„Wollen ,X-Park Montafon‘ bauen“

Vorarlberg / 20.06.2014 • 19:16 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Wir konnten den finanziellen Spielraum der Gemeinde im positiven Sinne ausbauen“: Bürgermeister Tschanhenz im VN-Gespräch.
„Wir konnten den finanziellen Spielraum der Gemeinde im positiven Sinne ausbauen“: Bürgermeister Tschanhenz im VN-Gespräch.

Monatssalär, Kandidatur und Persönliches: Bürgermeister Tschanhenz im VN-Gespräch.

St. Gallenkirch. Der Tourismusbereich spielt in der Montafoner Gemeinde St. Gallenkirch, zu der auch Gargellen und Gortipohl gezählt werden, naturgemäß eine gewichtige Rolle. Im Rathaus hat seit geraumer Zeit die Liste Volkspartei und Unabhängige von Gemeindechef Ewald Tschanhenz mit elf Mandaten das Sagen. Tschanhenz ist neben seiner Funktion als Bürgermeister auch als Hotelier tätig.

Große Pläne im Tourismus

Zweitstärkste Fraktion im Gemeindeparlament ist mit neun Sitzen die Liste SPÖ und parteifreie Bürger. Die Fraktion Lebenswerte Heimat und FPÖ ist seit den Gemeindewahlen 2010 mit einem Mandat vertreten. Derzeit werden dort im Hinblick auf den Ausbau der touristischen Infrastruktur in der flächenmäßig zweitgrößten Gemeinde des Landes millionenschwere Pläne gewälzt.

Herr Bürgermeister, zunächst Persönliches: Welche Person oder welcher Politiker ist für Sie ein Vorbild?

Tschanhenz: Ich möchte meine Antwort nicht auf eine Person beziehen. Für mich besitzen jene Politiker eine Vorbildfunktion, die es verstehen, nicht mit Stress und mit Hetze, sondern mit sachlicher, sozialchristlicher und wirtschaftlicher Einstellung Politik zu machen. Diesbezüglich gefällt mir die Herangehensweise unseres Landeshauptmannes an die politische Arbeit schon sehr gut.

Stellen Sie sich vor, Sie wären über Nacht unvorstellbar reich. Was würden Sie tun?

Tschanhenz: Ich würde meine Ziele und jene der Gemeinde so weiterverfolgen, wie ich es bis jetzt getan habe. Die Thema, etwas bewegen zu können, steht für mich im Vordergrund.

Sie werden auch als Favorit für die Nachfolge von Rudi Lerch als Standesrepräsentant und Sprecher der zehn Montafoner Gemeinden gehandelt. Wären Sie bereit, diese Funktion zu übernehmen?

Tschanhenz: Zu diesem Thema möchte ich mich derzeit nicht äußern. Diese Frage wird nach den Gemeindewahlen im nächsten Jahr abgestimmt, und der beste Kandidat soll das Amt übernehmen.

In St. Gallenkirch werden auf engem Raum drei Feuerwehrwehren finanziert. Provokant gefragt: Wie lange kann sich die Kommune das noch leisten?

Tschanhenz: Die Behauptung auf engem Raum stimmt nicht, Gargellen ist immerhin elf Kilometer von St. Gallenkirch entfernt. Die Notwendigkeit für eine eigene Feuerwehr ist im Hinblick auf winterliche Straßensperren vor allem in Gargellen gegeben. Die Feuerwehr Gortipohl ist in einem mehr als 60 Jahre alten Feuerwehrhaus untergebracht und sehr sparsam. Die Wehr hat uns zugesichert, dass sie mit ihrer jetzigen Situation in den nächsten Jahren das Auslangen findet.

Hat es während Ihrer Amtszeit schon Momente gegeben, in denen Sie bereut haben, die Funktion des Bürgermeisters übernommen zu haben, und was zeichnet einen guten Gemeindechef aus?

Tschanhenz: Natürlich hat es während meiner Amtszeit in den letzten vier Jahren bereits verschiedentlich Situationen gegeben, bei denen ich mich gefagt habe, warum ich mir das angetan habe. Verständnis mit Problemen umgehen zu können, das sollte man als Gemeindechef haben. Auch lösungsorientiertes Arbeiten muss einem liegen.

Zu einem Großprojekt: Wie weit sind die Pläne für den geplanten X-Park Montafon in Ihrer Gemeinde gediehen?

Tschanhenz: Beim X-Park handelt es sich um einen Sommerpark, mit dem junge Leute angesprochen werden sollen. Damit wollen wir ein neues touristisches Thema anschneiden. Unser Park soll so groß werden, dass er für die ganze Talschaft interessant ist. Derzeit läuft dazu eine Machbarkeitsstudie. Der Prozess läuft bereits seit eineinhalb Jahren. Die Investition dafür könnte bis zu vierzehn Millionen Euro betragen. Wirtschaftlichkeit, Produktfindung und die Erarbeitung eines Masterplanes wurden über einen einstimmigen Beschluss im Rathaus bereits vergeben. Die Situation im Tourismus ist derzeit so: Wir dürfen uns zwar über gute Wintersaisonen freuen, der Sommer wurde aber lange vernachlässigt. Erklärtes Ziel muss es deshalb sein, neue Kundschaften für den Sommertourismus zu gewinnen. Förderungszusagen haben wir bereits bekommen.

Sind Sie mit Ihrem Gehalt zufrieden, und wie viel bleibt Ihnen netto pro Monat?

Tschanhenz: Was mein Einkommen anbelangt, eines gleich vorweg: Ich besitze ein gut gehendes Hotel mit 140 Betten und hätte, um meine Lebensqualität steigern zu können, garantiert nicht in die Politik gehen müssen. Weil ich die Funktion im Rathaus übernommen habe, musste ich im Hotel Leute anstellen. Dies schlägt sich mit jährlichen Ausgaben von rund 150.000 Euro zu Buche. Als Bürgermeister bleiben mir rund 3600 Euro netto pro Monat.

Werden Sie bei Gemeindewahlen im Frühling 2015 antreten?

Tschanhenz: Ja, wir werden es abermals versuchen.

Mir bleiben 3600 Euro netto pro Monat.

Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
„Wir konnten den finanziellen Spielraum der Gemeinden im positiven Sinne ausbauen“: Bürgermeister Tschanhenz im VN-Gespräch.
„Wir konnten den finanziellen Spielraum der Gemeinden im positiven Sinne ausbauen“: Bürgermeister Tschanhenz im VN-Gespräch.
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz
Bürgermeister Gespräch: Ewald Tschanhenz

Kurz gesagt . . .

Absolute Mehrheit: Sehr wichtig, um Ziele, die man bei Wahlen versprochen hat, auch umsetzen zu können.

Freunderlwirtschaft: Braucht es nicht.

Lebensglück: Familie.

Politikverdrossenheit: Bedenklich

Parteifreund: In der Partei arbeitet man gut zusammen.

Freizeit: Zu wenig.

Erstwähler: Mit 16 Jahren zu früh.

Lebensqualität: Vorarlberg.

Netzwerke: Wichtig.

Lebensabend: Ich bin am Abend selten zu Hause.

Zahlen zu St. Gallenkirch

» Einwohnerzahl: 2164

» Gemeindefläche: 127,82 km2

» Jahresbudget: 11 Millionen Euro

» Pro-Kopf-Verschuldung:
3633 Euro (inkl. GIG und Leasing)

» Betriebe: 175

» Beschäftigte: 628

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