Wenn Häftlinge zu Künstlern werden

Vorarlberg / 21.11.2013 • 22:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Häftling K. malt fleißig für den Weihnachtsbasar und die Wanderausstellung. Foto: vn/hofmeister
Häftling K. malt fleißig für den Weihnachtsbasar und die Wanderausstellung. Foto: vn/hofmeister

Insassen der Justiz­anstalt Feldkirch verkaufen ihre Bilder am Weihnachtsbasar.

feldkirch. Wenn Herr K. zu Pinsel und Farbe greift, vergisst er die Welt um sich herum. Er vergisst die Zeit, die hier an manchen Tagen endlos werden kann. „Einige sitzen 23 Stunden am Tag in ihrer Zelle und starren vor sich hin. Ich bin für jede Abwechslung dankbar. Wenn ich male, kann ich mich vom Alltag ablenken. Das hilft mir, alles zu verarbeiten“, sagt er. Seit zwei Jahren lebt der 42-Jährige nun in der Justizanstalt Feldkirch. Er hat noch eine lange Haft vor sich und wird bald in eine andere Vollzugsanstalt überstellt. Wegen Cannabis-Schmuggels wurde er am Landesgericht Feldkirch zu ingesamt neun Jahren Gefängnis verurteilt. K. beweist, dass es auch hinter dicken Gefängnismauern Künstler gibt. „Am liebsten zeichne ich Comics oder Motive von Roy Lichtenstein nach“, erzählt er und deutet nach rechts, wo einige seiner Bilder die Wand der Bibliothek zieren. Darauf abgebildet: die Panzerknacker, Donald Duck sowie Asterix und Obelix.

Im Rahmen eines Malkurses bekommen die Insassen der Justizanstalt Feldkirch seit dreieinhalb Jahren Gelegenheit, sich unter der Leitung der Kunsttherapeutin Maria Gabriel auszuprobieren und so ihre Sehnsüchte und Träume auszudrücken.

Der Kurs ist Therapie, auch wenn die Nenzingerin nie den Anspruch darauf erheben würde. „Das Wichtigste ist, dass sich die Teilnehmer am Ende über ihr Bild freuen, und dass sie während des Malens Energie schöpfen“, sagt sie.

Das Motiv dürfen sich die Häftlinge selbst aussuchen. Beliebt seien vor allem Engel, Herzen und Stiere. Aber auch beispielsweise idyllische Landschaften werden mit Hilfe der Künstlerin auf die Leinwand gebracht.

Jeder kann malen

Mitmachen kann grundsätzlich jeder – egal, welche Vorgeschichte er oder sie hat. „Und man muss auch nicht zeichnen können“, betont Gabriel. „Mit dieser Spachteltechnik gelingt es jedem, etwas Schönes zu malen.“ Initiiert hat den Kurs der Justizwachebeamte Günter Albrecht. „Viele lesen gern über Verurteilungen, was danach mit den Menschen passiert, interessiert aber niemanden mehr. Hauptsache, sie kommen brav aus dem Gefängnis“, meint er und fügt hinzu: „Es nützt nichts, wenn man die Leute einfach nur einsperrt, sondern es ist wichtig, dass man sich herinnen mit ihnen abgibt und auch sinnvolle Beschäftigungen anbietet.“

Im April 2010 entstand die Idee. Seidem ist zweimal im Monat Malnachmittag in der Justizanstalt. Es sind nicht immer dieselben Häftlinge, die kommen. Schließlich werden sie nach einiger Zeit wieder entlassen oder werden verlegt.

Gegen einen Unkostenbeitrag von fünf Euro dürfen die Teilnehmer ihre Bilder mitnehmen. Jene Werke, die sie dalassen, werden in der Justiz­anstalt aufgehängt.

Vor sich auf der Staffelei präsentiert Herr K. sein neuestes Werk – ein Jazz-Ensemble, abgezeichnet von einem Buch. „Für mich ist es das Schönste, wenn ich anderen mit meinen Bildern Freude machen kann“, sagt der 42-Jährige. Dieses sowie rund 50 weitere Werke, die im Malkurs entstanden sind, werden bald ausgestellt. Am nächsten Freitag (29. November) können Besucher die Bilder sowie weitere Handwerksartikel im Rahmen eines Weihnachtsbasars im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Feldkirch erwerben. Der Reinerlös kommt dem Gefangenenfürsorgeverein zugute, welcher mittellose Gefangene sowie deren Angehörige unterstützt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Dass erstmals Werke von Häftlingen öffentlich präsentiert und verkauft werden, unterstützt die Leiterin der Justizanstalt Feldkirch, Cornelia Leitner, ausdrücklich. „Die Bediensteten sind nicht nur Auf- und Zusperrer wie dies oft in den Köpfen der Menschen fixiert ist“, sagt sie. Aufgabe des Strafvollzugs ist neben der Aufrechterhaltung der Sicherheit auch die Beschäftigung und Betreuung von Insassen. Resozialisierung lebe unter anderem davon, dass Menschen sinnvolle Beschäftigung oder Freizeitgestaltung beigebracht wird. In der Justizanstalt wird nicht nur gebastelt oder gemalt, sondern auch unterrichtet oder in verschiedenen Betrieben gearbeitet.

„Dass der Reinerlös dem Gefangenenfürsorgeverein

zugute kommt, ist bewusst gewählt: Häftlinge unterstützen durch ihren Einsatz sich selbst bzw. andere Inhaftierte und deren Angehörige, es ist also Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Leitner und fügt hinzu, „wir freuen uns daher über viele Besucher am Basar, damit der Strafvollzug in Vorarlberg sich auch bewusst einmal von einer anderen Seite präsentieren kann.“

Viele lesen gern über Verurteilungen. Was dann mit den Menschen passiert, interessiert niemanden.

günter Albrecht
Mit der Spachtel geht es leicht.
Mit der Spachtel geht es leicht.
Maria Gabriel leitet den Kurs.
Maria Gabriel leitet den Kurs.

Weihnachtsbasar

1. Weihnachtsbasar mit Werken von Inhaftierten der Justizanstalt Feldkirch:

» Wann: Freitag, 29. November 2013 von 10 bis 18 Uhr

» Wo: Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Feldkirch

» Was: Neben verschiedenen Handwerksartikeln stehen Bilder zum Verkauf, welche die Vorarlberger Künstlerin Maria Gabriel mit den Häftlingen im Rahmen des Malkurses erstellt hat.

» Erlös: Der Reinerlös des Weihnachtsbasars kommt dem Gefangenenfürsorgeverein zugute.

Vorläufig geplante Termine für die Wanderausstellung:

» Landhaus Bregenz: 7. bis 17.1.

» Zimbapark: ab 29.1. (der Wochen)

» Messepark: noch offen

» Landespolizeidirektion Bregenz: Juni, Juli, August 2014

» LKH Feldkirch: September 2014