Auferstehung: Ein neuer Frühling für unser Leben

Vorarlberg / 18.04.2014 • 18:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto: fotolia
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Wie freuen wir uns über diese herrlichen Frühlingstage, dass die Sonne wieder viel länger unsern Tag erhellt, dass die lebendigen und frischen Farben die Landschaft bestimmen. Neue Lebensfreude zieht in unser Inneres ein. Das ist der Rahmen für unser Osterfest, das Fest der Auferstehung.

Licht ins Dunkel tragen

Wie spannend ist doch jede Osternachtfeier, wenn in das Dunkel eines Kirchenraumes das Licht einzieht und zum Gesang wird. In dem Raum versammeln sich mit den vielen Feiernden auch Erwartungen. Manche können schon gar nicht mehr glauben, dass Licht ins Leben kommt, sie sind schon zu müde und enttäuscht. Andere freuen sich noch immer. Allen wird Licht und Anfang verheißen, wie es seit Beginn der Schöpfung schon da ist. Dieses Licht, das an alle Wartenden weitergegeben wird, kann so in den Alltag hineinleuchten. Worte von Anton Rotzetter werden täglich wahr:

Wer heute einem traurigen Menschen

Tränen trocknen hilft

und neuen Mut zuspricht,

der ist ein österlicher Mensch.

Wer einem einsamen Menschen sagt,

vielleicht bloß schweigend,

aber durch das ganze Dasein,

dass er nicht alleine ist,

der steht auf der Seite des Lebens.

Wer heute ein Lachen auf die Lippen

und ein Strahlen in die Augen zaubert,

der kettet diesen Menschen vom Tode los

und setzt ihn dem Leben aus.

Wer eine Blume auf den Tisch stellt,

ein mundendes Essen kocht

und ein Lied singt,

der ist mit der Macht des Lebens verbunden,

die von Jesus ausgeht.

Ostern heißt, dem Klang der Osterglocke lauschen

Die Osterglocken haben eine besondere Botschaft, vielleicht auch eine besondere Wirkung. Sie halten Faust nach einer langen Nacht des Verzweifelns vom Selbstmord ab. Eine Passage aus der 1983 erschienenen Erzählung „Der Chinese des Schmerzes“ von Peter Handke erzählt davon, wie sich „Wandlung“ durch Osterglocken ereignen kann: „Endlich erdröhnte in der Ferne die Domglocke. Dort vollzog sich das Ritual der Wandlung: des Brotes in den Leib, des Weines in das Blut. Die Glocke wummerte zweimal hintereinander, jedes Mal nur ganz kurz. Aber das war, als finge ein stehengebliebenes Herz wieder zu schlagen an.“ Der Glockenschlag wird zu einem neuen Herzschlag, zum Zeichen für den Beginn eines neuen Lebens. Die Botschaft dieser Osterglocken ist uns allen geschenkt.

Der Liebe Raum schenken

Frühmorgens, als es noch dunkel war, stand Maria von Magdala auf, um den zu suchen, den ihre Seele liebt. Weil sie ihn liebt, zerbricht sie die Flasche mit dem kostbaren Öl, um den wertvollen Duft an den Toten zu verschenken. Da spürt sie seine Liebe, die im Tod nicht zerbrochen ist wie diese Flasche mit dem kostbaren Öl. Auch wenn er am Kreuz zerbrochen ist, er ist immer noch da. Sie hört ihn seinen Namen sprechen, sie möchte ihn festhalten, aber dass er lebt ist unfassbar. Er ist nicht zu fassen, aber er umfängt sie und uns alle mit seiner Liebe. Auferstehung ist eine nicht endende Liebesgeschichte zwischen Gott und den Menschen. Auferstehung heißt, dass die Liebe stärker ist als der Tod.

Die Erfahrung einer solchen Auferstehung wünsche ich allen.

Rudolf Bischof, Generalvikar, Dompfarrer, Feldkirch
Rudolf Bischof, Generalvikar, Dompfarrer, Feldkirch