„Wir Jungen sagen es, wenn was nicht passt“

Vorarlberg / 24.06.2014 • 19:56 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Raphael Wichtl: „Die ständige Auseinandersetzung mit dem Bürger tut der Politik gut.“ Foto: Rhomberg
Raphael Wichtl: „Die ständige Auseinandersetzung mit dem Bürger tut der Politik gut.“ Foto: Rhomberg

JVP-Vizeobmann Raphael Wichtl äußert Kritik auch in den eigenen Reihen.

schwarzach. (VN-hrj) Am politischen Geschehen interessiert war er schon immer. Vor fünf Jahren kam für ihn der Zeitpunkt, selber die Zukunft seiner Generation mitzugestalten. Er schloss sich der Jungen Volkspartei (JVP) an. „Dort habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt“, erzählt Raphael Wichtl. Heute ist der 21-jährige Jus-Student aus Fußach Kandidat für die Landtagswahl im Herbst. Sein Name steht auf Platz 18 der Bezirksliste Bregenz.

Eines seiner zentralen Themen ist Mobilität. Wichtig für ihn: „Die Jugend muss mobil sein.“ Die Kosten für den Führerschein seien für junge Menschen viel zu hoch und gehörten dringend reduziert, kritisiert er. „Zum Auto muss jedoch auch eine Alternative angeboten werden.“ Eine Möglichkeit sieht Wichtl in einer ständigen Verbesserung des Öffi-Netzes.

Leistbarer Wohnraum für Junge ist ein anderes Thema, das der junge VP-Politiker in seine Agenda aufgenommen hat. „Besonders junge Familien müssen beim Erwerb ihrer ersten Wohnung unterstützt werden. Das hilft beim Einstieg in die Selbstständigkeit.“ Wie andere Jungpolitiker hat auch Raphael Wichtl ein Problem mit der Koalitionsregierung. Besonders erzürnt ihn die Haltung des Bundes zum Hypo-Alpe-Adria-Schlamassel: „Da gibt es Bereiche, die ich einfach nicht verstehe.“ Unter anderem die Debatte um den Untersuchungsausschuss: „Ich bin klar dafür, auch wenn die Volkspartei dagegen ist. Die Bevölkerung hat nämlich das Recht zu erfahren, was da falsch gelaufen ist.“ Wichtl vertritt die Ansicht, dass die Verantwortlichen der Bankenpleite für das Desaster, das sie angerichtet haben, vor Gericht gestellt gehören.

Genauso wenig Verständnis hat der schwarze Jungpolitiker für den Plan, Gagen und Spesen für die Abgeordneten zu erhöhen – wobei die Spesen aufgrund des Widerstands aus Vorarlberg offenbar nun doch nicht angehoben werden. „In Zeiten einer Krise, und die Koalition steckt in einer, ist es unvorstellbar, einen solchen Schritt zu setzen. Wie soll man so etwas jungen Menschen erklären? Das geht gar nicht!“

Auch was die Steuerpolitik betrifft, hat Wichtl eine klare Meinung: Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen dringend entlastet werden. Von einer Millionärsabgabe, wie sie die SPÖ fordert, hält er allerdings nichts. „Eine solche Steuer würde wieder einen Teil des Mittelstands treffen. Dabei soll der ja durch eine Steuerreform gestärkt werden.“

Offensichtlich zählt Raphael Wichtl zu jenen Jungpolitikern, die auch in eigenen Reihen Kritik anbringen. „Es zeichnet uns Junge aus, dass wir sagen, was uns nicht passt“, meint er dazu. Und wie gefällt das Vorarlbergs VP-Chef? „Markus Wallner akzeptiert das. Er ist sehr mit uns verbunden und hat immer ein Ohr für unsere Anliegen“, lobt Wichtl den Landeshauptmann.

Politikverdrossenheit

Besorgt ist Wichtl über die ausgeprägte Politikverdrossenheit der Jugend. „Dagegen müssen wir ankämpfen.“ Seiner Ansicht nach sollten sich viel mehr Jugendliche politisch engagieren. Er werde Möglichkeiten aufzeigen, sich so einzubringen, dass Politik Spaß macht. „Dafür werde ich den Straßenwahlkampf nutzen.“ Es sei nämlich „sehr spannend, unterwegs zu sein, mit Menschen zu reden, ihre Anliegen zu erfahren. Nur so kann man etwas verändern.“ Als Beispiel zieht er Wallner heran, der im Rahmen des „Treffpunkt Landeshauptmann“ recht oft unterwegs sei. „Die ständige Auseinandersetzung mit den Bürgern tut der Politik gut“, meint Wichtl, und genau das vermisse er seitens der Bundesregierung. „Ausgenommen ist Sebastian Kurz. Er ist auf dem Boden geblieben und sieht den Kontakt mit den Bürgern als Bereicherung“, meint er über Österreichs 28-jährigen Außenminister. Außerdem sei Kurz ein Bundespolitiker, der Farbe bekenne, wie dessen kritische Äußerungen über den Wahlkampfbesuch des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan in Wien beweisen. „Ich finde, Sebastian Kurz macht seine Sache sehr gut. Für mich ist er ein Vorbild.“

Raphael Wichtl: „Die ständige Auseinandersetzung mit dem Bürger tut der Politik gut.“ Foto: Rhomberg
Raphael Wichtl: „Die ständige Auseinandersetzung mit dem Bürger tut der Politik gut.“ Foto: Rhomberg

Word-Rap

Mein allererster Berufswunsch war: Landwirt. Jetzt nicht mehr.

Meine Freundin sagt über mich: Er hat sehr guten Humor.

Bisher schönste Erfahrung meines Lebens: Der Tag, an dem ich Nathalie begegnet bin.

Das Wertvollste für mich ist: Familie

Geprägt hat mich besonders: Zivildienst bei der Rettung

Hätte ich einen Wunsch frei . . . : Viele weitere gesunde Jahre

Meine Stärke: Humor, Ausdauer, Überzeugung

Am besten entspanne ich bei: Bergtouren

Politiker sind wichtig, weil . . . : es Menschen braucht, die für ihre Überzeugung einstehen.

Macht bedeutet für mich: Sie darf nicht missbraucht werden.

Zur Person

Raphael Wichtl

möchte nach seinem Jus-Studium auf keinen Fall Berufspolitiker werden.

Geboren: 17. 11. 1992

Wohnort: Fußach

Familienstand: Partnerschaft mit Nathalie

Ausbildung: Studium der Rechts­wissenschaften

Motto: Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter.

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