Im Dauereinsatz für Tiere

Vorarlberg / 08.11.2013 • 20:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bildungsauftrag der Tierhilfe Vorarlberg: Neue Ethik im Umgang mit Tieren.

Heidi Rinke-Jarosch

doren. Offene Hautstellen. Matter Blick. Viel zu wenig Gewicht. Schlecht hat es ausgeschaut, das sechs Monate alte Kalb, als es von Rudi Längle bei einem Schlachter im Leiblachtal abgeholt wurde. „Der Schlachter fand das kranke Tier in einer beschlagnahmten Rinderherde. Er selbst konnte es nicht aufpäppeln, darum überließ er es uns“, erzählt Rudi Längle, Obmann und Gründer des Vereins Tierhilfe Vorarlberg.

„Uns“ – das ist das Gut Bozenau in Doren, der Standort der Tierhilfe: Dort wird Tieren, die von ihren Besitzern nicht mehr gehalten werden können, Misshandlungen ausgesetzt sind oder getötet werden sollen, ein würdevolles Zuhause bis zu ihrem Tod geboten.

Recht auf Leben

„Auch ein Tier, das keine Leistung mehr bringt, hat das Recht auf Leben“, sagt Längle, der das Gut Bozenau führt. Für den 53-jährigen ehemaligen Richter ist der Respekt vor dem Lebewesen Tier von großer Bedeutung. Darum hat er gemeinsam mit Vize-Obmann Rudi Häfele (65) im Rahmen eines Bildungsauftrags das Projekt „Neue Ethik im Umgang mit Tieren“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, „vor allem jungen Menschen zu zeigen, wie Tiere leben und wie man sie behandeln soll“, erklärt Längle. „Wir möchten sie dazu bringen, das Tier als Lebewesen zu respektieren, aber auch am Beispiel unseres Hofs aufzeigen, welcher Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen unserer Erde gepflegt werden sollte.“

Kinder sollten auch lernen, dass die Haltung eines jeden Tieres mit viel Verantwortung verbunden ist, mahnt Längle. Denn es komme viel zu häufig vor, dass ein Tier angeschafft werde, das Interesse an ihm allmählich verloren gehe und es dann im Tierheim lande. „Im Hinblick darauf können wir mit unserem Projekt Prophylaxe-Arbeit leisten.“ Tierschutz ist eben auch Erziehung zur Menschlichkeit.

Zu Unrecht wird Rudi Längle vorgeworfen, ein Gegner der Landwirtschaft zu sein. Das sei er überhaupt nicht, sondern schaue lediglich darauf, dass es auch den im Wirtschaftskreislauf eingebundenen Nutztieren gut geht. „Dass dieses, sobald es das Schlachtgewicht erreicht hat oder nicht mehr von Nutzen ist, getötet wird, verurteile ich nicht. Aber unser Anliegen ist nun mal der Schutz des Tierlebens – und das wird an die Menschen, die uns besuchen, weitergegeben.“

Die Tierhilfe Vorarlberg ist an allen 365 Tagen im Jahr gefordert. Die Haltung der vielen Tiere auf dem Gut, der Tierschutz und die bevorstehende Anschaffung der Wintervorräte kosten Geld. Viel Geld. Der Verein ist auf Unterstützungsgelder, freiwillige Spenden und Tierpatenschaften angewiesen.

Hoffentlich nicht nur Worte

Vizeobmann Häfele hofft, dass der Bildungsauftrag hilft, das Land zu mehr finanzieller Unterstützung zu bewegen. „Landeshauptmann Markus Wallner hat bereits im Jänner seine Zustimmung dazu gegeben“, sagt er und erinnert auch an die Worte von Landesrat Erich Schwärzler am Tag der offenen Tür im Juni dieses Jahres: „Ganz besonders auch unsere Nutztiere haben es verdient, ein gutes Leben zu haben. Sie haben es verdient, dass wir respektvoll mit ihnen umgehen. Und sie haben eine vorbildliche und artgerechte Haltung verdient.“ Das sollten nicht nur Worte bleiben.

Und was ist aus dem kranken Kalb geworden? Der kleine Muck – so sein Name – war fast verhungert, als er damals vor vier Jahren auf Gut Bozenau ankam. Es wurde entsprechend ernährt und sein Zustand besserte sich. Heute ist der kleine Muck ein gesunder, kräftiger Stier, der leidenschaftlich mit Menschen schmust.

Auch ein Tier, das keine Leistung mehr erbringt, hat das Recht auf Leben.

Rudi Längle

Spendenkonto: Raiba Hittisau; Kto.-Nr. 47670, BLZ 37435, „Tierhilfe Vorarlberg“