Schiffstaufe Fußach: VN digitalisieren Ihre Filme

Vorarlberg / 10.06.2014 • 18:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine der seltenen Farbaufnahmen von der Nottaufe der „Vorarlberg“ in der Fußacher Werft am 21. November 1964. Foto: VN-Archiv

Eine der seltenen Farbaufnahmen von der Nottaufe der „Vorarlberg“ in der Fußacher Werft am 21. November 1964. Foto: VN-Archiv

Zur Erinnerung an den Bürgerprotest im November 1964 entsteht eine eigene DVD.

Schwarzach. (VN-tm) Aus heutiger Sicht war es eine Mischung aus Volksaufstand und Happening: Als eine hochrangige Delegation aus Wien mit Verkehrsminister Otto Probst an der Spitze am 21. November 1964 nach Vorarlberg reiste, um den neuesten Stolz der Bodensee-Flotte auf den Namen “Karl Renner” zu taufen, empfingen sie faule Tomaten und Schmährufe einer vieltausendköpfigen Menschenmenge. Die Festgäste suchten das für solche Fälle stets bereite Trachtenpärchen mit Blumenstrauß vergeblich. Als die illustre Gesellschaft Fußach erreichte, trampelten Demonstranten den Absperrzaun nieder und brachten das Werftgelände in ihre Gewalt. Eine Handvoll Gendarmen blieb angesichts des Volkszorns ohnmächtig.

Die Gäste aus Wien aber wurden kurzerhand auf das Motorschiff “Österreich” in Sicherheit gebracht. Von dort aus verfolgten sie nun ungläubig staunend, wie das große neue Schiff von einer tobenden Menge auf den Namen “Vorarlberg” getauft wurde. Nicht Kampflieder erklangen dabei, sondern die Vorarlberger Landeshymne.

Filme gesucht

Viele Vorarlberger Familien haben noch vergilbte Fotos dieser aufregenden Stunden zu Hause. Manche verfügen sogar über altes Filmmaterial. Falls Sie noch z. B. alte Super-8- oder Doppel-8-Filme von den Ereignissen aufbewahren, dann bringen Sie ihre Schätze bitte zu Russmedia nach Schwarzach. Die VN sorgen dafür, dass Ihre Aufnahmen gratis digitalisiert werden. Damit belohnen wir Ihre Mühe. Und vielleicht werden Ihre Filmaufnahmen Bestandteil jener DVD, die im Jubiläumsjahr von uns gestaltet wird.

Wenn sich heuer diese Schiffstaufe zum 50. Mal jährt, wollen die VN dem Ereignis auf vielfache Weise Rechnung tragen. Das hat seinen Grund: Die Fußach-Affäre wäre ohne die VN nicht ins Rollen gekommen. Mit feinem Gespür schätzten der damalige Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten, DDr. Anton Ruß, und Dr. Franz Ortner den Volkszorn richtig ein und machten die VN zum Sprachrohr der Empörung. Das neue Schiff war der Anlass, den Grund für den emotionalen Dampfkochtopf, der da hoch ging, bringt der Föderalismusexperte Dr. Peter Bussjäger in einem einzigen Satz auf den Punkt: “Die Leute hatten einfach genug davon, sich von Bonzen regieren zu lassen.” So entstand der erste erfolgreiche Bürgerprotest in Vorarlberg. Und Bussjäger weiter: “Wer weiß, ob es den erfolgreichen Widerstand gegen das Atomkraftwerk Rüthi, ja vielleicht sogar den in der Hainburger Au 1984, ohne die Schiffstaufe gegeben hätte?”

Hastig überpinselt, muss der Name „Karl Renner“ weichen.  

Hastig überpinselt, muss der Name „Karl Renner“ weichen.  

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