sie einen gepflegten Eindruck, sie antworten höflich und scheinen intelligent. Das mussten sie auch sein. Immerhin zeugt ihr Vorgehen von Raffinesse und Routine. Hatten sie ein Objekt ausgespäht, stand einer Schmiere, der andere kappte die Stromleitungen. So waren Telefon und Alarmanlagen lahmgelegt. Dann machte man einen „Test“, das heißt, man öffnete kurz Tür oder Fenster. Blieb es ruhig, während die beiden in den Büschen hockten, ging man ins Haus, sonst blieb man draußen. Von 43 Einbrüchen blieb es 22 Mal beim Versuch. Sie fuhren mit ihrem Pkw Richtung Salzburg und Oberösterreich. In Bad Goisern schnappte man den einen, der Unterländer wurde anschließend in Hard festgenommen. Schuhabdrücke bestätigten die Täterschaft, im Übrigen waren die beiden „Altganoven“ das Versteckspiel wohl müde und gaben preis, wo sie überall eingestiegen waren. „Ohne die Geständnisse wären viele Fälle wohl nie aufgeklärt worden“, gesteht Richter Peter Mück ein.

Auf die Frage, wer der „Drahtzieher“ gewesen sei, erklärt der Ältere: „Wir haben beide eine Vergangenheit, wir verstanden uns und mussten nicht viel reden“. „Wie ein altes Ehepaar“, scherzt Mück. „Ja – so ähnlich“, gibt der Befragte zu. Doch so ganz ehrlich war man dann doch nicht untereinander, wie die Ermittlungen zeigten. So beschwert sich der Jüngere, dass sein Kumpel hinter seinem Rücken gestohlenen Schmuck für 5000 Euro in München verkauft habe. Der andere Angeklagte jammert hingegen: „Ich musste immer um Benzingeld betteln, und als das Auto einen Motorschaden hatte, gab es wegen der 12.000-Euro-Reparatur Streit.“ Wie auch immer, mit den Strafen hatten die beiden Glück. Das Gericht ließ bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Milde walten. Ob das Urteil von der Anklagebehörde akzeptiert wird, ist allerdings offen. Es ist jedenfalls nicht rechtskräftig.

Das Ganoven-Duo ging sehr raffiniert zu Werke. Foto: polizei
Das Ganoven-Duo ging sehr raffiniert zu Werke. Foto: polizei

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