Neue Fachkräfte für die Pflege

09.06.2014 • 18:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Langzeitpflege hat großen Personalbedarf. Foto: VN/HB
Langzeitpflege hat großen Personalbedarf. Foto: VN/HB

Ein neues Berufsbild soll helfen, den hohen Mehrbedarf an Personal zu decken.

Bregenz. (VN-mm) Nicht nur Ärzte, auch Pflegepersonal braucht das Land. Und das nicht zu knapp. Laut einer von der Gesundheitsabteilung im Amt der Landesregierung in Auftrag gegebenen Bedarfserhebung sind bis 2030 im gehobenen Dienst von Akut- und Langzeitbereich mehr als 530 zusätzliche Mitarbeiter(inn)en erforderlich, bei den Pflegehilfen bzw. den Fachsozialbetreuern für Altenarbeit wurde ein Personalzusatzbedarf von rund 730 errechnet.

Das bedingt zwangsläufig auch mehr Ausbildungsplätze. Im gehobenen Pflegedienst liegt das prognostizierte Erfordernis bei 65 Ausbildungsplätzen pro Jahr, für den Bereich Pflegehilfe bei 24. Damit könne der in den Pflegeberufen anstehenden Pensionierungswelle und der demografischen Entwicklung der Bevölkerung Rechnung getragen werden, heißt es.

Gehobene Tätigkeiten

Die inzwischen an den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in Feldkirch, Bregenz und Rankweil begonnene Aufstockung der Ausbildungskapazitäten durch weitere Kurse und Klassen zeigt schon Wirkung, so Gesundheitslandesrat Christian Bernhard. Ab 2018 sei der personelle Mehrbedarf zu decken. Außerdem wird die geplante Neuausrichtung der Pflegeausbildung eine neue Berufsgruppe hervorbringen, nämlich jene der Pflegefachkraft. Sie ist zwischen Pflegehilfe und Diplompflege angesiedelt und soll unter anderem Tätigkeiten des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege eigenständig übernehmen können. Nach jahrelangen Diskussionen ist also die lange geforderte Bewegung in die Ausbildungsreform gekommen. Die Gesundheitsreferenten der Länder haben sich kürzlich einstimmig für eine bundesweit einheitliche Lösung ausgesprochen. Noch in diesem Monat wird vom Gesundheitsministerium ein entsprechender Gesetzesentwurf dazu erwartet.

Ausbildung an der FH

Die Ausbildung für den gehobenen Pflegedienst soll künftig an der Fachhochschule Vorarlberg erfolgen. Gespräche dazu sind laut Christian Bernhard bereits im Gange. Allerdings wird es eine Übergangslösung brauchen, und die sieht der Gesundheitslandesrat in einer Kooperation mit der FH Innsbruck. Vier Semester umfasst die Ausbildung zur Pflegefachkraft, wobei es noch gilt, Tätigkeitsbereiche und Aufgabengebiete klar zu definieren. Für Bernhard steht fest: „Die Leute sollen das, was sie tun können, auch tun dürfen.“ Vom Beruf der Pflegefachkraft erhofft er sich zudem, dass er das Manko der im Verhältnis geringen Anzahl von qualifizierten Mitarbeitern im gehobenen Dienst der Pflegeheime wettmachen kann. In der Bedarfserhebung wird nämlich auch kritisch angemerkt, dass junge Diplomkräfte oft zu schnell in eine Führungsverantwortung gedrängt werden und das zu Überforderung führt.

Mangel an Lehrkräften

Ebenso wird vor einer Abwanderung von Pflegefachkräften in die Schweiz gewarnt. Gründe für den Wechsel aus Sicht der Mitarbeiter sind eine bessere Bezahlung sowie gute Fortbildungsmöglichkeiten. Zudem besitzt die Altenpflege nach wie vor ein denkbar schlechtes Image. Was die Ausbildung betrifft, ergeht unter anderem die Empfehlung, akademische Abschlüsse zu ermöglichen und Anreize für Diplompersonal zu schaffen, um den in Vorarlberg bestehenden Mangel an geprüften Lehrkräften für Gesundheitsberufe zu verringern.

Gespräche mit der Fachhochschule sind bereits im Gange.

Christian Bernhard