Der Wolf ist im Appenzell

Vorarlberg / 16.06.2014 • 19:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Wolf ist im Appenzell

In Untereggen und Heiden, gleich über der Grenze, rissen Wölfe insgesamt vier Schafe.

Schwarzach. Die Überraschung ist groß. Nicht im Arlberg-Grenzgebiet und nicht
in den Regionen Montafon oder Nenzinger Himmel, nein: Unweit der Vorarlberger Grenze sorgten Wölfe – womöglich war es nur ein Wolf – für großes Aufsehen. Im Kanton Appenzell, konkret in Untereggen und Heiden, rissen die Raubtiere insgesamt vier Schafe. Für den Vorarlberger Wildbiologen Hubert Schatz (49) ist nun klar: „Wölfe können auf Wanderschaft auch das Rheintal durchstreifen.“

Die Risse knapp jenseits der Grenze passierten bereits im Mai. Mitte des Monats tötete das Raubtier zuerst in Untereggen zwei Schafe, danach riss es im sechs Kilometer entfernten Heiden zwei weitere Nutztiere. Bekannt gemacht wurden die Vorfälle deswegen erst jetzt, weil nun das Ergebnis der Analyse der beiden Kadaver von Heiden vorliegt. Beim Wolf in Heiden handelt es sich um einen „Italiener“, mutmaßlich aus dem mittlerweile berühmten Calanda-Rudel. Eine zweite DNA-Untersuchung der gerissenen Tiere von Untereggen wird nun darüber Auskunft geben, ob es sich beim dortigen „Reißer“ um denselben Wolf handelt. Das berichtet das „St. Galler Tagblatt“ auf seinem Online-Portal.

Überraschung

Für die Behörden kommt das Auftauchen des Wolfes in der Region offensichtlich unerwartet. So wird vom „St. Galler Tagblatt“ jedenfalls der Ausserrhoder Jagdverwalter Willi Moesch zitiert. Völlig überrascht zeigte sich auch der Unteregger Gemeindepräsident Norbert Rüttimann gegenüber den Vorarlberger Nachrichten. „Ich habe soeben von den Aktivitäten des Wolfes in unserer Gemeinde erfahren. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Wir werden die Situation jetzt in Ruhe erörtern müssen.“ Bemerkenswert: Die gerissenen Schafe von Heiden befinden sich am Dorfrand der Kommune in relativ dicht besiedeltem Gebiet. Es war das erste Mal seit über 300 Jahren, dass in Appenzell Ausserrhoden ein Wolf auftauchte.

Wanderer im Rheintal

Erstaunt, aber nicht vollkommen überrascht zeigt sich der Vorarlberger Wildbiologe Hubert Schatz über die Existenz von Wölfen in unmittelbarer Nähe des Rheintals. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen: Wölfe leben nicht nur in völlig abgelegenen Gebieten. In Calanda etwa begleiten sie das Wild auch bis in die Niederungen. Wenn Wölfe große Wanderschaften absolvieren, kann es auch sein, dass sie das Rheintal durchstreifen.“ Und dann könne es auch vorkommen, dass sich das Raubtier dort seine Nahrung verschafft, wo es am einfachsten geht. Die Wölfe hätten sich laut Schatz schon längst auf ein Leben mit den Menschen eingestellt. „In Panik müssen wir jedoch nicht geraten“, so Schatz. Die Vorbereitung von Maßnahmen für einen richtigen Umgang mit Wölfen würden in Vorarlberg ungestört weitergehen.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.