Keine Hinweise in Hall auf gezielte Euthanasie

Vorarlberg / 24.06.2014 • 19:56 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Hall, Bregenz. Eine Historikerkommission hat keine Hinweise darauf gefunden, dass 228 von November 1942 bis April 1945 auf dem Anstaltsfriedhof der Psychiatrie in Hall bestattete Menschen – darunter etwa 60 aus Vorarlberg – Opfer von „systematisch geplanter dezentraler Euthanasie“ geworden sind.

Die historischen, sozialwissenschaftlichen, archäologischen, anthropologischen und medizinischen Untersuchungen hätten keine Belege dafür geliefert, erklärte der Vorsitzende der Kommission, Bertrand Perz, gestern in Hall. „Laut den Quellen dürften die dortigen Ärzte nicht bereit gewesen sein, Patienten direkt in der Anstalt mit überdosierten Medikamenten zu töten.“ Tötungen oder zumindest das Herbeiführen oder Zulassen eines „schnellen Todes“ könne indes nicht ausgeschlossen werden.

Der Grund, warum man auf dem Anstaltsgelände einen Friedhof angelegt habe, sei „relativ banal“, so Perz. Auf dem städtischen Friedhof habe sich der Platzmangel verschärft. Der angelegte Anstaltsfriedhof sollte bis zur Errichtung eines neuen Friedhofs den verstorbenen Patienten Platz bieten. Nach 1945 geriet er alsbald in Vergessenheit. In den 1950er-Jahren setzte der Verfall ein, ehe in den 1960er-Jahren Obstbäume auf dem Gelände gepflanzt wurden. Entdeckt wurde er schließlich 2011 im Zuge von Umbauarbeiten.

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