„Als Gemeindechef bin ich Vollprofi“

Vorarlberg / 12.06.2014 • 19:33 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
„Profi-Fußballer zu sein und im Happel-Stadion einzulaufen, war immer mein Bubentraum“: Gemeindechef Maierhofer im VN-Gespräch.
„Profi-Fußballer zu sein und im Happel-Stadion einzulaufen, war immer mein Bubentraum“: Gemeindechef Maierhofer im VN-Gespräch.

Gehalt, Parteipolitik und Wiederkandidatur: Bürgermeister Maierhofer im VN-Gespräch.

Koblach. (VN) Am Kummenberg wird das Teamwork zwischen den Kommunen Götzis, Altach, Mäder und Koblach seit Langem groß geschrieben. Auch im Rathaus von Koblach hat sich Langzeit-Bürgermeister Fritz Maierhofer die Zusammenarbeit auf die Fahnen geheftet. Maierhofers Liste „Gemeinsam für Koblach“ besitzt im Gemeindeparlament mit 18 Sitzen die Absolute. SPÖ und Parteifreie sind mit vier und die Freiheitlichen mit zwei Mandataren vertreten.

Herr Bürgermeister, wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Maierhofer: Ich bin seit 34 Jahren Bürgermeister und nach dieser langen Zeit Vollprofi. Mir bereitet das Arbeiten mit Menschen viel Spaß. Meine Stärken als einstiger Lehrer liegen bestimmt im Bereich der Kommunikation. Jeder von uns hat seine Schwächen. Bei mir ist es die Ungeduld. In der Politik dauert vieles zu lange. Ich habe noch mehr Schwächen, aber die erzähle ich Ihnen unter vier Augen.

Wenn Sie es sich aussuchen könnten, was wären Sie lieber: Literaturnobelpreisträger, Spitzensportler oder Rocksänger?

Maierhofer: Wer mich kennt, der weiß, dass ich seit Kindertagen Fußball spiele. Heute, mit fast sechzig Jahren, spiele ich beim FC Politik und bin darüber hinaus sogar Teil der Nationalmannschaft der Bürgermeister. Mein Buben-Traum war immer, Profi-Fußballer zu sein und ins Ernst-Happel-Stadion einlaufen zu können.

Sie gelten nicht nur als Dorfkaiser, sondern auch als „Aufsichtsbeschwerden-Kaiser“ im Bezirk. Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

maierhofer: Ich bin immer für den gemeinsamen Weg. Alle, die sich für Koblach einsetzen, sind also für mich gute Partner. Ich bin kein Parteimensch und würde auf der Gemeindeebene auch keine Parteien brauchen. Es gibt aber einzelne Leute, die aus parteipolitischen Gründen manchmal Mittel wie Aufsichtsbeschwerden anwenden. Dabei geht es aber nie um Koblach, sondern immer um private Kleinkriege, persönliche Befindlichkeiten oder politisches Kleingeld. Es ist auch nie etwas herausgekommen bei diesen Beschwerden. Wir haben eine Unkultur in diesem Land: Wenn man jemanden mit Dreck bewirft, bleibt etwas hängen. Mein Führungsstil ist sehr strukturiert, aber kommunikativ.

Zu einem Sachthema: Der Bau des neuen Zentrums DorfMitte, in dem wir gerade sitzen, hat acht Millionen Euro verschlungen und soll zu einer Verdreifachung der Pro-Kopf-Schulden geführt haben. War die Fremdfinanzierung über Schweizer Franken der richtige Weg?

Maierhofer: Von einer Verdreifachung zu sprechen, ist völliger Schwachsinn. Die Entscheidung, das Zentrum zu errichten, war im Hinblick auf die Entwicklung und das zum Teil zweistellige Bevölkerungswachstum von Koblach goldrichtig. Ein Teil des Darlehens wurde über Schweizer Franken finanziert. Aus damaliger Sicht war der Fremdwährungskredit richtig. Jetzt werden wir das Ganze über unser Schuldenmanagement im Auge behalten und zum richtigen Zeitpunkt da und dort umschulden. Wir zählen aber immer noch zu jenen Gemeinden, die eine unterdurchschnittliche Verschuldung aufweisen. In diesem Bereich können sich einige andere Kommunen ein Beispiel an uns nehmen.

Koblach wies bei den EU-Wahlen bezirksweit die niedrigste Wahlbeteiligung auf, und die Grünen lagen weit vor Ihrer Volkspartei. Was tun Sie gegen diese Politikverdrossenheit und diesen Trend?

Maierhofer: Ich schäme mich für die Politik, die derzeit auf der Bundesebene betrieben wird. Wenn ich diese unprofessionelle Performance sehe, stellt es mir alle Haare auf, und ich wundere mich nicht über dieses Ausmaß an Politikverdrossenheit. Es gibt ein großes Protestpotenzial, auch in Koblach. Wir dürfen die Menschen in den Gemeinden aber nicht für dumm verkaufen. Sie können sehr wohl unterscheiden zwischen Werner Faymann und Michael Spindelegger oder Markus Wallner und Fritz Maierhofer. Dieser Frust ist nicht gegen Gemeinden gerichtet. Die größte Vertrauensbasis in die Politik stellt laut einer Umfrage immer noch die Gemeinde dar.

Sind Sie mit Ihrem Einkommen zufrieden und wie viel bleibt Ihnen pro Monat?

Maierhofer: Den Job eines Bürgermeisters muss man mögen und ich mag meine Arbeit. Ich will nicht jammern, aber ich absolviere bis zu 80 Wochenstunden, das muss man auf Dauer physisch und psychisch aushalten können. Es ist nicht die Höhe der Bezahlung, die das Bürgermeister-Sein ausmacht. Ich habe größten Respekt vor Kollegen in Kleingemeinden, die zu wenig verdienen. Mein Gehalt wurde beschlossen, ist öffentlich und für alle nachzulesen. Nennen werde ich die Höhe nicht.

Werden Sie bei den nächsten Gemeindewahlen nochmals kandidieren?

Maierhofer: Wenn mir der Herrgott weiter Gesundheit schenkt, werde ich antreten.

Für die derzeitige Bundespolitik schäme ich mich.

Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
„Profi-Fußballer zu sein und im Happel-Stadion einzulaufen, war immer mein Bubentraum“: Gemeindchef Maierhofer im VN-Gespräch.
„Profi-Fußballer zu sein und im Happel-Stadion einzulaufen, war immer mein Bubentraum“: Gemeindchef Maierhofer im VN-Gespräch.
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer
Bürgermeister-Gespräch: Fritz Maierhofer

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: Nicht notwendig, wenn man gute Ideen umsetzen will

Freunderlwirtschaft: Wer mich kennt, der weiß, dass es das für mich nicht gibt

Lebensglück: Zeit für sich selbst und Menschen, die einem etwas bedeuten, Zeit schenken

Politikverdrossenheit: Wundert mich bei dieser Mittelmäßigkeit nicht

Parteifreund: Ich suche mir meine Freunde selbst aus

Freizeit: Bei meiner Anzahl an Wochenstunden kommt sie viel zu kurz

Erstwähler: Sind sehr wichtig und müssen direkt angesprochen werden

Lebensqualität: In Koblach wohnen zu dürfen

Netzwerke: Netzwerke helfen, Dinge zu verändern

Lebensabend: Vielleicht im Haus Koblach

Zahlen zu Koblach

» Gemeindegröße: 10,24 km2

» Einwohnerzahl: 4581

» Jahresbudget: 9.2 Millionen Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung:
1732 Euro

» Gewerbebetriebe: 140

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