Montafonerbahn: „Unfalltragödie bringt uns in schwierige Situation“

10.04.2014 • 20:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bertram Luger: „Eine Million in Sicherheit investiert.“  Foto: mbs
Bertram Luger: „Eine Million in Sicherheit investiert.“ Foto: mbs

Tödlicher Bahn­unfall am Mittwoch in Schruns heizt wieder Sicherheitsdebatte an.

SChruns. Zeugen bestätigten, dass ein 55-jähriger Bartholomäberger vorgestern gegen 20.55 Uhr bei Rotlicht den unbeschrankten Bahnübergang auf der L 188 durchfuhr. Der Triebwagenfahrer der herannahenden Montafonerbahn leitete sofort die Notbremsung ein. Zu spät. Die Lok erfasste den Pkw frontal, schleifte ihn noch dreißig Meter mit. Das Auto wurde zwischen Triebwagen und Bahnsteig eingeklemmt, für den Lenker kam jede Hilfe zu spät.

Schranken entfernt

Die unbeschrankten Bahnübergänge im Montafon wurden immer wieder zu einer Sicherheitsfrage. Speziell jener, bei dem es vorgestern zur Tragödie kam.

Zur Frage der VN, wie es weitergehen soll, sagte Montafonerbahn-Vorstand Bertram Luger: „Wir wollen hier kein Wunschkonzert äußern. Aber wir Bahnbetreiber sind jetzt wieder in eine schwierige Situation gelangt.“

Der betreffende Bahnübergang auf der L 188 zwischen Bludenz und Schruns sei schon einmal mit Schranken versehen gewesen. Doch sie wurden entfernt. Denn es ist die wichtigste Durchzugsstrecke ins Montafon. 20.000 Fahrzeuge täglich. Schranken halten den Verkehr auf, führen zu Staus. „Es ist dies vor allem der Wunsch des Straßenerhalters, dass der Verkehr flüssig läuft“, trennt Luger die Sicherheitsverantwortung.

Immerhin: Die Montafoner­bahn hatte in den vergangenen Jahren mehr als eine Million Euro investiert, um die gefährdeten Stellen zu entschärfen. „Es ist zur gesetzlichen Pflicht geworden, sämtliche Bahnübergänge technisch zu sichern, so auch mit Lichtanlagen“, informiert der Vorstand.

Unfallmeldung übermittelt

Ob hier wieder über Schranken debattiert wird, ist nun Entscheidungssache der zuständigen Eisenbahnbehörde. „Wir haben gestern eine Unfallmeldung mit allen ­Details an die Behörde und die Unfalluntersuchungsstelle übermittelt. Die Behörde ist es, die die Entscheidungen trifft“, so Luger.

Und wie dramatisch ist die Situation in ganz Vorarlberg? ÖBB-Pressesprecher René Zumtobel zu den Details: „Die ÖBB-Strecken in Vorarlberg sind weitgehend ohne Kreuzungen Straße-Schiene. Aktuell gibt es zwischen Bregenz-Vorkloster und kurz vor Braz auf einer Länge von 63 Kilometern keine Bahnkreuzung.“ Auf den sonstigen Strecken gäbe es aktuell 25 Eisenbahnkreuzungen, von denen 24 technisch gesichert sind, also mit Lichtzeichen und/oder Vollschranken. Nur auf einem Übergang ist lediglich eine Stopptafel angebracht.

Zumtobel: „Bei aller Tragik dieses Vorfalls auf der Montafonerbahn ist es einmal mehr wichtig, auf unsere Sicherheitskampagne hinzuweisen. Wir haben Videos gedreht, verteilen jedes Jahr Folder und gehen auch in Schulen und Betriebe.“

Inhalt der Sicherheitskampagne auf www.oebb.at/sicherheit.

Der tödliche Unfall am Mittwoch auf dem Bahnübergang.  VN/HB
Der tödliche Unfall am Mittwoch auf dem Bahnübergang. VN/HB