Warum die Alpwirtschaft für das Land so wichtig ist

Vorarlberg / 11.06.2014 • 20:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Alltag ist oft weniger idyllisch, als Fotos es vermuten lassen: Die Arbeit ist herausfordernd und anstrengend. Foto: L. Berchtold
Der Alltag ist oft weniger idyllisch, als Fotos es vermuten lassen: Die Arbeit ist herausfordernd und anstrengend. Foto: L. Berchtold

Die Alpsaison ist gestartet. 41.000 Tiere werden in den Bergen gesömmert.

Schwarzach. Die meisten Tiere sind schon auf den Bergwiesen. Dabei stand die heurige Alpsaison lange Zeit unter keinem guten Stern. Aus Sorge um eine TBC-Ansteckung der Rinder auf den Ländle-Alpen haben Schweizer und Liechtensteiner Behörden ihren Bauern davon abgeraten, Tiere zum Sömmern nach Vorarlberg zu bringen.

Einzelnen Alpen drohte damit zumindest für heuer das Aus. Dass es dazu aber nicht kam, ist den heimischen Landwirten zu verdanken. „Mit ihrem Engagement und zusätzlichem Vieh aus Deutschland haben wir genug Tiere zur Beweidung der Alpen“, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger.

Und eine flächendeckende Alpbewirtschaftung ist unverzichtbar. „Die Flächen würden sonst verwachsen und verbuschen“, so Moosbrugger. Und sie würden instabil und damit anfälliger für Naturgefahren. Es sei ein hohes Gut für das Land und ein unverzichtbarer Wert. Speziell im Sommer profitiert auch der Tourismus stark von der Arbeit der heimischen Älpler. Ein VN-Datenreport bringt alle Zahlen und Fakten zum Alpsommer 2014 in Vorarlberg auf den Tisch.

50.000 Hektar Alpweide werden in Vorarlberg genutzt und gepflegt. Das ist fast ein Fünftel der gesamten Landesfläche (rund 260.000 Hektar).

525 bewirtschaftete Alpen gibt es in Vorarlberg. Davon wiederum sind 140 reine Melkalpen, 167 sind gemischt bewirtschaftete Alpen (Kühe und Jungvieh) und 218 sind reine Jungvieh-Alpen.

135 Sennalpen gibt es im Land. Hier werden Käse, Butter und andere Milchprodukte direkt vor Ort erzeugt. Von 172 Alpen wird die Milch zur Verarbeitung ins Tal gebracht.

1000 Älpler sind auf den heimischen Alpen beschäftigt. Davon sind, so Daten der Landwirtschaftskammer, 600 Familienmitglieder der landwirtschaftlichen Betriebe. 400 sind demnach Dienstnehmer. „Wir haben eine sehr konstante Entwicklung in der Alpbewirtschaftung“, sagt Josef Moosbrugger. Er sei froh, dass Bauern trotz der nicht einfachen Situation so zur Alpwirtschaft stehen. Bei der Problematik um die Alpflächenbemessung oder der Sorge um eine TBC-Ansteckung sei dies keine Selbstverständlichkeit. Trotz der sehr strengen und herausfordernden Tätigkeit interessieren sich auch viele Junge für die Arbeit auf den Alpen, so der Kammer-Präsident.

41.000 Stück Vieh werden heuer auf den Vorarlberger Alpen gesömmert. Davon sind 9000 Milchkühe, 2200 Mutterkühe und 24.400 Jungvieh.

1200 Tiere aus Liechtenstein und der Schweiz fehlen heuer. Grund dafür ist die Sorge um eine Ansteckung der Tiere mit TBC. Die Behörden in den beiden Ländern haben ihren Landwirten empfohlen, die Tiere im eigenen Land zu sömmern. Der Ausfall konnte allerdings, so Moosbrugger, größtenteils kompensiert werden. Mehr gealpte Rinder aus Vorarlberger Beständen und zusätzliche Tiere aus Deutschland haben die Situation einigermaßen entspannt. In einzelnen Regionen, wie etwa dem Arlberg, dem Silbertal oder dem Montafon gibt es heuer aber in Summe weniger Tiere auf den Alpen als im Vorjahr. „Trotzdem können die Alpen mehr oder weniger gut bestoßen werden“, so Moosbrugger.

3500 Schafe, 1000 Pferde und 900 Ziegen sorgen für ein abwechslungsreiches Bild auf den Alpwiesen des Landes. Dazu kommen noch 750 Alpschweine auf 30 Melkalpen, an die zur Veredelung ihres Fleisches die anfallende Molke aus der Käseerzeugung verfüttert wird.

460 Tonnen Alpkäse bzw. auf 13 Alpen im Montafon die regionale Spezialität „Sura Kees“ werden in der heurigen Saison auf den Sennalpen des Landes erzeugt. „Die Alpwirtschaft ist somit ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Landwirtschaft“, sagt Moosbrugger.

Ohne Alpwirtschaft würden Flächen verwachsen und verbuschen.

Josef Moosbrugger

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