Perspektiven schaffen

Vorarlberg / 09.06.2014 • 19:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Alevitischen Kulturzentrum diskutierten die Parteienvertreter über Perspektiven von Migrantenkindern. HB
Im Alevitischen Kulturzentrum diskutierten die Parteienvertreter über Perspektiven von Migrantenkindern. HB

Für eine hitzige und gut besuchte Diskussion sorgte einmal mehr das Thema Integration.

Weiler. (VN-daf) Ein ausländisch klingender Name oder gar ein Foto mit Kopftuch in der Bewerbung, und schon sinken die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch drastisch. Für viele der Jugendlichen, die sich dieser Tage im Alevitischen Kulturzentrum in Weiler versammelt hatten, ist das durchaus Alltag. Sie haben alle mit Vorurteilen und Hindernissen zu kämpfen, obwohl sie gut integriert, teilweise sogar besser als ihre Mitschüler sind und perfektes Deutsch sprechen.

Betreuungsangebote wichtig

Wie sich solche Benachteiligungen aus der Welt schaffen lassen und welche Perspektiven Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien offen stehen, war jetzt auch Thema einer Podiumsdiskussion. Einig waren sich die Vertreter der vier Landtagsparteien sowie der NEOS jedenfalls darin, dass gelungene Integration nicht erst bei der Suche nach einer Lehrstelle anfängt, sondern der Weg dazu bereits im Kleinkindalter geebnet werden muss. Dies könne man nur über entsprechende Betreuungsangebote erreichen.

Dennoch, die Wahlkampfstimmung ist spürbar. So ließ sich etwa Gabriele Sprickler-Falschlunger (SPÖ) einen Seitenhieb auf ihre politischen Gegner nicht nehmen. „FPÖ und ÖVP haben sich damals gegen entsprechende Betreuungsangebote gewehrt“, macht sie klar. Auch Gerald Loacker (NEOS) betont die Wichtigkeit eines flächendeckenden Ganztagsangebots, gerade auch für berufstätige Frauen.

ÖVP-Vertreter Matthias Kucera sieht zwar ebenfalls Bedarf, dieser sei jedoch von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich und müsse dementsprechend behandelt werden. Außerdem sei es wichtig, die Eltern einzubeziehen und ihnen den Wert einer guten Bildung zu vermitteln. Für Vahide Aydin von den Grünen sind hier auch die Kosten ein wichtiger Faktor. Viele Migrantenfamilien würden ihre Kinder nur deshalb nicht in solche Einrichtungen schicken, weil ihnen schlichtweg das Geld dazu fehle.

Objektiver Aufnahmetest

Für mehr Gerechtigkeit auch in der späteren Schullaufbahn wollte wohl der ehemalige ORF-Moderator Christoph Waibel sorgen, der seine Premiere als FPÖ-Integrationsbeauftragter feierte. „Man könnte einen einheitlichen Aufnahmetest durchführen, welche Begabung ein Kind nach der vierten Klasse Volksschule hat“, meinte er bei der Podiumsdiskussion. Mit diesem Ansinnen stößt er indes auf massiven Widerstand bei den anderen Parteien.

Innerhalb der FPÖ, deren Parteilinie klar Richtung Gemeinsame Schule geht, wird zudem Waibels Fürspruch für das Gymnasium wohl noch für Zündstoff sorgen.

Anders gingen SPÖ und Grüne dieses Problem an, die sich klar für die gemeinsame Schule aussprachen. Etwas zögerlich war hingegen Kucera, der erst die Ergebnisse des Vorarlberger Forschungsprojekts abwarten wollte.

Im Alevitischen Kulturzentrum diskutierten die Parteienvertreter über Perspektiven von Migrantenkindern.  HB
Im Alevitischen Kulturzentrum diskutierten die Parteienvertreter über Perspektiven von Migrantenkindern. HB

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