„Baroness Münchhausen“ zog und log von Haus zu Haus

Vorarlberg / 12.06.2014 • 22:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Krach mit dem Kindesvater, sehr betrunken und noch mehr pleite: Mutter ging betteln.

Dornbirn. Ganz im Gegensatz zu ihrem Vorstrafenregister war die Beschuldigte selbst eine zierliche Erscheinung. Immer und immer wieder waren es Betrügereien, die die 28-jährige Mutter in den Konflikt mit der Justiz brachten. Einmal hatte sie gar eine teilbedingte Strafe von 14 Monaten absitzen müssen.

Gestern stand für sie ein Termin mit Richter Frank Plasinger am Bezirksgericht Dornbirn auf dem Vormittagsprogramm. Vorwürfe: Betrug, versuchter Betrug und Diebstahl. Die Vorgeschichte: Es knisterte im gemeinsamen Haushalt. „Ich habe mich mit dem Kindesvater gestritten“, erinnerte sie sich, „und war total besoffen. Dann bin ich abgehauen.“

„Kein Geld, keine Zigaretten“

Ihr Weg führte sie zunächst zum Grab ihres Bruders. „Mit ihm konnte ich am besten reden“, wie sie begründete. Dann fuhr sie mit dem Zug nach nirgendwo. Dabei soll sie ein Handy geklaut haben. Schließlich kam die bittere Erkenntnis: „Ich hatte kein Geld, keine Zigaretten und nichts zu essen.“ Sie zog von Haus zu Haus. Klingelte und konfrontierte wildfremde Leute mit ihrem tristen Schicksal und hätte dabei einer „Baroness Münchhausen“ alle Ehre gemacht.

Denn um Spenden bittend, tischte sie dabei ein fantasiereiches Lügengebilde auf, das schon bald jeden Zusammenhalt verlor. Ein Zeuge gab etwa zu Protokoll, dass die 28-Jährige angegeben habe, „von ihrer Mutter aus dem Haus geworfen worden zu sein“. So erbettelte sie hier fünf Euro und weitere (unbekannte) Geldbeträge dort.

„Ich habe doch nichts hergelogen!“, entsetzte sie sich gestern vor Gericht, „und meine Mutter würde ich schon gar nicht in sowas hineinziehen“. Dann der angebliche Handy-Diebstahl im Zug. Sie stritt ihn vehement ab. Es gab zwar eine aufgezeichnete Videoüberwachung der Szene im Zug, doch reichte die Bildqualität dem Gericht nicht für eine sichere Identifizierung der Beschuldigten aus.

Die Frage nach dem Warum

Bei dem später irgendwo aufgetauchten I-Phone soll ein selbst fotografiertes Konterfei von ihr gesehen worden sein. Das brachte die Angeklagte nun endgültig in Rage. „Ich habe früher schon einige Handys geklaut und war noch nie so blöd, mich selbst damit zu fotografieren! Warum sollte ich das tun?“

„Tja, die Frage nach dem Warum stellt sich in diesem Verhandlungssaal sehr oft“, warf Richter Plasinger süffisant lächelnd ein. Keine Frage stellte sich für ihn allerdings bezüglich des Betrugsvorwurfs. Er sprach die Mutter schuldig und verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je vier Euro, also insgesamt 560 Euro. In der Sache mit dem I-Phone sprach er sie frei. „Kein ausreichender Schuldbeweis“, wie Plasinger begründete. Mit einem herzlichen „Danke vielmals“ nahm die 28-Jährige die richterliche Entscheidung an.

Die Frage nach dem Warum stellt sich in diesem Verhandlungssaal sehr oft.

Richter Frank Plasinger

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