Häftling: „Aus Angst geschwiegen“

Vorarlberg / 04.11.2013 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ob Feldkircher Justizwache im Gefängnis Ohrfeigen austeilte, ist weiter unklar.

feldkirch. (ec) Zum zweiten Mal saß der Schöffensenat gestern über der „Ohrfeigencausa“. Ein 36-jähriger Beamter der Justizanstalt soll im Zuge einer Drogenrazzia eine Zelle durchsucht und dabei zwei Häftlinge geohrfeigt haben, weil diese ein Versteck verheimlichten. Drei Justizwachebeamte hätten das grobe Vorgehen gedeckt und mehrfach gelogen, so die Anklagebehörde.

Gestern wurden einige Zellennachbarn vernommen und auch jene zwei Häftlinge, die angeblich geohrfeigt wurden.

Das erste mutmaßliche Opfer räumt ein, im Zuge eines Ausgangs Cannabis ins Gefängnis geschmuggelt zu haben. Diese Aktion flog auf, im Anschluss daran fanden Leibesvisitationen und Zellendurchsuchungen statt. Der 23-Jährige beteuerte, nichts in seiner Zelle versteckt zu haben. Gefunden haben die Beamten dennoch Spritzen, Tabletten und Heroin. Doch das gehörte angeblich einem Zellengenossen.

Die Tracht Prügel für die Lüge soll aber der 23-Jährige bezogen haben. Der junge Mann erzählt, was er damals zu dem Beamten gesagt haben will: „Sie dürfen mich nicht schlagen, dazu haben Sie kein Recht“. „Ich hatte danach ein Veilchen“, berichtet er weiter. Die Verfärbung unter dem linken Auge bestätigten einige Zeugen.

Angezeigt

Zunächst habe er geschwiegen, aus Angst vor Problemen, so der Insasse. Dann habe er gehört, dass sein Kumpel, der angeblich auch eine Ohrfeige kassierte, Anzeige erstattete. Außerdem habe ihn eine Sozialarbeiterin ermutigt. Die Wachebeamten beteuern, dass es zu keiner Gewalt gekommen sei. Dem steht die Aussage einer Beamtin entgegen, der sich einer der vier „anvertraut“ haben soll. Diese Zeugin berichtete beim letzten Verfahren, wie ihr Kollege ihr vertraulich erzählt habe, dass die Insassen recht und die Justizwachebeamten unrecht hätten. Seitdem gelte sie als „Verräterin“, so die Justizwachebeamtin, die seit 20 Jahren Dienst macht.

Am elften November geht es weiter, sogar einen Lokalaugenschein im Gefängnis wird es eventuell geben. Dann muss Richter Martin Mitteregger entscheiden, wem er mehr glaubt.