Kampf um Lustenaus ältestes Haus

Vorarlberg / 04.06.2014 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Ammannhaus interessiert viele Lustenauer. Kein Wunder, es ist das älteste Gebäude in der Marktgemeinde.  Foto: Lustenau  
Das Ammannhaus interessiert viele Lustenauer. Kein Wunder, es ist das älteste Gebäude in der Marktgemeinde. Foto: Lustenau  

Das Ammannhaus hat eine jahrhundertelange Geschichte. Hat es auch eine Zukunft?

Lustenau. Das Interesse war enorm. Bis auf den letzten Platz gefüllt war der große Sitzungsaal der Gemeinde Lustenau, als es Informationen über das älteste Haus der Kommune mit anschließender Diskussion gab. Letztlich dreht sich beim seit 1978 unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, das um 1650 herum gebaut wurde, alles um die entscheidende Frage: Abreißen oder stehen lassen, womöglich sogar sanieren?

Ein Stück Geschichte

Möglichkeiten, in irgendeiner Form zu reagieren, hat die Gemeinde erst jetzt, nachdem der Besitzer des Ammannhauses kürzlich verstarb. Unter keinen Umständen wollte der betagte Mann vorher das Haus verlassen. Die Erben sollen nun willens sein, das Haus zu verkaufen. Jedoch: Es ist in einem erbärmlichen Zustand. „Aber“, so sagt Gemeindehistoriker Wolfgang Scheffknecht, „das Ammannhaus ist ein Stück Lustenauer Identität. Es gibt nur noch drei seiner Art, die aus der Zeit des alten Reichshofs stammen. Es verkörpert mit seinen Anbauten auch den Übergang vom agrarischen zum gewerblichen Lustenau.“ Die Bezeichnung „Ammannhaus“ sei eigentlich irreführend, behauptet der Historiker. „Es hat dort geschichtlich bezeugt nur einmal ein Ammann (Anm.: frühere Bezeichnung für Bürgermeister) gewohnt. Das Gebäude ist ein Oberschichthaus, von denen es damals mehrere gab“, erklärt Wolfgang Scheffknecht. Heute ist das Objekt in sehr schlechtem Zustand. Allein die Sicherung des Bestands würde eine sechsstellige Summe verschlingen.

Lustenau und Botox

Dieser Umstand war schon Altbürgermeister Hans-Dieter Grabher zu Zeiten bewusst, als sich die Gemeinde bereits für das Objekt interessierte. „Es muss wohlüberlegt sein, was die Gemeinde in dieser Angelegenheit für eine Entscheidung trifft. Eine Sanierung kostet sehr viel Geld. Und vor allem muss klar sein, was danach mit dem Haus passieren soll.“
Eine besondere Beziehung zum Haus hat der Lustenauer Mundartkünstler Otto Hofer (74). „Ich habe vor vielen Jahren in diesem Haus beruflich verkehrt. Es wäre schön, würde man es erhalten. Lustenau wird baulich behandelt wie ein Mensch mit Botox. Man reißt alles schöne Alte ab und baut Neues hin. Und alles wird dann lahm.“
Jetzt ruft die Gemeinde zur Mithilfe für den Erhalt des Ammannhauses auf. Hilfswillige Bürger können sich bei Helmut Gassner (05577-8181-306) oder unter kulturreferat@lustenau.at melden.

Das Ammannhaus ist ein Stück Lustenauer Identität.

Wolfgang Scheffknecht

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