Kleines Spital sucht großen Partner

Vorarlberg / 30.10.2013 • 20:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

LKH Feldkirch ist Kandidat für eine Kooperation mit dem Landesspital in Vaduz.

feldkirch, vaduz. Das liechtensteinische Landesspital ist auf der Suche nach einem „starken Partner“. Und dieser könnte das LKH Feldkirch werden. Gemeinsam mit dem Kantonsspital St. Gallen und dem Kantonsspital Graubünden in Chur rittert die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) um den Zuschlag. Der Stiftungsrat des Landesspitals will bis Ende des Jahres, spätestens jedoch Anfang 2014 eine Entscheidung treffen. Laut Stiftungspräsident Michael Ritter ist das Rennen gänzlich offen. Schon heute werden im LKH Feldkirch jährlich rund 700 Patienten aus dem Fürstentum stationär und etwa 1300 ambulant behandelt. Der daraus lukrierte zusätzliche Erlös liegt bei etwa 3 Millionen Euro.

Vernünftige Reichweite

Im vergangenen Jahr geriet das kleine Landesspital in einige Turbulenzen. Nach der Ablehnung eines 80 Millionen Franken schweren Neubaukredits wurde auch gleich der Stiftungsvorstand ausgewechselt und ein neues Konzept erarbeitet. Es sieht nur noch eine finanziell wesentlich günstigere Sanierung des Krankenhauses vor. „Die ist derzeit im Gange“, sagt Michael Ritter. Um dem Regionalspital auch eine „gute Zukunft“ zu sichern, wird nun ein „großer Bruder“ gesucht. „Wir brauchen eine definierte Zusammenarbeit mit einem Zentrumsspital, das über die entsprechende Infrastruktur verfügt und in einer vernünftigen Reichweite zu Vaduz liegt“, präzisiert Ritter im VN-Gespräch seine Vorstellungen. Schon jetzt würde es Zuweisungen in die umliegenden Spitäler geben, doch ohne genauen Ablauf. Eine Kooperation erhöhe auf jeden Fall die Patientensicherheit.

Ebenfalls eine Rolle bei allen Überlegungen spielt die Wirtschaftlichkeit. „Insellösungen sind nicht mehr zeitgemäß“, meint der Stiftungspräsident. Die Konzentration auf einen Partner helfe außerdem, Kosten zu sparen, da etwa Abklärungen nicht mehr doppelt erfolgen. Laut Michael Ritter wird die Wahlfreiheit von einer Zusammenarbeit mit nur einem Spital nicht tangiert. „Wer in ein anderes Spital möchte, kommt auch dorthin“, will er das Patienteninteresse stets berücksichtigt haben.

Keine Einbahnstraße

Die Kooperation soll auch keine Einbahnstraße sein. Indem die Spezialisten aus dem künftigen Zentrumskrankenhaus nach Vaduz kommen, erhofft sich Ritter eine Aufwertung des Landesspitals. 2012 gab es dort 2336 stationäre und 9899 ambulante Fälle. Von „besseren Karten“ für einen der drei Bewerber will Michael Ritter noch nicht reden. Es handle sich um einen laufenden Prozess. Die vorliegenden Offerte würden demnächst mit den jeweiligen Krankenhausvertretern diskutiert.

Ungeachtet dessen geben sich die Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) zuversichtlich. „Die Chancen stehen gut“, meint etwa Dr. Till Hornung. Die Kooperation mit der Augenklinik Reis in Bendern zeige, dass „wir bereits grenzüberschreitend denken und handeln“, so Hornung. Und Dr. Gerald Fleisch sagt: „Wenn das Paket stimmt, sind wir gerne dabei. Allerdings immer unter dem Aspekt, dass der Vorarlberger Patient Vorrang hat.“

Schon seit Juli 1987 ist die grenzüberschreitende Patientenbetreuung vertraglich geregelt. In dieser Zeit wurden 17.000 Liechtensteiner stationär und 34.000 ambulant im LKH Feldkirch behandelt. Die am stärksten frequentierten Fächer sind laut Till Hornung die Onkologie, die Interne sowie die Kinderheilkunde. Außerdem kommen regelmäßig acht bis neun Dialysepatienten aus dem Fürstentum nach Feldkirch.

Mit Nähe punkten

Nicht außer Acht lassen wollen die Spitalsmanager den finanziellen Zugewinn, den eine Kooperation mit dem Landesspital in Vaduz bringen würde. Unabhängig davon hält Gerald Fleisch „Kooperationen in Nahräumen“ insgesamt für ein „Gebot der Stunde“. Was die Nähe angeht, kann das LKH auf jeden Fall punkten. Denn zwischen Vaduz und Feldkirch liegen lediglich 14 Kilometer. Zum Vergleich: St. Gallen ist 66,5 und Chur auch noch 38 Kilometer entfernt.

Wir denken und handeln bereits grenzüberschreitend.

till hornung

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