Dreijährige war Opfer der Silvesterknallerei

13.02.2014 • 19:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Feuerwerke: Sie sind schön anzusehen, immer mehr Menschen aber auch ein Dorn im Auge. Foto: VN/Steurer
Feuerwerke: Sie sind schön anzusehen, immer mehr Menschen aber auch ein Dorn im Auge. Foto: VN/Steurer

Erstmals wurden ambulant und stationär behandelte Betroffene genau erfasst.

Schwarzach. (VN-mm) Silvester mit seinen Feuerwerken liegt zwar schon ein paar Wochen zurück, dennoch dürfte manchen der Jahreswechsel in schmerzhafter Erinnerung sein. Laut einer erstmals in dieser Genauigkeit durchgeführten Erhebung mussten in den Krankenhäusern des Landes zwischen dem 30. Dezember und 3. Jänner 20 Opfer von Pyrotechnikunfällen ambulant oder stationär behandelt werden. Die von der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) veranlasste Dokumentation zeigt auch, dass vor allem junge Leute betroffen waren. „Das Durchschnittsalter lag bei gerade einmal 20,5 Jahren“, verdeutlicht Dr. Walter Widder.

Der pensionierte Pathologe hat sich des Themas angenommen, weil Feuerwerke im öffentlichen Raum seiner Ansicht nach keine Privatsache sind. „Ziel ist es, auf die unterschätzten Gefahren von Feuerwerkskörpern hinzuweisen und den völlig übertriebenen Gebrauch dieser Produkte einzudämmen“, erklärt Widder. Denn was von manchen als ein harmloses Vergnügen hingestellt werde, würden immer mehr Menschen als Belästigung und Bedrohung ansehen.

Feinstaubbelastung

Wobei es nicht nur um die Verletzungen gehe. Die Feinstaubbelastung, die Kontamination des Bodens mit toxischen Substanzen, Sachschäden und die Panik der Tiere sollten nach Meinung des Arztes ebenfalls gute Gründe zur Besorgnis sein. Bei den festgestellten Verletzungen handelte es sich hauptsächlich um Verbrennungen, deren Intensität auch den Grad 3 erreichte. Besonders Hände, Finger und Gesicht wurden durch Knallkörper in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem Patienten sorgte ein Querschläger für eine Kopfverletzung, bei einem anderen explodierten Knallkörper neben dem Fuß. Ein Vater und seine dreijährige Tochter, die beide Böller vom Boden aufgelesen hatten, erlitten Verbrennungen an den Händen. Ein 29-jähriger Mann musste wegen eines schweren Knalltraumas den Jahreswechsel im Spital verbringen, ein 21-Jähriger wegen einer schweren Handverletzung. Gesichts- und Augenverletzungen sorgten bei einem 41-jährigen Feuerwerker dafür, dass der Spaß im Krankenhaus endete.

Nicht enthalten in dieser Statistik, die künftig alljährlich angefertigt werden soll, sind jene Personen, die sich rund um Neujahr bei niedergelassenen HNO- oder Allgemeinmedizinern aufgrund von Hörstörungen behandeln ließen.

Kontrollierter Ablauf

Für Walter Widder ist bemerkenswert, dass diesem explosiven Thema bislang kaum bis gar keine Beachtung geschenkt wurde. „Feuerwerke sind nicht harmlos. Deshalb sollten sie kontrolliert ablaufen“, verweist er auf andere Probleme, wie die Verunreinigung von Böden mit Schwermetallen, zum Beispiel Strontium und Blei, die als Zusatzstoffe in Böllern enthalten sind. „Je bunter, desto giftiger“, sagt Widder. Nur schwer quantifizieren lässt sich die Feinstaubbelastung nach einer geballten Ladung an Feuerwerken. „Bei uns wird lediglich der Tagesmittelwert gemessen. Bis dahin hat sich das Gros der Belastung wieder verflüchtigt“, so der Arzt. Punktuell schätzt er die Erhöhung an Dreck in der Luft aber mindestens auf das 10-bis 20-fache.

In der Begründerin der Bürgerinitiative „Stille Nacht“, Elke Wörndle, hat Dr. Walter Widder eine aktive Mitstreiterin gefunden. Seit 2010 engagiert sich die Musiklehrerin aus Fußach gegen Lärm und den ihrer Meinung nach überbordenden Gebrauch von Pyrotechnikartikeln. Sie verweist auf zahlreiche Städte in Deutschland, die auch ohne Vorgaben Feuerwerksverbote erlassen. „Hierzulande wird das an sich strenge Gesetz durch Verordnungen der Gemeinden aufgeweicht“, kritisiert Wörndle. Denn sie hätten die Möglichkeit, Freiräume festzulegen.

Das durchschnittliche Alter lag bei gerade einmal 20,5 Jahren.

Walter Widder