Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

So muss das ausschauen

18.12.2013 • 19:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wir packen schon. Schneestiefel, lange Unterhosen, Strickzeug; vor allem aber die Weihnachtsgeschenke, die auch dieses Jahr wieder unter Omaopas Baum zu liegen kommen werden. Das alte Dilemma, dass die Großeltern unter einem schönen Christbaum – vor allem, was dessen Behang betrifft – etwas anderes verstehen als ihre Wiener Enkel, wurde heuer so aufgelöst, dass in der großen Stadt am Christbäumeerstverkaufstag ein winziges, gleichwohl sauteures Minibäumchen erstanden wurde. Das Ansinnen der Mutter, vielleicht diesmal einen dieser hübschen, bunten, wiederverwendbaren Polyesterbäumleins zu erwerben, löste kinderwärts entgeisterte Vogel-Gestik aus, ein Plastikchristbaum, bistu? Ganz. Sicher. Nicht.

Na gut, war ein Versuch. Das Luxus-Tännile wurde also seufzend erstanden, singend nach Hause getragen (man darf Christbäume ausschließlich mit einem fröhlichen Weihnachtsliedchen auf den Lippen transportieren, auch das hat mich das Leben inzwischen gelehrt), zwischen den Kinderzimmern auf einem rosa Mülleimer platziert und von den Kindern mit einem halben Kilometer Weihnachtsgirlande und Lametta, zehn Lichterketten, einer für fünf große Bäume empfohlenen Menge Christbaumkugeln und etwa fünf Dutzend stanniolverpackten Schokokugeln, Schokosternen, Schokoengeln behängt. Besser: beladen. Ob sich unter all dem Glitzer eine Nordmann- oder eine Polyestertanne befindet, hätte hinterher nicht einmal mehr ein adleräugiger Förster erkennen können.

Wo habts ihr bitte den ganzen Schokoladen-Baumbehang her, habt ihr den von eurem Taschengeld gekauft?

Hat uns die Oberösteroma geschickt.

Und das ist ihr ganz von alleine eingefallen?

Naja, mit einem kleinen bisschen Aufmunterung unsererseits; wo wir doch schon wieder nicht mir ihr feiern können.

Ach so. Und auf diese Weise habt ihr ihr also geholfen, mit ihrem Schmerz fertig zu werden.

Ja, wir haben ihr auch ein Foto vom Baum gesimst.

Brave Kinder. Vor allem: brave Oberösteroma, denn durch die Segnungen des Schokobaums und dem daraus resultierenden permanenten Zuckerschock bleibt uns heuer endgültig das übliche vorweihnachtliche Keksebackritual erspart, das im Wesentlichen darin besteht, dass wir einen großen Brocken Mürbteig zusammenkneten, plattwalzen und dann daraus Kekse stechen. Die Reste stemmt dann irgendwann die Mutter mit Hammer und Meißel von Tisch, Boden und Wänden. Die Kekse werden mit Zuckerguss verziert und verrotten dann in einer großen Dose, weil die Kekse, die die Oberösteroma schon mitgebracht hat, viel besser schmecken, ebenso wie die Krömle, die wir schon demnächst kiloweise bei der Vorarlberger Oma essen werden. Wir packen schon. Und nein, der Schokobehang bleibt eh hier.

doris.knecht@vorarlbergernachrichten.at
Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin.
Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.
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