AKW wird nicht abgeschaltet

Vorarlberg / 18.05.2014 • 21:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Kernkraftwerk Mühleberg bleibt weiter am Netz. Der Protest scheiterte. Foto: Reuters
Das Kernkraftwerk Mühleberg bleibt weiter am Netz. Der Protest scheiterte. Foto: Reuters

Kanton Bern hat die Initiative „Mühleberg vom Netz“ mit Pauken und Trompeten durchfallen lassen.

Bern. (VN-tm) Die Initiative „Mühleberg vom Netz“ im Schweizer Kanton Bern blieb chancenlos: Berner Bürger hatten die sofortige Abschaltung des mehr als 40 Jahre alten Atomkraftwerks vor ihrer Haustür verlangt. Fast 64 Prozent der Stimmberechtigten folgten indessen der Empfehlung der rot-grünen Kantonsregierung, Mühleberg noch bis 2019 weiterlaufen zu lassen. Der Stromkonzern BKW hatte im Fall einer Sofort-Abschaltung mit Schadenersatzklagen gedroht und den zu erwartenden Schaden mit einer halben Milliarde Franken (409 Millionen Euro) beziffert.

Deutlich durchgefallen

Am Montagnachmittag gab dann die Auszählung im Berner Jura die Marschrichtung vor: Im ersten von zehn Verwaltungskreisen wurde die Mühleberg-Vorlage mit 61 Prozent Nein abgelehnt. Die restlichen Bezirke überboten sich förmlich, bis hin zum Obersimmental mit 80,6 Prozent Ablehnung. Insgesamt stieß die Initiative auf wenig Resonanz. Nur jeder zweite Stimmberechigte nahm an der Abstimmung teil.

Wie geht es nun weiter? Bis 2019 will die Betreiberfirma BKW noch einmal 200 Millionen Franken in das betagte Kernkraftwerk stecken. Nach Ansicht des österreichischen Nuklearexperten Andreas Molin ist das ein bescheidener Betrag, der nicht ausreichen wird, um dringende Sicherheitsprobleme zu lösen.

Vorarlberg kämpft auch deshalb politisch und vor Gericht seit Jahren gegen Mühleberg, weil u. a. Fragen der Erdbebensicherheit bis heute unbeantwortet blieben. Der rissige Kernmantel sollte längst saniert und befestigt werden. Das Atomkraftwerk wird bis heute nur durch ­Aarewasser gekühlt. Auch das ist ein alter Kritikpunkt.

Das Land Vorarlberg und das zuständige Ministerium in Wien wollen sich in dem zähen Prozess genau anschauen, welches Nachrüstprogramm der Energiekonzern BKW auf den Tisch legen wird. Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatten die VN im Mai 2011 über 90.000 Unterschriften gegen Atomkraftwerke gesammelt.

Sehr lange Laufzeiten

Das Kernkraftwerk Mühleberg ist seit 1972 am Netz und das drittälteste Kernkraftwerk der Eidgenossenschaft – nach jenen von Beznau I (1969) und Beznau II (1971). Der Siedewasser-Reaktor gehört zu den Atomkraftwerken mit den weltweit längsten Laufzeiten. Derzeit produziert Mühleberg rund fünf Prozent des gesamten Schweizer Strombedarfs. Laut BKW-Chefin Suzanne Thoma verdient der Konzern damit jährlich 120 Millionen Franken. AKW-Gegner bezweifeln das. Dass dem Kernkraftwerk 2019 tatsächlich der Stecker gezogen wird, glauben sie nicht. Die Absichtserklärung der Betreiberfirma BKW sei rechtlich unverbindlich.