Darf es ein bisschen mehr sein?

Vorarlberg / 12.03.2014 • 19:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Innungsmeister Gerold Hosp: „Gewürzt dürfen Schweizer größere Fleischmengen einführen.“ vn/Hofmeister
Innungsmeister Gerold Hosp: „Gewürzt dürfen Schweizer größere Fleischmengen einführen.“ vn/Hofmeister

Salz-Trick: Schlupfloch in den Zollvorschriften hilft Schweizern bei der Fleischeinfuhr.

Schwarzach. Vorarlbergs Handel hat viel Freude mit den Nachbarn aus der Schweiz. Die Franken-Kundschaft ist überall gern gesehen – auch in den heimischen Metzgereien. Und seit einige von ihnen auf eine Lücke in den Zollgesetzen gestoßen sind, füllen sich die Einkaufstaschen noch ein wenig mehr.

Schweizer Behörden arbeiten bekanntermaßen sehr gründlich. Der Zolltarif „Tares“ regelt bis ins Detail, was Schweizer zollfrei in ihre Heimat bringen dürfen. Bei Frischfleisch sind 500 Gramm pro Kopf erlaubt. Bei gesalzenem, geräuchertem oder getrocknetem Fleisch liegt der Grenzwert bei 3,5 Kilogramm – gedacht war damit Speck und Ähnliches.

Schlupfloch entdeckt

Ein findiger Deutscher Metzger hat allerdings ein Schlupfloch in den Zollvorschriften gefunden. So gibt es nirgendwo einen Hinweis auf einen bestimmten Salzanteil. Und seither floriert der Verkauf von mariniertem oder gewürztem Fleisch – und das längst nicht nur an der Deutsch-Schweizer Grenze. Mittlerweile ist der „Trick mit dem Salz“ auch in Vorarlberg Thema. Schlagzeilen wie „Marinaden-Krieg an der Schweizer Grenze“ (Handelszeitung) kurbelten das Geschäft zusätzlich an.

„Wenn das Fleisch bearbeitet ist, steigt die zollfreie Menge“, bestätigt Gerold Hosp, Innungsmeister der heimischen Metzger. Speziell Betriebe in Grenznähe würden davon profitieren. Einer davon ist die Metzgerei Schöch in Feldkirch-Nofels. „Wir sind praktisch täglich damit konfrontiert“, sagt Firmenchef Dietmar Schöch den VN. Man wolle das zwar nicht an die „große Glocke hängen“. Andererseits sei es aber völlig legal. „Zehn bis 15 Prozent unserer Schweizer Kunden nutzen diese Möglichkeit“, so der Feldkircher Metzger weiter. Sie greifen entweder zu mariniertem oder vorgewürztem Fleisch, das in den Vitrinen bereit liegt. „Auf Wunsch würzen wir aber auch ganz nach dem Geschmack der Kunden“, sagt Schöch. Für das Schlupfloch im Gesetz reicht eine Prise Salz. Allerdings seien nicht alle Zöllner in der Schweiz informiert, gibt der Metzgermeister zu bedenken.

Längere Haltbarkeit

Dem Fleisch selbst schadet die Würzung nicht. Ganz im Gegenteil: „Es ist ein zusätzlicher Service. Und gesalzen steigt die Haltbarkeit“, erklärt Innungsmeister Gerold Hosp.

Mit den steigenden Temperaturen wächst auch die Nachfrage nach Frischfleisch. „Im Sommer ist der Absatz deutlich höher“, sagt Dietmar Schöch. Auch der Appetit der Schweizer steigt dann. Jeder dritte Kunde der Metzgerei in Feldkirch komme aus dem Nachbarland.

„Darf es ein bisschen mehr sein?“, pflegen Fleischverkäufer bekanntermaßen zu fragen. Bei bis zu dreieinhalb Kilogramm Fleisch pro Person steht einer ordentlichen Grillparty jedenfalls nichts mehr im Weg – noch nicht einmal ein Schweizer Zöllner.

Wenn das Fleisch bearbeitet ist, steigt die zollfreie Menge.

Gerold Hosp, Innungsmeister