Dealer war verdeckter Ermittler

Vorarlberg / 04.06.2014 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Kokainverkauf im Nobelskiort Lech: Scheinkäufer muss persönlich vor Gericht aussagen.

Feldkirch. Die drei Serben sind 34 und 35 Jahre alt, der Jüngere hat mehrere Vorstrafen, die zwei 35-Jährigen haben noch nicht so viel auf dem Kerbholz. Zwei von den drei Männern wird vorgeworfen, dass sie einem verdeckten Ermittler rund ein halbes Kilo Kokain verkauften. Darüber hinaus sollen die beiden dem Mann ein weiteres Kilo Kokain angeboten haben. Tatort: Ein Lokal am Arlberg. Der Dritte im Bunde soll in der Lecher Bar Aufpasserdienste geleistet haben. Zur Übergabe des etwa halben Kilos steht der Lkw-Fahrer, sein Kumpel hat das Auto gelenkt und war auch im Lokal dabei. Was das Angebot eines weiteren Kilos betrifft, leugnen die Männer allerdings. „Wir hätten gar kein weiteres Kilo organisieren können“, so ihre Argumentation. Der angebliche Käufer habe nach mindestens einem Kilo nachgefragt, sie hätten diesbezüglich aber keinerlei Zusage gemacht und sich auch nicht bemüht, ein solches zu beschaffen.

Kostüm für die Sicherheit

Für ein Gramm Kokain sollten sie 60 Euro kassieren, so die Anweisung des angeblichen Großhändlers „Goran“. Weil es zu Verzögerungen kam, hätte man sich auf 29.000 Euro für ein halbes Kilo herunterhandeln lassen, so der Erstangeklagte. Wie die Geschichte mit dem weiteren Kilo Kokain verlief, konnte noch nicht geklärt werden.

Ermittler muss erscheinen

Der Bericht des Fahnders liegt vor, allerdings geht es hier um den genauen Wortlaut und allfällige Missverständnisse. Somit ist sein persönliches Erscheinen unverzichtbar. Der Mann, der die Drogenhändler in die Falle tappen ließ, muss also vor Gericht aussagen. Da er weiterhin unerkannt bleiben will, muss er bei seiner Zeugenaussage unkenntlich gemacht werden.

Perücke, Sonnenbrille, Schildkappe – alles ist erlaubt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Mimik erkennbar bleibt, sonst kann sich das Gericht keinen unmittelbaren Eindruck machen.

Geringstes Risiko

Dass Zeugen vermummt werden, ist äußerst selten. Zuletzt wurde im sogenannten „Ali-Baba-Prozess“ in Feldkirch vor über zehn Jahren Gebrauch von dieser Möglichkeit gemacht. Damals konnten zwei Zeugen einen überaus brutalen Räuber eines Überfalls auf ein Wettlokal eindeutig identifizieren. Beim damaligen Schwurgericht erschienen die zwei Männer, die trotz strengem Polizeischutz sichtlich Angst hatten, mit Clownperücke, Mütze und dunkler Brille. Der Prozess gegen die Drogendealer wird im Sommer fortgesetzt, ein genauer Termin ist noch nicht bekannt.

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