Nachhilfe belastet Familien

Vorarlberg / 21.05.2014 • 16:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Bedarf an Nachhilfe ist auch in Vorarlberg ungebrochen hoch.
Der Bedarf an Nachhilfe ist auch in Vorarlberg ungebrochen hoch.

Situation für Schüler und Eltern weiter angespannt – AK fordert mehr Bildungs­gerechtigkeit.

Feldkirch. Wie die Arbeiterkammer Vorarlberg informiert, ist laut einer Eltern-Befragung des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) der Bedarf an Nachhilfe ungebrochen hoch. Rund ein Fünftel der Eltern gab demnach an, bezahlte Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Im Vergleich zum Vorjahr veränderte sich dieser Wert nicht.

Gestiegen ist indes die Inanspruchnahme unbezahlter Nachhilfe, weil viele Eltern sich schlichtweg keine bezahlte leisten können. „Mehr als die Hälfte der Eltern ist durch bezahlte Nachhilfe stark oder spürbar belastet“, zeigt Gerhard Ouschan, Leiter der AK-Bildungspolitik, auf. „Das ist bei den Kosten, die unser Schulsystem für den Steuerzahler sowieso schon verursacht, für mich nicht hinnehmbar.“ 17 Prozent der befragten Eltern bestätigten, dass ihnen von der Schule zur Nachhilfe für ihr Kind geraten wurde. Die Hälfte der Eltern befolgt diesen Rat, 37 Prozent davon mit bezahlter Nachhilfe. „Entweder für außerschulische Nachhilfe zahlen oder den Schulerfolg der Kinder riskieren – das darf nicht sein“, so Ouschan.

Unrühmlicher zweiter Platz

Im Land beläuft sich die Gesamtbelastung für Nachhilfe im aktuellen Schuljahr im Schnitt auf 753 Euro. Damit steht Vorarlberg nach Wien (920) Euro auf dem unrühmlichen zweiten Platz. „Wenn man bedenkt, dass 30 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen bis 1600 Euro von der Schule die Empfehlung erhalten, Nachhilfe zu organisieren, dann stellt das die Bildungsgerechtigkeit infrage und beinhaltet sozialpolitischen Sprengstoff“, sagt Ouschan weiter. Er fordert, den Ausbau der Ganztagsschulen unter strengen Qualitätskontrollen zu forcieren und die dafür vom Bund bereitgestellten finanziellen Mittel auch tatsächlich einzusetzen. Die Schulfinanzierung solle sich mehr an der sozialen Lage der Schüler orientieren. Es gebe in anderen Ländern genügend erfolgreiche Erfahrungen für eine indexbasierte Mittelverteilung.

Nachhilfe schon in der Volksschule

64 Prozent der Vorarlberger Eltern lernen laut der Befragung täglich oder mehrmals in der Woche mit ihren Kindern. In der Volksschule sind es gar 90 Prozent. 32 Prozent der Eltern haben in der Befragung bestätigt, dass mindestens eines ihrer Kinder externe Nachhilfe benötigt, ein Fünftel davon als bezahlte Nachhilfe. Bemerkenswert sind die Kosten für Nachhilfe schon in der Volksschule: Für vier Prozent der Volksschüler wird bereits bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen.

Nachhilfe im Land

» Insgesamt geben Eltern in Vorarlberg bis Ende des laufenden Schuljahres sechs Millionen Euro für Nachhilfe aus. Österreichweit sind es rund 109 Millionen Euro.

» Mathematik ist nach wie vor das Fach, für das am häufigsten Nachhilfe organisiert werden muss (66 Prozent) – das betrifft alle Schultypen.

» Drei Viertel der bezahlten „Nachhilfe-Fälle“ bringen laut Studie den erwünschten Erfolg.