Identität durch Sprache

20.02.2014 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schon allein durch das Beherrschen eines Vorarlberger Dialekts und des Schriftdeutsch sei man mehrsprachig, betont Pia Frick.  Foto: VN/sas  
Schon allein durch das Beherrschen eines Vorarlberger Dialekts und des Schriftdeutsch sei man mehrsprachig, betont Pia Frick. Foto: VN/sas  

Für das Erlernen einer Zweitsprache ist die Muttersprache besonders wichtig – das weiß Pia Frick.

Feldkirch. (VN-sas) Heute ist internationaler Tag der Muttersprache. Wie wichtig die Muttersprache bzw. Sprachen per se sind, weiß Pia Frick. Seit rund zehn Jahren ist die Feldkircherin an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Feldkirch als Deutschdidaktikerin in der Volksschullehrer-Ausbildung beschäftigt: Die Themenkomplexe Lesen und Schreiben lernen, Spracherwerb, Erwerb von Mehrsprachigkeit sowie Sprachförderung sind somit ihr täglich’ Brot.

„Früher hat es das Thema Mehrsprachigkeit bei uns faktisch gar nicht gegeben“, so Frick. In den letzten Jahrzehnten habe sich das aber massiv geändert: „25 Prozent der Kinder an Vorarlberger Pflichtschulen haben heutzutage eine andere Sprache als Deutsch zur Muttersprache“, weiß sie. Je nach Standort gebe es gar Klassen mit mehr als 40 Prozent an mehrsprachigen Kindern.

Dialekt als eigene Sprache

Genau genommen sei man aber bereits als Vorarlberger schon zweisprachig, will die 55-Jährige betont wissen. „Unsere Dialekte sind ganz anders aufgebaut als Schriftdeutsch“, sagt sie. Die Feldkircherin spricht neben Dialekt und Hochdeutsch auch Englisch und Französisch. Auch in die türkische und in die ungarische Sprache hat sie bereits geschnuppert. „Einen Einblick zu bekommen, wie andere Sprachen ticken, ist furchtbar interessant. Das macht Lust, genauer hinzuschauen. Und es weckt Respekt vor jedem Sprachlehrer.“

„Der Dialekt ist uns heilig“

Auch würden gewisse Sprachen dann nicht mehr gering geschätzt werden. Bei Türkisch sei das nämlich so. „Spricht ein Kind Englisch oder Französisch, wird das hoch angesehen. Bei Türkisch ist das hingegen oft ganz anders“, bedauert die vierfache Mutter. Hier wünscht sie sich mehr Anerkennung. Unser Dialekt sei uns schließlich auch heilig. „Das hat viel mit Identität zu tun“.

Dennoch: Die Expertin macht sich stark für „eine gezielte Hinführung zur Schriftsprache. Vom ersten Schultag an“. Zu viele Studierende gebe es allein an der PH, die „keine ordentliche Diskussion auf Hochdeutsch auf die Reihe bringen“. „Doch besonders auch mehrsprachige Kinder benötigen dringend eine größere Schriftnähe in all ihren Sprachen; vom Ausbau der Schriftlichkeit profitiert schließlich auch die Mündlichkeit“, sagt sie. Dabei führt Frick ein positives Beispiel an. „In meiner Verwandtschaft ist ein thailändischer Bub, den ich seit seiner Ankunft vor vier Jahren in Vorarlberg beim Deutschlernen begleite“, erzählt sie. „Jetzt ist er 13 Jahre alt und besucht die zweite Klasse Gymnasium.“ Es sei faszinierend zu erleben, in welchem Tempo der Bub „schriftgestützt“ Deutsch lernt, Bücher liest und jetzt langsam auch den Dialekt lernt. Seine Mutter „zwinge“ den Jungen zudem, schwierige Sachtexte mithilfe des Computers zu übersetzen, damit er auch seine Muttersprache ausbaut. „Das ist ideal“, findet Frick.

Fremdsprachige Kinder sollten demnach ihre Muttersprache unbedingt bewahren – „so, wie wir unseren Dialekt verteidigen“, vergleicht die Deutschdidaktikerin. „Nur so kann man die Fülle dessen, was uns bewegt und beschäftigt, auch zum Ausdruck bringen“, unterstreicht die 55-Jährige. Außerdem: „Erst wenn man die Erstsprache gut beherrscht, erlernt man auch eine Zweitsprache viel schneller“, gibt sie einen Tipp.

Es ist faszinierend zu erleben, in welchem Tempo er ,schriftgestützt‘ Deutsch lernt.

Pia Frick

Zur Person

Pia Frick

ist Deutschdidaktikerin in der VS-Lehrer-Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch

Geboren: 10. März 1958

Ausbildung: Studium an der Universität Hagen, Sonderschullehrerin, Sprachheillehrerin

Familie: vier erwachsene Kinder

Wohnort: Feldkirch