“Sucht ist ein komplexes Phänomen”

Vorarlberg / 03.06.2014 • 21:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Suche nach ­Strategien für die Zukunft bei einer Fachtagung in
St. Arbogast.

götzis. Abstinenz oder zumindest kontrollierter Konsum? Legal oder illegal eingenommen? Die Suchtarbeit ist von vielen verschiedenen Fragen geprägt. Doch welches sind die richtigen Antworten darauf? Diese versuchte eine Fachtagung im Bildungshaus St. Arbogast zu geben, zu der die Stiftung Maria Ebene und die Caritas eingeladen hatten. Es galt, dem Motto gerecht zu werden und „Wege und Irrwege in der Suchtarbeit“ für einmal genauer auszuleuchten. Wie groß der Informationsbedarf ist, zeigte die enorme Teilnehmerzahl. Die Tagung war ausgebucht.

Gesund und glücklich zu sein, das sei in der Moderne fast schon zur Pflicht geworden, und wer dem nicht entspreche, zähle rasch zu den Verlierern, berichtete Dr. Helmut Zingerle, Leiter des Südtiroler Therapiezentrums Bad Bachgart. „Jahrelange therapeutische Erfahrungen haben gezeigt, dass das, was Suchtkranke suchen, ganz einfach zu beschreiben ist: nämlich in der Geborgenheit einer sinnvollen und verstehbaren Welt zu leben“, so Zingerle. Eine Suchttherapie, die ausschließlich auf die Substanzen und Beendigung dieser Sucht ziele, greife zu kurz. Dem pflichtete auch Prof. DDr. Ambros Uchtenhagen bei. „Sucht ist ein komplexes Phänomen, das nicht ausschließlich individuelle Ursachen hat“, erklärte der Schweizer Sozialpsychiater. Auch die Art, wie ein Mensch sein Leben und seine soziale Umgebung erfahre, könne in die Sucht führen.

Bereits vor 30 Jahren wurde in der Schweiz ein sogenanntes „Fixerstübli“ eingerichtet und damit im Bereich der Substitutionsbehandlung Pionierarbeit geleistet. Dr. Thilo Beck, Chefarzt eines Zentrums für Suchtmedizin in Zürich, verglich den Einsatz von retardierten Morphinpräparaten in verschiedenen Ländern.

Problematische Konsumphase

Auf diesbezügliche Erfahrungen in Vorarlberg nahm der Substitutionsarzt der Caritas, Dr. Herbert Mayrhofer, Bezug. Im Projekt „Intensive Cara Substitution“ würden vor allem jene Menschen erreicht, die sich in einer problematischen Konsumphase befänden und sich in bestehenden höherschwelligen Angeboten nicht halten könnten. 

Sucht hat nicht ausschließlich individuelle Ursachen.

Ambros Uchtenhagen

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