„Rauchverbot wäre hilfreich“

12.06.2014 • 18:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit der richtigen Unterstützung können auch starke Raucher den Weg aus der Nikotinsucht schaffen, meinen Fachleute. Foto: VN/Paulitsch
Mit der richtigen Unterstützung können auch starke Raucher den Weg aus der Nikotinsucht schaffen, meinen Fachleute. Foto: VN/Paulitsch

Stationärer Nikotinentzug mit hohen Erfolgsraten. Angebot auch in Frastanz gefragt.

Frastanz. (VN-mm) Seit knapp einem Jahr bietet das Suchtkrankenhaus Maria Ebene in Frastanz auch eine stationäre Raucherentwöhnung an, gedacht in erster Linie für schwer nikotinabhängige Menschen. Die Botschaft ist längst schon angekommen. „Wir können uns vor Anfragen kaum retten“, bestätigt Chefarzt Primar Reinhard Haller. Drei Wochen können die Entwöhnungswilligen bleiben, dann die ambulante Betreuung in Anspruch nehmen. Das von der Vorarlberger Gebietskrankenkasse finanzierte und auf zwei Jahre ausgerichtete Projekt ist vorerst auf jährlich 20 Fälle beschränkt. Danach soll über die Weiterführung entschieden werden. Für Haller steht jetzt bereits fest: „Die stationäre Raucherentwöhnung muss österreichweit ausgebaut werden.“

Während das Suchtkrankenhaus Maria Ebene diesbezüglich noch Erfahrungen sammelt, kann die Schweiz bereits auf gute Erfolge verweisen. Seit 17 Jahren gibt es in der Klinik Barmelweid eine stationäre Begleitung beim Rauchstopp für Patienten, die sich im Rehabilitations-Programm des Krankenhauses befinden. Susann Koalick, die Leiterin der Nikotinberatung, hat, was den Erfolg der stationären Hilfe betrifft, gute Nachrichten für Reinhard Haller. „Nach drei Jahren waren immer noch 50 Prozent der Patienten rauchfrei“, konnte sie bei einem Vernetzungstreffen von Fachleuten aus der Suchtberatung mitteilen. Haller lobend: „Das ist ein sehr guter Wert.“

Langzeitbegleitung

Einig waren sich die beiden Experten, dass ein stationärer Nikotinentzug allein nicht reicht. Es brauche eine Langzeitbegleitung. „Die ambulante Behandlung ist als Nachbetreuung enorm wichtig“, so Susann Koalick. Denn das dabei aufgebaute Vertrauen bewirke, dass sich die Leute bei einem Rückfall wieder melden. Es sei deshalb vorteilhaft, wenn eine Einrichtung beides anbieten könne. In der Klinik Barmelweid werden jährlich mehr als 200 starke Raucher stationär betreut. Koalick bedauert, dass diese Patienten immer noch eine Diagnose benötigen. Die Kosten werden ebenfalls nur im Rahmen der Reha übernommen. Hier orten die Fachleute großen Nachholbedarf im Verständnis, dass auch Nikotinsucht eine behandlungswürdige Erkrankung darstellt. Dass sich Suchtmedizin und Rauchstoppbehandlung annähern, bezeichnet sie als bedeutenden Schritt. Was ein Rauchverbot angeht, so helfe ein solches sehr wohl beim Aufhören. „Aber es braucht klare Regelungen“, betont Koalick.

Mehrheit für Rauchverbot

In Vorarlberg rauchen rund 38 Prozent der Bevölkerung. „Viele beruhigt es, vielen gibt es Sicherheit“, weiß Reinhard Haller. Dass sie siebeneinhalb Jahre ihres Lebens einbüßen, spielt lange keine Rolle. „Ab 40 gibt es aber keinen Raucher mehr, der nicht aufhören möchte“, so Haller. Doch Nikotinentzug ist gleichzusetzen mit Opiatentzug und deshalb enorm schwer durchzuhalten. Umso wichtiger sei das Engagement gegen das Rauchen. „Nicht gegen die Raucher“, wie er betont.

Bei einer von den VN in Auftrag gegebenen Berndt-Umfrage sprachen sich 52 Prozent der Vorarlberger für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie aus. Als Hauptgründe wurden der Nichtraucherschutz, die Gesundheit, eine bessere Atmosphäre sowie der Schutz des Personals genannt.

Ab 40 gibt es keine Raucher mehr, die nicht aufhören möchten.

Reinhard Haller