Lohnsteuer frisst Gehaltsplus

Vorarlberg / 19.12.2013 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Lohnsteueraufkommen um 7,25 Prozent gestiegen. AK kritisiert ungerechtes Steuersystem.

Schwarzach. Die gute Nachricht: 2012 sind die durchschnittlichen Jahresbruttobezüge der Vorarlberger um 4,5 Prozent gestiegen. Die schlechte: das Lohnsteueraufkommen hat im selben Zeitraum um 7,25 Prozent zugelegt. Damit bleibt von den Lohnzuwächsen am Ende nur ein Bruchteil übrig. Das zeigen von den VN berechnete Daten der Lohnstatistiken für die Jahre 2011 und 2012.

Schuld am extremen Anstieg der Lohnsteuer hat die kalte Progression. Die Arbeiterkammer Vorarlberg übt heftige Kritik am ungerechten Steuersystem. „Wir brauchen rasch eine Entlastung für die Menschen, nicht erst dann, wenn es der Bundesregierung vielleicht irgendwann in den Kram passt“, so Kammerpräsident Hubert Hämmerle zu den VN. Abhilfe könnte eine Indexierung des Lohnsteuertarifs bringen. Eine solche habe man ja auch bei der Parteienförderung hergebracht, sagt Hämmerle.

„Lastesel der Nation“

Für die Arbeiterkammer sind die Arbeitnehmer die „Lastesel der Nation“. Alleine 2012, so jüngste Daten der Statistik Austria, zahlten Vorarlberger 960,6 Millionen Euro Lohnsteuer (2011: 895,7 Millionen). Die Bruttobezüge beliefen sich auf 6,59 Milliarden Euro (2011: 6,31 Milliarden). „In allen Jahren ohne Steuerreform stieg das Lohnsteueraufkommen stärker als die Bruttobezüge – und zwar um bis zu 8,4 Prozent“, rechnet die AK vor.

Mit der gestern veröffentlichten Lohnsteuerstatistik zeigen sich bei den Einkommen auch deutliche regionale Unterschiede. So liegt der durchschnittliche Jahresnettobezug eines Wiener Beschäftigten (Vollzeit, ganzjährig) bei 30.839 Euro. Vorarlberger kommen lediglich auf 28.493 Euro. Damit liegen die Netto-Verdienste im Ländle auch unter dem Österreich-Schnitt (29.033 Euro).

Unterschiede gibt es zudem innerhalb des Landes. Im Bezirk Bregenz verdienen Arbeitnehmer mit 28.784 Euro mehr als in den Bezirken Bludenz (28.476 Euro) und Feldkirch (28.429 Euro). Am niedrigsten sind die Netto-Bezüge mit 28.141 Euro im Bezirk Dornbirn.

Große Unterschiede

Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei den Pensionen aus. So müssten sich Pensionisten im Bezirk Feldkirch 2012 mit 14.862 Euro begnügen, während im Bezirk Bludenz 16.318 Euro an Pensionen ausbezahlt wurden.

Bei den Österreich-Zahlen zeigt die aktuelle Lohnsteuerstatistik zudem einmal mehr die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen. So war laut Daten der Statistik Austria zwar jeweils rund die Hälfte der Steuerpflichtigen Männer (50,2 Prozent) und Frauen (49,8 Prozent).

Allerdings entfallen die Bruttobezüge zu 61,9 Prozent auf Männer. Während jede zweite Frau einen Bruttobezug von unter 20.000 Euro hat, ist dies nur bei jedem dritten Mann der Fall, so die Auswertung der statistischen Daten.

Lohnsteuerstatistik 2012 für Vorarlberg

Jahresnetto-Bezug Jahreslohnsteuer

Pensionisten 2012 15.571 Euro 2294 Euro
Pensionisten 2011 15.158 Euro 2138 Euro

Arbeitnehmer (Vollzeit) 2012 28.493 Euro 7295 Euro

Arbeitnehmer (Vollzeit) 2011 27.879 Euro 6946 Euro

Pensionisten + Arbeitnehmer 2012 18.419 Euro 3706 Euro

Pensionisten + Arbeitnehmer 2011 18.007 Euro 3515 Euro

Einkommen Bezirke

Jahres-Nettoeinkommen 2012

» Bludenz:
Arbeitnehmer (Vollzeit): 28.476 €
Pensionisten: 16.318 €

» Bregenz:
Arbeitnehmer (Vollzeit): 28.784 €
Pensionisten: 15.656 €

» Dornbirn:
Arbeitnehmer (Vollzeit): 28.141 €
Pensionisten: 15.703 €

» Feldkirch:
Arbeitnehmer (Vollzeit): 28.429 €
Pensionisten: 14.862 €

Stichwort

Kalte Progression
Weil die Tarife in der Lohn- und Einkommensteuer nicht an die Teuerung (Inflation) angepasst werden, sind immer mehr Arbeitnehmer automatisch von einem höheren Grenzsteuersatz betroffen. Sie müssen also plötzlich viel mehr an den Fiskus abliefern.