Das Reden über Gott

Vorarlberg / 13.06.2014 • 19:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto: AP
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Unheimlich schwer fällt es manchen getauften und gefirmten Christen, in der Öffentlichkeit über ihren Glauben und über Gott zu reden. Diese ganze Thematik kommt gelegentlich eher bei den sogenannten „Grenzerfahrungen“ des Lebens, wie z. B. dem Tod und dem Sterben zur Sprache. Aber auch da sind Menschen oft „sehr gehemmt“. Sie sprechen dann (in einem Todesfall) nicht mehr von „Himmel“ oder „von Gott“, sondern umschreiben das Ganze elegant: „Ja, ich glaube, dass der/die Verstorbene jetzt, dort, wo er/sie ist, es besser hat!“ Wenn du dann vorsichtig nachfragst, was unter „dort“ gemeint ist, wird oft eher verlegen gelächelt. Haben wir das Reden über unseren Glauben, über Gott verloren? Die Selbstverständlichkeit des Glaubens signalisieren (weil gerade die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien stattfindet) im Reden über Glauben und Gott manche Fußballprofis in der Öffentlichkeit. Für sie scheint es kein Problem zu sein, ihren Glauben öffentlich zu bekennen. Der junge österreichische Teamspieler und Profi bei Bayern München, David Alaba (Jahrgang 1992) veröffentlichte in der Zeitschrift „Pro“ seine ganz persönliche Glaubenseinstellung:

„Es bedeutet mir viel, zu spüren, dass Gott mich liebt. Die Beziehung zu Gott und seine umfassende Liebe sind das Wichtigste in meinem Leben und es ist gut zu wissen, dass Gott in jeder Minute meines Lebens neben mir steht.“ Im vergangenen Mai trug Alaba, beim Feiern des Champions-League-Sieges im Londoner Wembley-Stadion ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Meine Kraft liegt in Jesus“. Auch in seinem Spielerprofil in der Homepage, ist dies nachzulesen. Als man David Alaba fragte, wie er überhaupt zu seiner religiösen Einstellung gekommen sei, gab er zur Antwort: „Meine Eltern haben mich in diesem Glauben erzogen und ich hole meine Kraft aus dem Glauben an Gott. Ihm habe ich sehr viel zu danken!“

Verschiedenste Vorstellungen

Meist kommt „Gott“ (oder das, was Menschen darunter verstehen) in „schwierigen Situationen des Lebens“ zur Sprache: „Warum hat Gott das zugelassen?“ Interessanterweise hat noch niemand öffentlich beim Anblick eines vollen Kühlschranks zu Hause oder eines eigenen vollen Wein- oder Bierkellers gefragt, warum Gott dies zugelassen hat. Meist werden in den „Gottesvorstellungen“ eigene Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte, Interessen, Ängste und Hoffnungen hineinprojiziert.

Diese werden oft aber auch beeinflusst durch Erziehung, Zeitgeist und Kultur, Traditionen, Sitten und Gebräuche. Gottesvorstellungen können und sollen sich auch wandeln: Es gibt ein ErwachsenWerden in der Religiosität. Gegenüber Kindern ist es weniger wichtig, möglichst viel von Gott zu reden, als ihnen Gott zu zeigen. Das geschieht, indem man den Kindern Liebe, Vertrauen, Geborgenheit durch die eigene Person zukommen lässt und sie in der „Praxis des Glaubens“ (Gebet und sonntäglicher Gottesdienst) nicht verkümmern lässt.

Von Gott und Glaube reden heißt aber auch „wissen“, was mich selber in meinem Leben trägt. In der Pfarrkirche Hörbranz steht ganz groß vorne, links, auf der Wand: „Gott sagt JA zu mir!“ Vielen, so sagten es mir bis zum heutigen Tag, war das nicht nur (als sie es lasen) eine neue Sichtweise des Glaubens, sondern eine Kraft, eine echte Lebenskraft. Ein noch junger Mensch, der vor Jahren aus der Kirche ausgetreten war, hat sich entschlossen, wieder einzutreten mit der Bemerkung: „Als ich das in eurer Kirche gelesen hab (Gott sagt JA zu mir), hab ich mir gedacht: da darf und kann ich nicht fehlen! Ich möchte bei dieser Glaubensgemeinschaft sein, die aus dieser Kraft und aus dieser Überzeugung heraus das Leben verwirklicht!

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