Öffentliches ,,Vollgeld“

Vorarlberg / 04.05.2014 • 18:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zuletzt argumentierte ich an dieser Stelle, dass Geld ein zentrales Element der Infrastruktur der Wirtschaft und Gesellschaft ist und deshalb zu einem öffentlichen Gut werden sollte. Eine entsprechende Vollgeld-Reform wird seit Jahren rund um Professor Joseph Huber von der Universität Halle entwickelt. Die Proponenten des Vollgeldes, in der Schweiz bereits als Bürgerinitiative organisiert, erwarten sich eine Reihe von Vorteilen:

1. Geld kommt schuld- und zinsfrei in Umlauf: Neues Geld wird nicht von Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe „erschaffen“ und auch nicht primär als Kredit von der Zentralbank an die Geschäftsbanken ausgegeben, sondern von der Zentralbank direkt in den Staatshaushalt eingespeist, was den Abbau von Schulden, die Senkung von Steuern oder zusätzliche Staatsausgaben erlaubt.

2. Der Geldschöpfungsgewinn kommt der Allgemeinheit zugute: Derzeit machen die Geschäftsbanken mit der Geldschöpfungspraxis hohe Zusatzgewinne. Im Vollgeld-Regime würden der Allgemeinhheit jährlich je Prozent BIP-Wachstum 1,5 Milliarden Euro Seignorage zufließen.

3. Trennung von Geld und Kredit: Wenn die Geld- und Kreditinfrastruktur getrennt werden, erhöht sich die Systemstabilität. Das Geld auf Girokonten wäre ausfallsicher, weil die Girokonten aus den Bankbilanzen ausgegliedert würden. Bank-Runs würden weniger wahrscheinlich. In die Bankbilanz gingen nur noch Sparanlagen ein, welche die Kredite finanzieren. Die Bank würde damit dem Bild entsprechen, das viele Menschen heute von Banken haben.

4. Effektive Geldmengensteuerung: Da die Banken die Geldmenge nicht verändern können, erhält die Zentralbank die alleinige Steuerungshoheit über Geldmenge und, damit verbunden, teilweise auch über die (Finanz-)Inflation. Zur Verhinderung von Finanzblasen bedarf das Vollgeld allerdings einer ergänzenden Kreditsteuerung: Finanzkredite sollten vollständig verboten werden.

5. Effektivere Konjunktursteuerung: In der Rezession kann die Zentralbank die Geldmenge stärker erhöhen als die Wirtschaft wächst. Das wäre neben der kontrazyklischen Fiskalpolitik auch eine kontrazyklische Geldpolitik. Derzeit ist die Geldpolitik tendenziell prozyklisch bzw. bleiben die kontrazyklischen Interventionen („Dicke Berta“) wirkungslos, weil es keine verlässliche Übersetzung von Krediten der Zentralbank an die Geschäftsbanken in Kredite an die Realwirtschaft – und damit in nachfragewirksame Einkommen gibt. Fließt das Geld an den Staat, wird es sofort nachfragewirksam und lindert die Rezession und schützt vor Deflation.

6. Hoher Umstellungsgewinn: Im Zuge der Umstellung werden die Bilanzen der Geschäftsbanken verkürzt: Die Sichteinlagen werden auf Geldkonten ausgelagert, die Ausgabe dieses „Vollgeldes“ erscheint in der Zentralbankbilanz auf der Verbindlichkeitsseite, gleich wie Bargeld. Auf der Aktivseite könnten nicht rückzahlbare Kredite an den Staat vergeben werden – im Ausmaß der heutigen Giralgeldmenge. Das wären rund 80% der Staatsschulden. Um diesen Betrag könnten diese gesenkt werden.

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Der Salzburger Christian Felber ist freier Publizist und Autor,
der die Idee der Gemeinwohl-Wirtschaft vertritt.