Mit einer stoischen Ruhe allein gegen die Montafonerbahn

Vorarlberg / 23.06.2014 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ärger wegen Schwarzfahrt: Fidelis Josef Staggl (74). Foto: Sohm  
Ärger wegen Schwarzfahrt: Fidelis Josef Staggl (74). Foto: Sohm  

Besetzter Schalter, kein Automat, keine Zeit: Unfreiwillige „Schwarzfahrt“ ins Chaos.

Bregenz. „Ich bin ein begeisterter Schüler der griechischen Stoiker. Also sehe ich Ihrer Entscheidung mit stoischer Ruhe entgegen.“ So schrieb der 74-jährige Schrunser Fidelis Josef Staggl an das Landesverwaltungsgericht Vorarlberg. Denn dort klopfte er an. Empört. Doch mit stoischer Ruhe. Und im Alleingang. „Weil sich dagegen endlich mal jemand rühren muss. Denn vielen ist schon passiert, was mir geschah“, will er wissen.

Es war im September vergangenen Jahres. Der Schrunser Pensionist hatte in Feldkirch einen Arzttermin. Ohne privaten Pkw war er auf die Reise im Zug angewiesen. Und der fuhr in acht Minuten ab, als er sich beim Bahnhof Schruns einfand. Nun ist es seit August 2013 so, dass Karten der Montafonerbahn im Schalterraum gelöst werden müssen. „Vorher und hundert Jahre davor konnte man die Tickets noch beim Schaffner lösen. Diese neue Praxis schafft nur Ärger“, so Staggl zu Verwaltungsrichterin Katharina Feuersinger.

Doch der Schalterangestellte war mit Informationen für eine Traube ausländischer Gäste beschäftigt. „Und der Abfahrtstermin rückte immer näher“, dachte sich Staggl, diesmal mit weniger stoischer Ruhe.

Was tun? Das Ticket beim Kartenautomat einlösen? Ging nicht, denn es gibt keinen solchen Automaten beim Bahnhof Schruns. Überhaupt bei keiner Haltestelle der Montafonerbahn. „Da dachte ich mir, ich löse die Karte halt wie in alten Zeiten beim Schaffner“, erinnert sich der Rentner. Das war ein Fehler. Der Schaffner habe ihm ein „Zettelchen“ überreicht, auf dem er seine Personalien aufschreiben sollte. „Das hat mich irgendwie amüsiert. Ich füllte das Zettelchen nicht aus, denn damit konnte ich nichts anfangen. Ich wollte nur eine Fahrkarte.“

Von der Polizei erwartet

Beim Bahnhof Bludenz nahmen ihn ein Polizist und eine Politesse freundlich in Empfang. Der Schaffner hatte sie telefonisch alarmiert. Diesmal klappte das mit den Personalien. Allerdings nicht das mit dem Ticket für die Weiterfahrt nach Feldkirch. Wieder fehlte die Zeit. Wieder fuhr Staggl schwarz. „Ich war einfach dazu gezwungen“, so seine Rechtfertigung. Später flatterte ein weiteres „Zettelchen“ von der Bezirkshauptmannschaft Bludenz ins Haus: 60 Euro Strafe wegen Schwarzfahrerei. Es war vorbei mit der stoischen Ruhe. Staggl beschloss den Widerstand. Meldete Berufung beim Verwaltungsgericht an. Gestern war Verhandlung, die Erkenntnis (richterliches Urteil) steht noch aus. Als Zeuge erschien unter anderem Kurt Rudigier vom Service der Montafonerbahn. Auf die Frage aller Fragen in diesem Prozess, warum keine Tickets mehr beim Schaffner eingelöst werden können, antwortete er: „Man will damit die Zahl der Schwarzfahrer dezimieren. Ein Schaffner allein kann unmöglich alle Fahrkarten verkaufen. Dazu kommt er einfach nicht.“ Und warum keine Fahrkartenautomaten bei den Haltestellen der Montafonerbahn? „Der Grund ist finanzieller Natur“, so Rudigier, „so ein Automat kostet 80.000 Euro.“ Für Staggl hingegen ist dieses „Gesetz“ eine Schikane. Er sieht dem Ausgang des Verfahrens optimistisch entgegen, mit stoischer Gelassenheit.

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