Darauf fahren die Vorarlberger ab

Vorarlberg / 17.03.2014 • 19:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen: Das Rad feiert wieder Hochsaison.

Schwarzach. (VN-ger) Frühling ist, wenn die Sonnenstrahlen auf der Nase kitzeln und alle draußen sitzen wollen – ob im Café, am See oder eben auf dem Fahrrad. Höchste Zeit also, den geliebten Drahtesel ans Tageslicht zu befördern. Vor der ersten Ausfahrt sollte das Rad allerdings geputzt, auf Schäden inspiziert und geschmiert werden. „Unbedingt kontrollieren, ob Licht und Bremsen funktionieren, Kette schmieren, Luft einpumpen. Und natürlich auch testen, ob der Sattel die richtige Höhe hat“, empfiehlt Christian Gratzer, Sprecher des Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Für viele ist der Drahtesel längst vom Freizeit- zum Alltags-Verkehrsmittel avanciert. Immer mehr Menschen lassen das Auto stehen und radeln zur Arbeit.

80 Prozent

Die Vorarlberger gelten bekanntlich als besonders fleißige Fahrradfahrer. Laut Daten der Statistik Austria steigen 48 Prozent der Ländle-Bewohner über 15 Jahre täglich oder mehrmals die Woche aufs Rad. Weitere 30 Prozent treten zumindest gelegentlich in die Pedale. Damit sind rund acht von zehn Vorarlbergern im Alltag mit dem Rad unterwegs. Wieso das so ist, liegt für den VCÖ-Sprecher auf der Hand: „Radfahren hat viele Vorteile, ist gesund, erhöht die Fitness, ist kostengünstig und gerade bei Strecken unter fünf Kilometern ist man auch schnell am Ziel. Beliebt ist Radfahren auch, weil es eine individuelle Mobilität ist. Man ist beim Radfahren unabhängig und steht auch nicht im Stau.“ Für viele Vorarlberger ist das Radfahren eine gute Möglichkeit, die tägliche gesunde Portion Bewegung in den Alltag zu integrieren.

Für die Fahrradsaison 2014 haben sich die Hersteller wieder einiges einfallen lassen. Aufgrund des kaum vorhandenen Winters herrscht beispielsweise bei Radcult in Wolfurt schon seit Jänner Hochbetrieb.

Wie zufrieden Radfahrer mit den Bedingungen zum Radfahren sind, erhebt der VCÖ derzeit im Rahmen einer bundesweiten Umfrage. An der Umfrage kann auch im Internet unter www.vcoe.at teilgenommen werden.

Die Trends am Fahrradmarkt

Auf der Eurobike in Friedrichshafen gab es im Herbst bereits einen ersten Vorgeschmack auf die Fahrradtrends 2014. Ende August wurden dort über 200 Weltneuheiten präsentiert. Mittlerweile sind viele der Produkte in den Vorarlberger Fahrradgeschäften gelandet. Hier ein kleiner Auszug:

» Rennräder

Alurahmen sind out. „Bei Rennrädern geht fast nur noch Carbon“, sagt Mario Schedler von Radcult in Wolfurt. Auch die Seilzüge verschwinden zusehends. Stattdessen ist die elektronische Schaltung, bei der die Gänge auf Knopfdruck wechseln, im Vormarsch. Sie wird über einen Motor gesteuert, ist schneller, präziser, kräftesparender und verstellt sich nicht. Unter den Rennradfahrern heiß diskutiert wird außerdem die hydraulische Scheibenbremse. Auf der Eurobike 2013 wurde sie bereits vorgestellt. Wirklich durchsetzen konnte sie sich bislang aber nicht. Das führt Jodok Beer, Filialleiter bei CIC Rad & Bergsport in Egg, unter anderem darauf zurück, dass der internationale Radsportverband UCI die Verwendung von Scheibenbremsen im Profirennsport noch nicht freigegeben hat. Damit könnte den Herstellern eine entscheidende Verkaufshilfe fehlen.

» Mountainbikes

Die herkömmlichen 26-Zoll-Räder haben definitiv ausgedient und kommen nur noch im Jugendbereich zum Einsatz. Die Hersteller setzen nunmehr auf die größeren 27,5- und 29-Zöller. Die Wahl des Reifens hängt dabei laut Beer weniger von der Körpergröße als vom Hersteller ab. „Auch die Fullys – vollgefederte Bikes – nehmen Überhand. Das spüren wir brutal“, sagt der Radcult-Chef. Im Trend liegen außerdem die „All Mountains“ – die Alleskönner für jedes Gelände. Im Vordergrund steht dabei der Fahrkomfort. Die Räder bieten einen größeren Federweg (bis zu 160 mm), sind dadurch „viel feinfühliger und man sitzt darauf aufrechter“, sagt Schedler. Selbst Sportlern, die es abwärts gerne krachen lassen, bieten die All Mountains den nötigen Spaß.

» Sonstige Räder

Ein beinahe grenzenloses Radvergnügen versprechen die sogenannten Fatbikes. Durch die besonders breiten Reifen sollen selbst Schnee, Matsch, Kies oder Sand kein Hindernis mehr darstellen.

» E-Bikes

Vollgas geben auch in dieser Saison wieder die E-Bike-Fahrer. Kaum ein Hersteller kommt mehr an den elektrisch angetriebenen Fahrrädern vorbei. Unter Strom gesetzt werden unter anderem Liegeräder oder die traditionellen Posträder, die dadurch zunehmend zum Transportrad werden. Einen durchschlagenden Erfolg erzielen die elektrisch angetriebenen Moutain-, City- oder Trekkingbikes. Die sportliche Optik kommt sowohl im Alltagsbereich als auch im Gelände gut an. „Das schlägt sich extrem durch. Wir haben derzeit nur noch eines auf Lager“, kommt Mario Schedler mit dem Bestellen kaum nach. Im Bregenzerwald sind es laut Beer oft Frauen mit Kinderanhängern, die auf die Power von E-Bikes setzen.

» Accessoires

Die Fahrradsaison wird bunt und vor allem grün. Bei der Bekleidung sind außerdem funktionelle Schnitte, hohe Atmungsaktivität und ein guter Tragekomfort gefragt. Auf der Eurobike präsentiert wurden (fast) pannensichere, schlauchlose Reifen für Alltagsräder, die gleichzeitig besonders leicht laufen. Bei Löchern oder Durchstichen können sie sich selbst reparieren. Dafür sorgt eine „Pannenschutzmilch“, die mit kleinen Latex-Partikeln Löcher verschließen kann. Das Prinzip kommt bei Mountainbikes schon länger zum Einsatz.