Aus für Schweizer Schrott-AKW

Vorarlberg / 30.10.2013 • 22:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Aus für Schweizer Schrott-AKW

Das AKW Mühleberg soll 2019 abgeschaltet werden. Das heißt aber nicht Atomausstieg.

Bern, schwarzach (VN-hrj) „Das Kernkraftwerk Mühleberg wird bis ins Jahr 2019 unter Einhaltung aller Sicherheitsanforderungen weiter betrieben und anschließend vom Netz genommen“, lautet der Entscheid des Betreiberkonzerns BKW AG. Seiner Erklärung zufolge reduziere der Verzicht auf die Investitionen für einen Langzeitbetrieb das unternehmerische Risiko wesentlich und unterstütze einen verstärkten Ausbau von Wasserkraft und Windenergie im In- und Ausland sowie Investitionen in neue innovative Produkte und Dienstleistungen. Für die restlichen sechs Betriebsjahre sollen verschiedene Nachrüstprojekte umgesetzt werden. Betriebliche Entlassungen werde es keine geben.

Die Schweizer Bundesbehörden haben den Entschluss der Mühleberg-Betreiberin zur Kenntnis genommen – abgesprochen worden sei er aber nicht. „Dies ist ein reiner Unternehmensentscheid“, so Dominique Bugnon, Informationschef des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Pannen und Mängel

Das AKW Mühleberg hat 1972 den Betrieb aufgenommen und ist somit nach den AKW Beznau I und II das älteste AKW in der Schweiz und eines der ältesten weltweit. In seiner gut 40-jährigen Betriebszeit ist dieses Kernkraftwerk immer wieder mit Pannen, technischen Mängeln und Rechtsstreitigkeiten konfrontiert worden. Schon während der Aufnahme des Probebetriebs im Jahr vor der Inbetriebnahme kam es zu zahlreichen Schnellabschaltungen und zu einem Großbrand im Maschinenhaus.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat die Schweiz zwar einen Atomausstieg beschlossen, aber bisher noch keine Abschalttermine fixiert. Noch immer sind in der Schweiz fünf Kernkraftwerke in Betrieb.

Der Beschluss, das AKW Mühleberg 2019 vom Netz zu nehmen, bedeutet laut BKW-Chefin Suzanne Thoma noch keinen Atomausstieg. Die drei Terawattstunden Mühleberg-Elektrizität pro Jahr, die nach der Abschaltung des Reaktors wegfallen, werden durch ausländischen Atomstrom und Strom aus fossilen Kraftwerken ersetzt.

Radioaktives Material

Wenn der Reaktor in sechs Jahren vom Netz genommen wird, muss im Kraftwerk noch mindestens ein Jahrzehnt gearbeitet werden. Denn da sind Tonnen von radioaktivem Material, die entsorgt werden müssen.

Der Countdown läuft: Der Reaktor des Kernkraftwerks Mühleberg bleibt noch sechs Jahre in Betrieb. Foto: VN/Hartinger
Der Countdown läuft: Der Reaktor des Kernkraftwerks Mühleberg bleibt noch sechs Jahre in Betrieb. Foto: VN/Hartinger

Chronologie. Schweizer AKW

1945–1969: Die Schweiz setzt auf die Entwicklung eigener Reaktoren. Der Unfall im Versuchsreaktor Lucens 1969 setzt den Bestrebungen jedoch ein Ende.

1969– 84: Inbetriebnahme der Schweizer Atomkraftwerke Beznau I, Beznau II, Mühleberg, Gösgen und Leibstadt.

Ab 1970: Widerstand gegen die Atomkraft beginnt.

Ab 1980: Proteste von Vorarlbergern gegen Schweizer AKW starten.

26. April 1986: Katastrophe von Tschernobyl.

2011: Schweiz beschließt Atomstrom-Ausstieg bis 2034.

2012: LG Feldkirch weist Atom-Klage gegen Mühleberg ab; Anwalt verpasst Einspruchsfrist.

2013: Betreiber-Beschluss: Mühleberg geht 2019 vom Netz.

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